Klatschen und Schnippen

In der Kirche Feld wurde für einmal wenig gepredigt, dafür viel gesungen. Gast Christoph Jakob sprach über seinen Glauben und den Eurovision Song Contest.

Pablo Rohner
Drucken
Der Gospelchor Flawil mit Special Guest Christoph Jakob von «Takasa» brachte die Kirchgemeinde in Bewegung. (Bild: Pablo Rohner)

Der Gospelchor Flawil mit Special Guest Christoph Jakob von «Takasa» brachte die Kirchgemeinde in Bewegung. (Bild: Pablo Rohner)

FLAWIL. Es war Bewegung in der Kirche. Die 25 Frauen und Männer des Gospelchors Flawil klatschten, schnippten und wiegten hin und her. Man kennt das aus den USA: In der «Gospelchurch» sind auch die Besucher angehalten, unter vollem Einsatz von Stimme und Körper mitzumachen. Man würde das einem traditionell liturgisch geschulten Schweizer Publikum vielleicht nicht zutrauen. Doch in Flawil klatschten und schnippten sie in den Bänken und tanzten – beim Song «This Train» zum Beispiel.

Es juckte im Tanzbein

Vielleicht klappte es, weil die reformierte Flawiler Kirchgemeinde mit der Gospelchurch schon vertraut ist, sie findet hier mehrmals im Jahr statt. Vielleicht lag es auch an Chorleiter Urs Leuenberger, der die Idee des Gospels vor dem Chor eindrucksvoll verkörperte. Mehr als Bandleader denn als Dirigent koordinierte er die Einsätze der Instrumente und der drei Chorstimmen Sopran, Alt, Tenor. Dabei war er in ständiger Bewegung, lachte viel, animierte das Publikum und sang selber kräftig mit. Die Instrumentalbesetzung mit Piano, Schlagzeug und E-Bass sorgte zusätzlich für Jucken im Tanzbein.

Nach dem Song «Everyday» wurde Special Guest Christoph Jakob mit einer Videoeinspielung des Auftritts von «Takasa» am Eurovision Song Contest 2013 eingeführt. Urs Leuenberger, Götti der Schwester des Sängers, durfte Jakob einige intime Fragen stellen; zum Abenteuer in Malmö und zu seinem Glauben. Jakob erzählte, dass es nicht leicht gewesen sei für die Band, auf das Tragen der Heilsarmee-Uniformen zu verzichten. Ihm sei bei allem Wirbel um «Takasa» immer wichtig gewesen, sich nicht verbiegen zu lassen. Den Song «You and Me», habe er persönlich auch als Zwiegespräch mit Gott gesungen.

Doch der Sänger war nicht bloss zum Erzählen gekommen. Als Solist bestritt er einige Songs mit dem Chor und belegte, was er zuvor gesagt hatte: «Der Gospel ist für mich eine musikalische Heimat.» Zwischen seinen Auftritten sass er in der ersten Reihe. Auch von dort aus sang er mit, klatschte und schnippte.

Heimspiel für den Gospelchor

Der Dezember bedeutet Hochbetrieb für den Gospelchor Flawil. Fünf Auftritte stehen in diesem Jahr bis Silvester auf dem Programm. Mit wie viel Freude sie dieses Pensum bewältigen, sagte ein Blick in die Gesichter der Singenden. Nicht wenige sangen mit geschlossenen Augen, viele lachten und klatschten, einige schnippten. Und als sie zum Abschluss den Spiritual «Go Tell It on the Mountain» anstimmten, sang auch das Publikum nochmals lautstark mit – und klatschte und schnippte.