Kirchberg macht das grosse Geld

Obwohl die Gemeinde Kirchberg ein Minus von über einer halben Million budgetiert hatte, machte sie vergangenes Jahr fünf Millionen Franken Gewinn. In 16 Jahren ist aus 29 Millionen Schulden ein Vermögen von 7,2 Millionen geworden.

Simon Dudle
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Christoph Häne Gemeindepräsident Kirchberg (Bild: Simon Dudle)

Christoph Häne Gemeindepräsident Kirchberg (Bild: Simon Dudle)

KIRCHBERG. «Der Abschluss freut uns, ist aber auch überraschend», sagt Kirchbergs Gemeindepräsident Christoph Häne. Mit einem unerwartet hohen Gewinn von fast fünf Millionen Franken handelt es sich um das beste Ergebnis seit Jahren.

Das gute Jahresergebnis spiegelt die grosse Bautätigkeit und den regen Liegenschaftshandel in der Gemeinde. Allein aus Grundstückgewinn- und Handänderungssteuern resultierte ein Mehrertrag von rund 1,4 Millionen Franken, also bedeutend mehr als in den Vorjahren. Auch bei den Einkommens- und Vermögenssteuern ist mehr Geld eingenommen worden als erwartet, nämlich um 1,3 Millionen Franken.

Wie immer bei solchen Abschlüssen stellt sich die Frage, ob ein reicher Onkel nach Kirchberg gezogen ist. «Nein, es ist kein Millionär zugezogen. Das Resultat ergibt sich aus der breiten Masse. Für die Gemeinde ist das positiv, da wir damit kein Klumpenrisiko haben», sagt das Gemeindeoberhaupt.

Sozialhilfekosten sinken

Auf Seiten der Schulgemeinden Kirchberg und Gähwil fiel der Steuerbedarf um gut 705 000 Franken niedriger aus als erwartet, und auch bei der Sozialhilfe mussten gut 685 000 Franken weniger ausgegeben werden. Bei den Gemeindesteuern konnten Risikopositionen abgebaut werden, was zu einer Besserstellung des Gemeindehaushaltes in der Höhe von gut 497 000 Franken führte.

Dank dem guten Rechnungsergebnis können – wie schon im Jahr zuvor – die vom Kanton aus dem individuellen Sonderlastenausgleich erhaltenen Beträge von gut 1,3 Millionen Franken vollumfänglich zurückbezahlt werden. Somit verbleibt der Gemeinde noch ein Gewinn von rund 3,7 Millionen Franken, der in das Eigenkapital eingelegt werden kann. Dieses erreicht damit Ende 2014 eine Höhe von gut 7,8 Millionen Franken.

Ungewisse Aussichten

Unter Berücksichtigung des noch abzuschreibenden ordentlichen Verwaltungsvermögens von 400 000 Franken und unter Einbezug des Eigenkapitals von 7,8 Millionen Franken verfügt die Gemeinde im steuerfinanzierten Haushalt per Ende 2014 über ein Reinvermögen von deutlich über sieben Millionen Franken. Dies ist ein bemerkenswertes Ergebnis, wenn man berücksichtigt, dass die Gemeinde noch im Jahr 1999 einen Höchststand an Schulden im Betrag von 29 Millionen Franken aufwies. «Der Gemeinderat ist froh, dass der Gemeindehaushalt mittlerweile über ein schönes Eigenkapital verfügt. Diese Mittel werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Die wirtschaftlichen Aussichten sind ungewiss, die öffentlichen Aufgaben werden tendenziell zunehmen, und die steigenden Investitionen werden die Gemeinderechnung in Zukunft wieder vermehrt mit Abschreibungsquoten belasten», sagt Häne. Er denkt dabei daran, dass Themen wie die Bibliothek oder eine Kindertagesstätte aufs Tapet kommen.

Keine Steuerfuss-Senkung

Da Kirchberg zum zweitenmal in Folge einen Millionen-Gewinn gemacht hat – im Jahr zuvor waren 1,8 Millionen Franken ausgewiesen worden – stellt sich unweigerlich die Frage nach einer Senkung des Steuerfusses. Obwohl der Finanzplan erst in den nächsten Wochen erstellt wird, geht Häne davon aus, dass eine Senkung nicht in Frage kommt. Da die Investitionen wieder zunehmen, sind als Folge davon auch vermehrt Abschreibungen zu tätigen.

Zudem beträgt der Steuerfuss 145 Prozent. Damit können gerade noch die Beiträge vom kantonalen Sonderlastenausgleich beantragt werden. Wird der Steuerfuss auch nur um einen Prozentpunkt gesenkt, ist dies nicht mehr möglich. «Wir streben einen stabilen Steuerfuss an. Für eine Senkung ist es noch zu früh», sagt Häne. Die kantonalen Zulagen wird der Gemeinderat also erneut beantragen. Er tut es im Wissen, dass dieses Geld im Falle eines neuerlich positiven Abschluss abermals zurückbezahlt werden muss.