Kirche im Kampf gegen den Rost

Bis im September bleiben in der Kirche Feld die Glocken stumm: Ihre Halterung muss dringend renoviert werden. Vom historischen Bau soll aber so viel wie möglich erhalten bleiben.

Benjamin Pelzmann
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In der Flawiler Kirche Feld wurde der Glockenstuhl ausgebaut. Jetzt werden die Teile in Sursee renoviert. (Bild: zVg)

In der Flawiler Kirche Feld wurde der Glockenstuhl ausgebaut. Jetzt werden die Teile in Sursee renoviert. (Bild: zVg)

FLAWIL. Gut achteinhalb Tonnen Metall. Das Gewicht, das in der evangelisch-reformierten Kirche Feld am Glockenstuhl hing, ist gewaltig. Die fünf kleinen und grossen Glocken läuten aber seit einem Monat nicht mehr. Der Grund: Die Aufhängevorrichtung – der sogenannte Glockenstuhl – wird renoviert. «Ende Mai wurden während einer Woche die einzelnen Teile des Metallgerüsts demontiert», sagt Harald Schiess von der Kirchenvorsteherschaft (Kivo) der Feld-Kirche. Dafür wurde ausserhalb des Turms ein Gerüst installiert. «Das bestehende Treppenhaus ist schlicht zu eng für den Transport», sagt Schiess.

Schwingungen abdämpfen

«Die Kirche ist über hundert Jahre alt; der Glockenstuhl ebenso», sagt das Kivo-Mitglied. Die teilweise vom Rost zerfressenen Metallbalken liegen jetzt im Kanton Aargau, in Sursee, in den Lagerhallen und Werkstätten der Muri AG. Dort werden die beschädigten Stücke ersetzt und alle Teile sandgestrahlt. «Im Turmdach ist der Glockenstuhl der Witterung ausgesetzt», erklärt Schiess. Deshalb erhalten die einzelnen Teile einen Korrosionsschutz in Form einer Zink-Behandlung und eines matten Harzes. Gleichzeitig wird die Halterung neu nicht mehr direkt auf dem Beton stehen. «Der Glockenstuhl steht dann auf sogenannten <Elasto-Schwingungsdämpfern>, die die Vibrationen der Glockenanlage abdämpfen», sagt Schiess. Dadurch sei auch der Turm gegen die schädlichen Schwingungen besser geschützt.

Katholiken übernehmen Läuten

Neben dem Glockenstuhl werden auch Joche und Glockenstube renoviert. Der Boden der Glockenstube soll etwa für besseren Wasserablauf wie die Metallträger mit einem Harz überzogen und an den Rändern hochgezogen werden. Somit fliesst das Wasser direkt in die Abläufe. Das ganze Projekt kostet gut 150 000 Franken, für Baumeister und Gesamtrenovation.

Fertig sein soll die Renovation von Glockenstuhl, Läuteanlage und Glockenstube bis nach den Sommerferien. «Am Bettag, der dieses Jahr auf den 15. September fällt, sollen die Glocken wieder läuten», sagt Harald Schiess. Bis dahin bleibt der Turm stumm. Nur manchmal übernimmt die katholische Kirche einen Läutedienst; etwa beim «Endläuten», dem Läuten bei Todesfällen. Von Beschwerden aus der Bevölkerung hörte Harald Schiess bis jetzt nichts: «Wir haben das im Vorfeld breit kommuniziert. Die Leute wissen, weshalb es nicht läutet.» Und einige seien vielleicht sogar froh darum. Die Turmuhr tickt währenddessen weiter: Sie ist vom Umbau nicht betroffen.

Keine Überraschungen

Das Team der evangelischen Kirche arbeitet während des Umbaus mit dem Denkmalschutz des Kantons St. Gallen zusammen. «Wichtig ist, dass der Grundcharakter des Glockenstuhls erhalten bleibt», erklärt Kivo-Mitglied Harald Schiess. So soll auch möglichst viel Originalmaterial erhalten bleiben. Und trotzdem: Die Renovation sei mehr als nötig. «Ich weiss nicht, wie lange der Glockenstuhl noch gehalten hätte», sagt Schiess. Die entdeckten Schäden seien bisher aber erwartet gewesen: «Zu Überraschungen ist es bis jetzt nicht gekommen.»

Harald Schiess (Bild: bp)

Harald Schiess (Bild: bp)