Kirche mit hohem Symbolwert

Anlässlich des 300jährigen Bestehens der evangelischen Kirche in Schönholzerswilen erzählte Ernst Ritzi von der geschichtlichen Entwicklung der Kirchgemeinde. Zudem zeigte er Spannungsfelder auf.

Monika Wick
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Runder Geburtstag für die evangelische Kirche in Schönholzerswilen. (Bild: Reto Martin)

Runder Geburtstag für die evangelische Kirche in Schönholzerswilen. (Bild: Reto Martin)

SCHÖNHOLZERSWILEN. «Wenn ich aus jener Zeit erzähle, ist das einfach und schwierig zugleich», sagte Ernst Ritzi. Er ist seit 1995 Aktuar des Kirchenrates der Evangelischen Landeskirche Thurgau. «Einfach ist es, weil meine Vorfahren aus Ritzisbuhwil stammen und beim Bau dieser Kirche mitgearbeitet hatten», sagte er. «Schwierig ist, dass mich einige Zuhörer hier kennen und dementsprechende Erwartungen hegen.»

Bauleiter und Pfarrer zugleich

Der 11. August 1712 war für die Reformierten im Thurgau ein wichtiger Tag. Mit dem vierten Landfrieden, dem der zweite Villmergerkrieg vorausging, hielt die konfessionelle Parität Einzug und zahlreiche evangelische Kirchen wurden errichtet. Zwischen 1714 und 1764 wurden im Thurgau acht neue Kirchen gebaut. «Die evangelische Kirche in Schönholzerswilen hat einen hohen Symbolwert», sagt Ritzi. Das Gotteshaus ist die erste evangelische Kirche, die seit 1531 gebaut werden durfte. Bei der Erstellung war Johann Konrad Breitinger Bauleiter. Er übernahm auch die Pfarrstelle.

«Grösste Hochachtung»

Die Kirchen beider Konfessionen wurden durch die «Pfrund», die aus Abgaben von Bauern bestand, finanziert. Mit den Geldern wurden die Pfarrbesoldung, der Bau und Unterhalt der Kirchen, die Schulen und die Armenfürsorge finanziert. Im Thurgau lebten um 1712 etwa 60 000 Einwohner. 70 Prozent lebten von Landwirtschaft, mussten aber mit zusätzlicher handwerklicher oder heimindustrieller Arbeit ein Zubrot verdienen. «Den Menschen von damals zolle ich grösste Hochachtung. Mit geringen Möglichkeiten deckten sie die Grundbedürfnisse der Bevölkerung ab», sagte Ritzi.