KINDER: Für eine frühe Förderung

Wil möchte eine Fachstelle «Frühkindliche Bildung» einrichten. Der Stadtrat sieht ausserdem Subventionen für den Spielgruppenbesuch vor, vor allem für Fremdsprachige.

Philipp Haag
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Malen gehört zu den Beschäftigungen der Kinder in einer Spielgruppe. (Bild: PD)

Malen gehört zu den Beschäftigungen der Kinder in einer Spielgruppe. (Bild: PD)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Jedes Wiler Kind soll zwei Mal pro Woche eine Spielgruppe besuchen können. Dieses Ziel hat der Wiler Stadtrat ausgegeben. Die Realität sieht hingegen ganz anders aus. Ein Grossteil der Kinder, vor allem fremdsprachige, nutzt das Angebot nicht. Dies geht aus einer Erhebung hervor, welche der Stadtrat im Zusammenhang mit der Einführung einer Fachstelle «Frühkindliche Bildung» sowie eines Subventionssystems für Spielgruppen in Auftrag gegeben hatte.

Für finanziell schwache Familien schwierig

Das Projektteam stellte fest, dass die vorschulischen Angebote in den Quartieren der Stadt sehr unterschiedlich genutzt werden, «und die Angebote für Eltern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien nur bedingt erschwinglich sind», wie es im städtischen Bericht heisst. Exemplarisch ist die Situation bei den Spielgruppen: Im Frühjahr 2015 besuchten in Wil 58 Prozent der Kinder eines Spielgruppenjahrgangs eine Spielgruppe. Als Tendenz kristallisierte sich heraus: Bei einem hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern in einem Stadtteil ist die Quote beim Besuch einer Spielgruppe eher tief. Im Lindenhofquartier lag diese im Frühjahr 2015 beispielsweise bei 32 Prozent. Das Fazit: «Nur ein kleiner Teil der Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien oder mit nicht Deutsch als Erstsprache besuchen eine Spielgruppe.»

Der Befund veranlasst den Stadtrat, Massnahmen zu ergreifen. Er beabsichtigt, ein Subventionssystem für den Spielgruppenbesuch einzuführen. Dies bedeutet: Die Stadt Wil entrichtet in Form eines Betreuungsgutscheins einkommensschwachen Eltern einen Betrag an die Spielgruppenkosten. Für die Massnahme wird mit jährlichen Kosten von 60000 Franken gerechnet.

Das Vorschulangebot in Wil wird als grundsätzlich gut beurteilt. Bei den Spielgruppen sind fünf private Organisationen aktiv. Bei allen herrschen «förderliche Bedingungen für die Kinder», wie im Bericht geschrieben steht. Die Organisationen bieten 260 Plätze an, von In-House über den Bauernhof bis im Wald. Der Bedarf an Plätzen in Wil ist abgedeckt. Auch dann, wenn 80 Prozent der Kinder, was dem städtischen Durchschnitt in der Schweiz entspricht, eine Spielgruppe besuchen. Die Stadt unterstützt drei der fünf Organisationen bereits mit 40000 Franken.

Kinder fallen regelmässig durch die Maschen

Das Anreizsystem für den Spielgruppenbesuch ist nicht die einzige Massnahme, die der Stadtrat auf den 1. Januar 2018 neu einführen möchte. Dieser sieht im Rahmen der neu erarbeiteten Strategie «Frühe Förderung» vor, eine Fachstelle für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung einzuführen. Bei der Analyse stellte sich heraus, dass Kinder regelmässig durch die Maschen fallen, weil die Früherkennung von Kindesschutz- oder Förderungsmassnahmen anspruchsvoll ist. Mit ein Grund: Eine systematische Kooperation der Angebote im Frühkindesalter ist nur bedingt vorhanden. Demzufolge soll die Koordination und Vernetzung, insbesondere mit dem Gesundheitsbereich, verbessert werden. Diese Aufgabe soll die Fachstelle «Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung» übernehmen. Sie soll als «zentrale Anlaufstelle» für den kindlichen Frühbereich in der Stadt Wil ausgestaltet sein.

Vorgesehen ist ein Pensum von 40 Prozent. Die Stelle soll der Sekretärin des Departments Soziales, Jugend und Alter unterstellt werden. Die Mehrkosten für die Umsetzung der Strategie zur frühen Förderung der Kinder, zu der auch die Qualitätssicherung zählt, belaufen sich auf insgesamt 100000 Franken pro Jahr und nach dem Wegfall der kantonalen Beiträge auf 130000 Franken. Das Wiler Parlament muss den Betrag allerdings noch sprechen. Der Antrag liegt vor.