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Kinder retten Amphibien

Der Hasenlooweiher im Weiler Rislen an der Kantonsstrasse Rossrüti-Wuppenau bildet die Kinderstube für viele Kröten, Frösche und Molche. Derzeit sorgen allabendlich Freiwillige dafür, dass die Tiere ihre Laichplätze heil erreichen und nicht überfahren werden.
Adrian Zeller
Dank Lehrer Guido Zurburg und seiner Helferinnen und Helfer werden Jahr für Jahr Hunderte oder gar Tausende Amphibien vor dem Tod durch Überfahren bewahrt. (Bild: Hans Suter)

Dank Lehrer Guido Zurburg und seiner Helferinnen und Helfer werden Jahr für Jahr Hunderte oder gar Tausende Amphibien vor dem Tod durch Überfahren bewahrt. (Bild: Hans Suter)

Ein Föhnsturm treibt an diesem Nachmittag die grünbraune Wasseroberfläche des Hasenlosweihers kräuselnd vor sich her. Es scheint, er wolle mit aller Kraft den nahenden Frühling zurückdrängen. Wolkenfetzen und -türme ziehen über die grünenden Hügel um Rossrüti. Als «Blumenkohlwolken» würde der Metrologe Jörg Kachelmann diese Gebilde am Himmel bezeichnen; «Wetterfrosch» wird er bisweilen genannt. «Frosch» ist auch das Stichwort an diesem Nachmittag, aber nicht nur, auch «Kröte» und «Molch». Oberstufenlehrer Guido Zurburg deutet ans andere Weiherufer und erläutert: «Ich schätze, dass dort eine Krötenpopulation von etwa 2000 Tieren lebt.» Sie wickeln ihre Laichschnüre um die Wurzeln im Wasser, erklärt er.

Seit 1988 aktiv

An einer anderen Stelle sind dunkle Gallertklumpen im Wasser am Ufer zu sehen, sie stammen gemäss Guido Zurburg von Grasfröschen. Die Stelle ist nicht zufällig gewählt. Hier werden sie von der Morgensonne gewärmt. Und sie sind von vermodernden Schilfresten umgeben; deren Mikroben werden den späteren Kaulquappen als Nahrung dienen. Seit 1988 kümmert sich Zurburg mit seinen Schülern aus dem Sonnenhof-Schulhaus und mit weiteren Helfern um die sichere Ankunft der Amphibien im Hasenlooweiher.

«Gelegentlich kommt es beinahe zu Unfällen»

Stolz zeigen die Kinder die eingesammelten Amphibien.

Stolz zeigen die Kinder die eingesammelten Amphibien.

Wenn die Dämmerung einsetzt, macht sich die Schar mit Taschenlampen und Eimern auf die Suche nach den Tieren, die aus den umliegenden Waldgebieten zur Paarung Richtung Weiher krabbeln. Um nicht von hungrigen Vögeln entdeckt zu werden, warten sie die Dämmerung ab. Die Kinder und die Erwachsenen sind mit Leuchtwesten ausgerüstet. Dies ist notwendig. Obwohl die kurvige Durchgangsstrasse auf 80 Stundenkilometer begrenzt ist, brausen manche Fahrer mit deutlich höherem Tempo vorbei. «Gelegentlich kommt es beinahe zu Unfällen», sagt Zurburg. Er erlebt aber auch anderes: «Es kam schon vor, dass Autofahrer anhielten, uns für unseren Einsatz dankten und eine 20er-Note in die Hand drückten.»

Nachhaltige Naturerfahrung

Blick in den Kübel: Dank der freiwilligen Helferinnen und Helfer erreichen diese Amphibien das Laichgewässer schadlos. (Bilder: PD)

Blick in den Kübel: Dank der freiwilligen Helferinnen und Helfer erreichen diese Amphibien das Laichgewässer schadlos. (Bilder: PD)

Rund dreissig Zentimeter hohe grüne Bänder aus Kunststoff säumen ein Stück des Geländes. Sie versperren den Tieren den Weg, auf dem sie leicht von Autoreifen platt gedrückt würden. Während rund drei Wochen sammeln die Schüler und Erwachsenen die Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche ein und transportieren sie in den Weiher. An manchen Abenden ist die Ausbeute gering, an anderen üppig. «Vor Jahren habe ich schon mal in einer Stunde 250 Frösche eingesammelt», erzählt Zurburg. Damals waren sie zum Teil in Längsrichtung auf der Strasse unterwegs. Seinerzeit habe der Strassenverkehr ungefähr einen Zehntel des heutigen betragen, erinnert er sich. Die eingesammelten Tiere werden statistisch erfasst und die Daten an eine Fachstelle weitergeleitet. Was er hier mit seinen Schülern mache, sei wertvoller Biologieunterricht. «Wenn ich Jahre später irgendwo ehemaligen Schülern begegne, erwähnen sie immer als Erstes das Fröscheeinsammeln.» Das bleibe ihnen vom Unterricht am meisten haften. Damit ist sein Ziel erreicht, er will mit dieser Aktion das Bewusstsein für den Amphibienzug schärfen. Nicht nur das Verständnis für die Lebensweise der Tiere steigt bei den Schülern, zum Teil entsteht eine regelrechte Sympathie, das eine oder andere Mädchen habe schon einen der Frösche geküsst, erzählt Zurburg amüsiert.

Vom Frosch zum Prinzen?

Ungefähr 75 Minuten dauert die allabendliche Aktion. Weshalb werden die Behälter nicht entlang des Zauns eingegraben, wie dies anderswo gemacht wird? So müssten die Tiere nicht einzeln eingesammelt werden. «Die Kübel sind wie Fressnapfe für Füchse.» Apropos Füchse. Nach all den Jahren im Rettungseinsatz spürt Zurburg die Anwesenheit der Frösche in der Dunkelheit. «Ich kann es mir nicht genau erklären, ich erkenne sie an den Geräuschen.» Guido Zurburg kennt mittlerweile das Verhalten seiner Schützlinge ziemlich genau. Beim Einsetzen der Dämmerung kommen zuerst die etwas forscheren Männchen; sie gehen ein hohes Risiko des Gefressenwerdens ein. In der Dunkelheit folgen die Weibchen und mit ihnen die erfahrenen Männchen.
Am Weiherufer liegt ein weiteres grünes Band flach am Boden. Um den 20. März beginnt die Rückwanderung der Tiere in ihre Lebensräume in den Wäldern. Dannzumal wird das Band aufgerichtet, damit die Amphibien nicht Opfer des Strassenverkehrs werden. In ihren Wohngebieten angekommen, werden sie gemäss Zurburg nochmals für etwa drei Wochen in Schlafstarre versinken. Erst ab dann finden sie Nahrung. Wenn sie erwachen, sind ihre Nachkommen schon ein ganzes Stück gereift.

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