Kiosk verschwindet endgültig

Es endet eine Ära, wenn Elsy Bosshart am 31. Dezember den Rollladen des Flawiler Dorfkiosks für immer schliesst. Die Parkierungssituation habe ihr wirtschaftlich das Genick gebrochen, sagt sie.

Andrea Häusler
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Nach 51 Betriebsjahren ist Schluss: Der Kiosk an der Wilenstrasse im Dorfzentrum Flawils wird Ende Jahr geschlossen. Bild: Andrea Häusler

Nach 51 Betriebsjahren ist Schluss: Der Kiosk an der Wilenstrasse im Dorfzentrum Flawils wird Ende Jahr geschlossen. Bild: Andrea Häusler

Elsy Bosshart ist enttäuscht. Die Zukunft hatte sie sich langfristiger vorgestellt, als sie den Dorfkiosk vor drei Jahren pachtete, um ihn auf eigene Rechnung zu betreiben. Dies, nachdem das Handelsunternehmen Valora entschieden hatte, die Filiale aus Rentabilitätsgründen zu schliessen. Sieben Jahre lang hatte Elsy Bosshart den «k-Kiosk» zuvor als Geschäftsführerin geleitet, nebst dem Verkauf von Zigaretten, Zeitschriften und Snacks unzählige Lottoscheine entgegen genommen, Gewinne ausbezahlt und in Gesprächen den Kontakt mit der Dorfbevölkerung gepflegt. Die Stammkundschaft sei ihr ans Herz gewachsen, sagt sie und ergänzt: «Mir war klar, dass ich den Schritt in die Selbständigkeit wagen musste, wenn ich die Schliessung abwenden wollte.»

Ende Jahr sperrt sie nun gleichwohl zu. Den Grund für das Aus sieht sie primär in der Präsenz der örtlich stationierten Polizei. Die Probleme hätten im August begonnen, sagt sie. Wiederholt seien Kundinnen und Kunden unter Bussenandrohung weggewiesen worden, weil sie ihre Autos für die Besorgungen am Kiosk kurz an der Trottoirkante entlang der Kantonsstrasse abgestellt hatten. Obwohl dies 51 Jahre lang kein Thema gewesen sei und ihr die Gemeinde stets eine gewisse Kulanz zugesichert habe. Die Problematik mit dem Parkieren verschärfe sich nun am 1. Oktober mit der Inkraftsetzung des neuen Parkierungsreglements zusätzlich. «Damit fällt auch die Weideggstrasse als alternativer Parkraum weg», sagt Elsy Bosshart. «Wenn die Kundschaft nicht zufahren kann, hat ein Kiosk keine Überlebenschance.»

Tatsächlich habe sich die Parkierungssituation um den Kiosk in letzter Zeit verschlechtert, sagt René Bruderer, Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur der Gemeinde Flawil. Es sei zum Teil zu gefährlichen Situationen auf der Strasse und mit Fussgängern gekommen, weshalb sich die Polizei veranlasst sah, zu intervenieren. «Seitens der Gemeinde ging jedoch kein Auftrag an die Polizei, die Situation beim Kiosk zu überprüfen», macht Bruderer klar.

Kein Nachmieter mehr gesucht

Dass Rentabilitätsgründe die Schliessung forciert haben, bestätigt Elsy Bosshart nicht. «Ich wusste zum vornherein, dass ein Kiosk keinen Reichtum bringt», sagt die 55-Jährige. Auch sei ihr die Konkurrenzsituation – die Coop-Tankstelle und der neu über Mittag geöffnete Coop-Supermarkt (Anm. d. Red.) – durchaus bewusst gewesen. Der Umsatz habe sich denn ja nach Schwierigkeiten im ersten Betriebsjahr auch positiv entwickelt. Umso bedauerlicher sei das Ende. «Seit Sommer 2013 hatte ich keine Ferien mehr, ich habe rund 200 Stunden monatlich gearbeitet, für einen Stundenlohn von durchschnittlich 14 Franken – alles für die Katz», sagt sie. Elsy Bosshart teilt sich die Arbeit mit drei Mitarbeitenden.

Mit der Kündigung per Ende Jahr ist das definitive Ende des «Wilerstrasse-Kiosks» besiegelt. Die Grundeigentümer Roland und Silvia Keller hätten ihn gerne bis zur Pensionierung an Elsy Bosshart vermietet gelassen und ihn erst dann geschlossen. Eine Vermietung an eine andere Person stehe nun aber ausser Betracht, sagt Silvia Keller, da das Parkierungsproblem nicht gelöst werden könne.