Kinospass mit «sauberem» Strom

Das Solarkino St. Gallen ist diesen Sommer erstmals in Uzwil zu Gast. Weil sich die Sonne am Donnerstagabend nicht zeigte, musste die Premiere in die Gemeindebibliothek verlegt werden. Dem Publikum hat's trotzdem gefallen.

Kathrin Meier-Gross
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Fast so schön wie im Freien: In Liegestühlen schauen die Kinobesucher in der Gemeindebibliothek den Dokumentarfilm «Zwischen Himmel und Eis». (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Fast so schön wie im Freien: In Liegestühlen schauen die Kinobesucher in der Gemeindebibliothek den Dokumentarfilm «Zwischen Himmel und Eis». (Bild: Kathrin Meier-Gross)

UZWIL. Filme im Kino haben sie schon geguckt, aber Filme in der Bibliothek? Das haben sie noch nie erlebt. Gefällt ihnen aber! Bequem im Liegestuhl sitzend, erfreuen sich Gertrud und Anselm an den Streichen von Globi und am Popcorn. Erwachsene Besucher nutzen die Zeit bis zum Filmbeginn, um in der Bücherauswahl zu schmökern. Zudem hat das Bibliotheksteam unter der Leitung von Jolanda Erismann eine vielfältige Auswahl an themenbezogener Literatur für Alt und Jung bereitgelegt.

Eine Premiere ist auch die Zusammenarbeit von Gemeinde Uzwil, Kino City, Gemeindebibliothek und der Energieagentur St. Gallen. Für den Verein Solarkino St. Gallen ist es bereits die fünfte Saison.

Sonnenenergie fördern

Die Organisatoren bezwecken mit dieser Aktion, das Interesse an der Nutzung von Sonnenenergie zu fördern. Mit diesen für die Besucher kostenfreien Filmvorführungen wird gezeigt, dass die dafür notwendige Solarenergie in Batterien gespeichert werden kann. Pasqual Stüdle, Mitarbeiter der Energieagentur, zeigte sich erfreut, dass am Donnerstagabend auch Kinder anwesend waren. «Die Sensibilisierung für Umweltthemen muss früh beginnen. Mit dem Dokumentarfilm <Zwischen Himmel und Eis> wollen wir bewusst machen, dass jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.»

Und dieses Klima spielte gerade an diesem Abend einen Streich. So waren denn alle Gäste dankbar, dass die Vorführung in die warm temperierte Bibliothek verlegt wurde und nicht auf dem feucht-kalten Begegnungsplatz in Niederuzwil stattfand.

Klimaerwärmung vorausgesagt

Im Film «La Glace et le Ciel» hat Regisseur Luc Jacquet dem französischen Experten auf dem Gebiet der Klimaforschung, Claude Lorius, ein filmisches Denkmal gesetzt. Der 1932 geborene Lorius reiste 1956 erstmals für ein Jahr in die Antarktis. Trotz lebensfeindlicher Bedingungen fasziniert ihn das ewige Eis bis heute. «Das Eis ist wie ein Buch. Mittlerweile können wir dank Kernbohrungen die Klimaverhältnisse vor 800 000 Jahren analysieren. Die im Eis eingeschlossenen Luftbläschen legen Zeugnis über die Zusammensetzung der Luft ab.»

Lorius hat anhand von rasant schmelzenden Polkappen schon vor 30 Jahren die Klimaerwärmung vorausgesagt. An den globalen Klimakonferenzen hat er sich unermüdlich für die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen eingesetzt und weltweit Anerkennungspreise für seine Forschungen erhalten.

Heute abend im Freien

«Was ist die Anerkennung wert, wenn sie nichts bewirkt?», hält der Forscher desillusioniert fest. «Was für eine Welt übergeben wir den folgenden Generationen?», hatte Gemeinderat Bruno Cozzio vorgängig zum Film gefragt. Und angefügt: «Geniessen sie das mit <sauberem> Strom betriebene Solarkino.»

Die Geschichte vom Lausbuben Eugen wird heute abend höchstwahrscheinlich auf dem Begegnungsplatz gezeigt.