Kirche benötigt einstige Baulandreserve für eine zweite Kirche im Uzwiler Zentrum nicht mehr

Die Katholische Kirchgemeinde will einen Teil ihres Grundstücks an der Fichtenstrasse in Uzwil verkaufen. Dort steht heute ein Kindergarten.

Philipp Stutz
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Das Land, auf dem der Kindergarten an der Fichtenstrasse steht, gehört der Katholischen Kirchgemeinde. Das Grundstück soll nun der Politischen Gemeinde Uzwil verkauft werden.

Das Land, auf dem der Kindergarten an der Fichtenstrasse steht, gehört der Katholischen Kirchgemeinde. Das Grundstück soll nun der Politischen Gemeinde Uzwil verkauft werden.

Bild: Philipp Stutz

Die Liegenschaft an der Fichtenstrasse umfasst eine Fläche von 5944 Quadratmetern. Die Katholische Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil hatte das Grundstück im Zentrum von Uzwil einst als Baulandreserve für ein allfälliges zweites Gotteshaus erworben.

«Diese Pläne erfüllten sich nie, wir wurden vom Zeitgeist überrollt», sagt Paul Gähwiler-Wick, Präsident des Kirchenverwaltungsrates. Er meint damit die Zahl der Kirchgänger, die rückläufig ist. Es habe sich gezeigt, dass die Christkönigskirche in Niederuzwil als alleiniges Gotteshaus genüge.

1987 schloss die Kirchgemeinde mit der damaligen Primarschulgemeinde Uzwil einen Baurechtsvertrag über eine Teilfläche des Grundstücks von 2060 Quadratmeter ab. In den Jahren 1989 und 1990 wurde dort der Kindergarten Fichtenstrasse gebaut. Dazu gehört eine Zivilschutzanlage. Der Doppelkindergarten ist fester Bestandteil der schulischen Infrastruktur.

Unzufrieden mit den Konditionen

Der Baurechtsvertrag würde Ende 2040 auslaufen. Der Kirchenverwaltungsrat zeigte sich unzufrieden mit den seinerzeitig vereinbarten Baurechtskonditionen, da diese nicht mehr den heutigen Bodenpreisen für öffentliche Bauten entsprächen. «Wir forderten einen Preis, der sich an jenen des Landverkaufs der Gemeinde Uzwil an den Zweckverband Sonnmatt anlehnt», erklärt Paul Gähwiler-Wick. Dort wurde eine Summe von 400 Franken pro Quadratmeter vereinbart.

Erschwerend für den Kirchenverwaltungsrat kam hinzu, dass die Kirchgemeinde gemäss Heimfallregelung im Baurechtsvertrag im Jahr 2040 das Kindergartengebäude samt Zivilschutzanlage zum Zeitwert von der Gemeinde zurückkaufen müsste. «Dieser Rückkauf liegt aber nicht im Interesse unserer Kirchgemeinde, denn wir wollen weder einen Kindergarten noch eine Zivilschutzanlage betreiben», sagt Gähwiler-Wick. Der Kirchenverwaltungsrat führte deshalb Gespräche mit der Gemeinde Uzwil, um diesen Baurechtsvertrag an die heutigen Gegebenheiten anzupassen.

Keine neuen Konditionen, aber ein Kauf

Der Gemeinderat lehnte im August 2018 eine Anpassung der Baurechtskonditionen vor Ablauf der Vertragslaufzeit Ende 2040 ab. In den weiteren Verhandlungen erklärte sich der Gemeinderat dann aber einverstanden, der Kirchgemeinde das Grundstück zum Preis von 400 Franken pro Quadratmeter abzukaufen, was einer Summe von brutto 824'000 Franken entspricht. Dieses Grundstück liegt in der Zone für öffentliche Bauten. «Unsere Abklärungen bei Immobilienfachleuten bestätigten, dass es keinen Markt für den Handel mit Liegenschaften in dieser Zone gibt», sagt Paul Gähwiler-Wick.

Das Grundstück ist eine Liegenschaft des Finanzvermögens der Kirchgemeinde. Die Zustimmung des Administrationsrates des Katholischen Konfessionsteils des Kantons ist also nicht erforderlich. Der Kirchenverwaltungsrat stellt deshalb den Antrag, die Teilfläche von 2060 Quadratmeter der Gemeinde Uzwil zu verkaufen und den Erlös zurückzustellen, zweckgebunden für Finanzliegenschaften der Kirchgemeinde.

Politische Gemeinde hat Kauf bereits genehmigt

Die Bürgerschaft der Politischen Gemeinde Uzwil hat diesem Geschäft bereits im Herbst zugestimmt. Der Gemeinderat hatte beantragt, das bestehende Baurecht abzulösen und den Boden zu erwerben. Mit dem Budget 2020 bewilligten die Stimmberechtigten schliesslich einen entsprechenden Kredit.

Die Urnenabstimmung findet am 24.Mai statt. Sie ist nur brieflich möglich.