KIRCHENSTREIT: «Hirte» schreibt an die «Herde»

Dass sich der Zuzwiler Pfarrer Simon Niederer mit dem Kirchenverwaltungsrat auf einen «freiwilligen» Weggang einigte, stösst nicht nur auf Gegenliebe. Niederer erklärt sich nun in einem Brief.

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Die Fronten in der Katholischen Kirchgemeinde Zuzwil waren so verhärtet, dass die Situation sogar dem Bischof Kopfzerbrechen bereitete. Anstoss war der blaue Brief an Pfarreisekretärin Sandra Monsorno, gegen den sich Pfarrer Simon Niederer und die IG «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» öffentlich auflehnten. Dies mit der Folge, dass der Pfarrer vom Kirchenverwaltungsrat ebenfalls die Kündigung erhielt, gegen die er sich vehement wehrte. Vor Weihnachten kam die Wende. Simon Niederer versprach, das Feld freiwillig zu räumen. Im Gegenzug zog der Kirchenverwaltungsrat die Kündigung zurück. Pfarreisekretärin Sandra Monsorno hingegen blieb gekündigt.

Rückzug als egoistisch bezeichnet

Dass der Pfarrer erst so stark für den Verbleib der Pfarreisekretärin sowie für seinen eigenen kämpfte, sich dann aber doch mit dem Kirchenverwaltungsrat auf diesen Kompromiss einigte, scheint bei einigen Kirchbürgerinnen und Kirchbürgern für Kopfschütteln zu sorgen. Er sei deswegen schon von manchen angegangen worden, schreibt Simon Niederer in einem Brief an alle Pfarreiangehörigen der Seelsorgeeinheit mittleres Fürstenland. Einige könnten nicht verstehen, weshalb er «freiwillig» aufgebe. Andere bezeichneten seinen Rückzug als egoistisch, zumal die Frage um die Pfarreisekretärin noch nicht gelöst sei. Solche Überlegungen hätten ihn stark getroffen, weil die Anstellung der Pfarreisekretärin ja «tatsächlich noch nicht wiederhergestellt» sei und die «grossen Bemühungen zahlreicher besorgter Kirchbürger» nicht gefruchtet hätten, schreibt Niederer.

Wieder andere Pfarreiangehörige seien mit der «liebenswürdigen Bitte» an ihn herangetreten, doch noch zu bleiben und den Weggang nochmals zu überdenken. All diesen «wundervollen Kirchgängerinnen und Kirchgängern» spricht Niederer im Brief seinen Dank aus. Der Gedanke, das Engagement «als Hirte meiner Herde» bald beenden zu müssen, schmerze unerhört.

Aus Vernunft, aber gegen das Herz unterschrieben

Im Zusammenhang mit den ausgesprochenen Kündigungen habe sich ein unverstellbarer Druck aufgebaut. «Sowohl der Kirchenverwaltungsrat als auch ich befanden uns in einer verzwickten Blockade und Sackgasse», schreibt Niederer. Trotzdem habe er sich die Frage gestellt, warum er denn jetzt gehen solle, nachdem er vor kurzem darauf verzichtet habe, eine andere Stelle zu übernehmen. Zudem gefalle ihm die Arbeit in der Seelsorgeeinheit mittleres Fürstenland sehr gut. «Aber unter dem unvorstellbaren Zwang der Umstände und in der Erkenntnis, dass zu einer aussergerichtlichen Lösung keine Alternative in Sicht war, habe ich die Vereinbarung aus Vernunft, aber gegen mein Herz unterschrieben», heisst es im Brief weiter. Erst jetzt aber werde der Blick frei auf die eigentlichen Fragen, schreibt Niederer. «Was würde dann nach einem Weggang von Pfarrer Dr. Erwin Keller und mir geschehen?», «Wie schnell, wenn überhaupt, könnte für Ersatz gesorgt werden?». Einzelne Kirchbürger hätten bereits kundgetan, dass nach 20 Jahren ein Wechsel angezeigt und niemand unersetzlich sei, so Niederer. Andere seien sich durchaus bewusst, dass «bei einem Weggang von uns beiden Priestern viel Wertvolles unwiderruflich verloren gehen würde». So müsse beispielsweise jetzt schon über eine tief greifende Umgestaltung mit der damit verbundenen «schmerzlichen Reduktion» des aktuellen Gottesdienstangebotes nachgedacht werden, denn Aushilfspriester stünden kaum zur Verfügung, schreibt der Pfarrer. «Es wäre illusorisch anzunehmen, dass auch ohne uns beiden Priestern alles mehr oder weniger gleich weitergehen könnte.»

Gott alleine kenne die Zukunft, aber mit Gebet und tatkräftigem Handeln könne diese aktiv mitgestaltet werden, heisst es zum Schluss des Briefes. «In diesem Sinne bin ich zuversichtlich und frohen Mutes, dass sich bei uns noch alles wieder zum Guten wenden kann.»

Simon Niederer ist nicht der einzige, der Zuzwil verlässt. Es gibt zurzeit mehrere Vakanzen. Der Kirchenverwaltungsrat hofft nach eigenen Angaben, der Kirchbürgerschaft an der Versammlung vom 27. März neue Mitarbeitende präsentieren zu können.

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch