Kies lässt Stimmung knirschen

NIEDERWIL. Im Richtplan der Gemeinde Oberbüren sind gleich mehrere Standorte für Deponien oder für den Kiesabbau ausgeschieden. Nun liegen die Projekte auf dem Tisch. Am Donnerstag wurde die Bevölkerung informiert.

Zita Meienhofer
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Ob Aushubdeponie Thurhof, Aushubdeponie Ruetwies oder Kiesabbau im Sonnenberg – der Oberbürer Gemeinderat wollte am Donnerstagabend die Bevölkerung im Detail über den Stand der Dinge informieren. Deshalb lud er vom Amt für Umwelt (AFU) Robert Brem und Kurt Alabor ein, Daniel Schnetzler von der Brunner Umweltservice AG in Flawil und von der Holcim AG Andreas Kühni und Christoph Heuberger. Kühni ist als Leiter Rohstoffsicherung für rund 70 Abbaustellen in Zentraleuropa verantwortlich, Heuberger ist Leiter Produktion in den Kantonen St. Gallen und Thurgau.

Ebenfalls eingeladen war Michael Hungerbühler, Präsident von Depo-Nie, dem Verein, der sich gegen den Kiesabbau im Sonnenberg wehrt. Der Verein hat eine Petition eingereicht, die 242 Personen unterschrieben haben. Zudem hat er eine Initiative eingereicht mit dem Ziel, dass im Baureglement der Gemeinde eine Änderung vorgenommen wird, so dass nicht mehr in der Nähe von Wohngebieten Vorhaben in solchem Ausmass realisiert werden dürfen. Der Initiativtext wird zurzeit beim Kanton geprüft.

Viele kritische Stimmen

Dass das Thema die Bevölkerung beschäftigt, war bekannt. Der Schulhaussaal in Niederwil war denn auch bis fast auf den letzten Platz besetzt. Während knapp dreier Stunden wurden die Anwesenden mit zahlreichen Informationen eingedeckt, wurden Fragen beantwortet – oder auch nicht beantwortet.

Der Verkehr, der Lärm, der Sprengplan und genaue Details zu den Projekten kamen vor allem während der Frage- und Diskussionsrunde zur Sprache. Viele kritische und ablehnende Stimmen waren zu hören – einzig ein Anwesender sprach sich positiv zum Projekt aus. Ein Votant kritisierte die Tatsache, dass durch die Kiesgrube vor seiner Haustüre sein Wohnhaus an Wert verliere. Wer dafür aufkomme, wollte er wissen. Andreas Kühni erklärte, dass die Holcim wohl für Schäden aufkomme, die von der Firma verursacht würden, aber nicht für die Wertminderung einer Liegenschaft. Auf Nachhaken des Votanten war zu erfahren, dass die Holcim ein Immobilienberatungsbüro beauftragt hat, dieser Frage nachzugehen.

In der ganzen Diskussion vermisse er den Faktor Mensch, sagte ein Anwesender. Das würde er gerne berücksichtigen, sagte Robert Brem, das sei aber nicht in den gesetzlichen Grundlagen enthalten. In diesen Grundlagen sind auch keine Werte enthalten, die einen Abstand von Kiesgruben zu Wohngebieten regeln. Das geschehe mit den Instrumenten wie Luftreinhalteverordnung, Lärmverordnung und die Regelung zur Stärke der Erschütterungen.

Auch wurde gefordert, dass jedes Gemeinderatsmitglied seine Haltung gegenüber dem Kiesabbauprojekt offenlege. Gemeindepräsident Andrea Taverna erklärte, dass die Gemeinderäte keinen Maulkorb hätten, ihre Meinung jedoch selber kundtun müssten.

Der Gemeinderat entscheidet

Wer letztlich über das Projekt entscheide, wurde weiter gefragt. «Der Gemeinderat», sagte Brem. Nachdem einige Votanten die Haltung des Gemeinderats hinterfragten, sagte Taverna: «Es gibt Schöneres, als über diese Projekte zu entscheiden.» Der Gemeinderat bleibe bei seiner Entscheidung eigenständig, halte sich an die gesetzlichen Vorschriften und nehme die Kritik ernst. Auf die Frage, ob er drei positive Punkte zum Projekt nennen könne, erklärte Brem, dass es weder positive noch negative gebe, sondern nur gesetzliche Bestimmungen.

Schliesslich erklärte Taverna, dass die Gemeinde allenfalls einen Beitrag zum Deponie-Problem leisten müsse, dass aber auch andere Gemeinden für die Kiesversorgung und Aushubentsorgung aufkommen müssten. «Es kann nicht alles so geballt in unserer Gemeinde stattfinden.»