Kinder gefordert, nicht überfordert

REGION. Raphael Baumann untersuchte in seiner Maturaarbeit an der Kantonsschule Wil, inwiefern das Frühenglisch die Kinder überfordert oder auch nicht. Dabei fand der Uzwiler heraus, dass die Wahrnehmungen von Eltern und Schülern unterschiedlich sind.

Christof Lampart
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Erst das Militär, dann das Studium – Raphael Baumann plant Zug um Zug seine weiteren Karriereschritte. (Bild: Christoph Lampart)

Erst das Militär, dann das Studium – Raphael Baumann plant Zug um Zug seine weiteren Karriereschritte. (Bild: Christoph Lampart)

Raphael Baumann interessiert sich als politisch denkender Mensch für die gesellschaftlichen Zusammenhänge. «Ich finde es spannend, dass man sich hierzulande mit den politischen Prozessen auseinandersetzen und nicht nur an Wahlen, sondern auch an Abstimmungen Position beziehen kann.»

Extrem vielseitige Arbeit

Für seine Maturaarbeit an der Kantonsschule Wil zum Thema «Belastung durch Frühenglisch – Eine Untersuchung am Beispiel zweier St. Galler Primarschulen» erhielt er die Bestnote – eine Sechs. Dabei sei der Start gar nicht so leicht gewesen, erinnert sich der Achtzehnjährige, denn «ich hatte mich eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben näher mit dem Schweizer Bildungssystem befasst».

Als faszinierend empfand er, dass in diesen Themenkomplex die verschiedensten Aspekte einflossen. «Meine Arbeit umfasst die Bereiche Politik, Wissenschaft, Pädagogik sowie auch den direkten Kontakt zu Schulklassen, was den Entstehungsprozess extrem vielseitig und interessant machte.»

Neutrale Haltung eingenommen

Den politischen Teil konnte Raphael Baumann relativ einfach durch das Sammeln und Auswerten von Medienberichten zusammenfassen. Während dies eine Fleissarbeit war, kam «der grosse Mehrwert für mich selbst erst, als ich die Umfrage an den Schulen machte». Beim Abfassen seiner Arbeit habe er versucht, sich so lange wie möglich keine eigene Meinung darüber zu bilden, ob er den Englischunterricht auf der Primarschule als positiv oder negativ beurteile, erzählt Raphael Baumann.

Schüler nicht stark belastet

Das änderte sich jedoch mit der fortschreitenden Datenauswertung. Denn, obwohl bei fast jeder Frage ein kleiner Teil der Lernenden angab, sich zumindest in einem Teilbereich überfordert zu fühlen, sagte das Gros der Resultate aus, dass sich der grösste Teil der Schülerinnen und Schüler weder zu stark belastet noch überfordert fühlte. Interessant war für den Maturanden auch die unterschiedliche Wahrnehmung von Eltern und Lehrern. Während viele Eltern den Eindruck hatten, dass ihr Kind zu Hause bei den Aufgaben mit dem Englischen durchaus zu kämpfen habe, äusserten sich die Lehrkräfte dagegen ziemlich positiv über die Lernfortschritte der Kinder. Für Raphael Baumann lässt dies den Schluss zu: «Das Frühenglisch belastet die Schülerinnen und Schüler – entgegen den Behauptungen verschiedener Seiten – nicht stark.»

Etwas fürs Leben gelernt

Persönlich habe er während der Arbeit viel und Wesentliches in Sachen Zeiteinteilung gelernt. Zum Beispiel, dass man Dinge nicht unbedingt auf die lange Bank hinausschieben sollte, sagt der Achtzehnjährige. «Ich lernte, diszipliniert auf ein Ziel hinzuarbeiten, welches noch in weiter Ferne lag.» Selbstkritisch zog er die Lehren für sein weiteres Leben daraus. Zum Beispiel: «Der anfänglich aufgestellte Zeitplan war zu ambitiös und ich habe mich selbst wohl überschätzt», erkennt Raphael Baumann zurückblickend.

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