Ein unnötiger Schnellschuss: Leitung der Zuzwiler Kita «Summervogel» kritisiert Urnenabstimmung über schulergänzende Tagestrukturen

Die Kooperationsgespräche mit der Geschäftsleitung der Kindertagesstätte Summervogel sind gescheitert: Der Zuzwiler Schulrat will nun die Tagesstrukturen im Alleingang einführen.

Andrea Häusler
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In der Zuzwiler Kita Summervogel sind Betreuungsplätze für Babys und Kleinkinder am stärksten nachgefragt. Genügend freie Plätze gibt es für Schulkinder.

In der Zuzwiler Kita Summervogel sind Betreuungsplätze für Babys und Kleinkinder am stärksten nachgefragt. Genügend freie Plätze gibt es für Schulkinder.

Bild: PD

Entschieden wird am 19.April. Dann stimmt Zuzwil über die Rechnung 2019 sowie das Budget mit Steuerfuss für das laufende Jahr ab. Aber auch über den Aufbau schulergänzender Tagesstrukturen. Das Angebot soll nach den Sommerferien verfügbar sein und den obligatorischen «Mittagstisch» ergänzen. Ein Geschäft, das aufschiebbar wäre, und eine Vorlage, die intern fundierter und öffentlich breiter hätte diskutiert werden müssen, wie Gina Rütsche sagt. Die Leiterin der Kita Summervogel und Geschäftsführerin der gleichnamigen GmbH ist enttäuscht. Seit sechs Jahren betreibt sie neben den Zuzwiler Schulhäusern eine Tagesstätte für Kinder zwischen drei Monaten und 12 Jahren. Das Angebot ist ein privates, wird jedoch von der Gemeinde über eine Leistungsvereinbarung mit 20000 Franken pro Jahr unterstützt.

Schulergänzende Tagesstrukturen der öffentlichen Hand sind für private Kindertagesstätten per se eine Konkurrenz. Daran stört sich Gina Rütsche jedoch erst in zweiter Linie. Primär kritisiert sie, dass mit dem Verzicht auf eine Kooperation mit der Kita die Chance vertan werde, ein den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechendes, sukzessive ausbaubares, mit geringen finanziellen Investitionen und Risiken verbundenes Angebot zu schaffen.

Bereitschaft zu Anpassungen signalisiert

Sie sei nicht gegen die Tagesstrukturen und von Anbeginn weg zu einer Zusammenarbeit bereit gewesen, sagt Rütsche. Mit den Projektverantwortlichen der Schule wurden denn auch mehrere Gespräche geführt:

Gina Rütsche, Geschäftsführerin der Kita Summervogel Zuzwil GmbH.

Gina Rütsche, Geschäftsführerin der Kita Summervogel Zuzwil GmbH.

«Wir haben mehrere Konzepte erstellt und zudem wiederholt darauf hingewiesen, dass unser Betreuungsangebot nicht ausgebucht ist.»

Dennoch seien die Verhandlungen vom Schulrat abgebrochen worden. Dass ihr Ehemann und Kita-Mitgenossenschafter Serdar Günal Rütsche Mitglied ebendieses Schulrats ist, mag irritierend wirken. Jedoch stand dieser ab dem Zeitpunkt der konkreten Projektierung im Ausstand.

Gina Rütsche ist weiterhin überzeugt, dass man sich als Partner hätte finden können: «Wir wären durchaus bereit, unsere Module den Bedürfnissen der Schule anzupassen und auch personell wäre eine Zusammenarbeit denkbar.» Dies trotz der unterschiedlichen Verantwortlichkeiten auf Kantonsebene: Die Kita sind dem Amt für Soziales unterstellt, für die Tagesstrukturen ist das Amt für Volksschule zuständig.

«Es besteht kein zeitlicher Druck»

Im «Summervogel» sind 13 Mitarbeitende mit unterschiedlichen Pensen beschäftigt. Ausgelegt ist sie auf die Betreuung von täglich 45 Kindern. «Aktuell haben wir, an fünf Tagen, 130 Kinder – mit mehrtägigen Belegungen», sagt Gina Rütsche. Das entspreche einer Auslastung von 82 Prozent, wobei der Hort (Schulkinder) lediglich zu 70 Prozent belegt sei. «Knapp ist das Angebot für Babys bis 18 Monate, wenige Plätze gibt es für Kinder bis 4 Jahre, genügend jedoch für Schulkinder.»

Die anstehende Abstimmung über einen jährlichen Bruttokredit von 315900 (abzüglich der zu erwartenden Elternbeiträge) sowie 79300 Franken für die Vorbereitung und 236600 Franken für den Betrieb der schulergänzenden Tagesstrukturen in den verbleibenden acht Monaten des Jahres bezeichnet Gina Rütsche als Schnellschuss. Umso mehr, als kein Zeitdruck bestehe.

Ein Pilotversuch, der Korrekturen ermöglicht

Das sieht Schulratspräsident Clemens Meisterhans anders: «Es gibt Eltern, die auf ein solches Angebot warten», sagt er. Dagegen, dass das nun vorliegende Projekt unausgegoren sein könnte, verwehrt er sich: «Wir sind seit zwei Jahren dran, seit einem Jahr intensiv.» Es gehe auch nicht um ein Definitivum, sondern um einen auf drei Jahre befristeten Pilotversuch, der Korrekturen erlaube und die Möglichkeit biete, Erfahrungen zu sammeln. Den Zeitpunkt für den Start des Projekts erachtet er als richtig. Denn irgendwann werde der Kanton entsprechende Angebote verlangen, sagt er und verweist auf die in der Februarsession des Kantonsrats überwiesene Motion «Flächendeckende Betreuungsangebote für Kinder im Volksschulalter». Diese sieht eine Angebotspflicht der Schulträger für eine «bedarfsgerechte schulergänzende Betreuung ab dem Kindergarten» vor.

Auf die Verhandlungen mit der Kita Summervogel GmbH will Meisterhans im Detail nicht eingehen, sagt aber:

Clemens Meisterhans, Schulratspräsident, Zuzwil

Clemens Meisterhans, Schulratspräsident, Zuzwil

«Es sind nicht alle Brücken abgebrochen. Für den Schulrat war und ist jedoch klar, dass er keine komplette Auslagerung der Tagesstrukturen an die Kita will.»

Der Entscheid darüber, ob – nebst der Vorjahresrechnung und dem aktuellen Budget – über weitere Bürgerversammlungstraktanden an der Urne abgestimmt wird, oblag dem Gemeinderat. Dieser hat sich von der Argumentation des Schulrats überzeugen lassen.

Aufschiebbar oder nicht aufschiebbar?

«Die Vorlage wurde – vergleichbar mit einer Vorbürgerversammlung – an einem öffentlichen Informationsabend vorgestellt und auch intensiv diskutiert», sagt Gemeindepräsident Roland Hardegger. Damit sei eine geeignete Möglichkeit zur Meinungsbildung geboten worden. Auch er ist überzeugt: «Das Bedürfnis ist gross, die Leute warten auf das Angebot.» Der Schulrat geht übrigens von einer anfänglichen Nutzung von 12 bis 15 Schülern aus.