Keith Richards in der Pampa: Das Rock-und-Pop-Museum in Niederbüren konnte einen seltenen Award der Rolling Stones ergattern

Das Rock-und-Pop-Museum hat sich über die Jahre zu einer festen Grösse in der Schweizer Museumslandschaft gemausert.

Tobias Söldi
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Von links: Roland «Tschiibii» Grossenbacher, Uschi Grossenbacher, Sabine Willi (Leiterin Marketing Raiffeisenbank Regio Uzwil) und Aldo Kopp (Vorsitzender der Bankleitung).

Von links: Roland «Tschiibii» Grossenbacher, Uschi Grossenbacher, Sabine Willi (Leiterin Marketing Raiffeisenbank Regio Uzwil) und Aldo Kopp (Vorsitzender der Bankleitung).

Bild: Tobias Söldi

Das neue Jahr hat für das Rock-und-Pop-Museum in Niederbüren mit einem Paukenschlag begonnen. Die musikalische Metapher ist angebracht, denn zu der Sammlung gesellt sich ein neues Stück, und zwar ein ganz besonderes: ein Award der Rolling Stones aus den 1960er-Jahren, dem Gitarristen Keith Richards höchstpersönlich gewidmet. Ein «weiterer Hotspot im Museum» sei das, freut sich Roland Grossenbacher. «Awards, welche nicht an die Band, sondern an einen Künstler gingen, sind sehr begehrt. Davon gibt es jeweils nur drei, vier Stück», erklärt er.

Den Erwerb ermöglicht hat eine Spende der Raiffeisenbank Regio Uzwil, welche das Museum schon bei der Gründung 2012 finanziell unterstützt hat. «Wir haben das Rock-und-Pop-Museum danach immer verfolgt und uns über die positive Entwicklung gefreut», sagt Bank­leiter Aldo Kopp. Mit der Spende – die Höhe verrät er nicht – wolle man dem Museum wieder etwas ermöglichen, aber auch den 100. Geburtstag der Raiffeisen-Geschäftsstelle in Niederbüren feiern.

Begeisterung vom Teenie bis zur Bundesrätin

Was 2012 mit Grossenbachers privater Sammlung an Autogrammen, Erinnerungsstücken, Plakaten, Alben und Awards sowie einer Hinterlassenschaft des verstorbenen Onkels begonnen hat, hat sich im Laufe der Jahre zu einer festen Grösse der Schweizer Museumslandschaft gemausert – und das «irgendwo in der Pampa», wie der Kinks-Fan staunend sagt.

Heute begeistert das Rock-und-Pop-Museum Schüler und Pensionäre, Karin Keller-Sutter und Pepe Lienhard, Vereine aus dem Nachbardorf, Journalisten aus Deutschland und Bühler-Manager aus aller Welt gleichermassen. Wobei: Aus dem Namen oder der beruflichen Stellung seiner Besucher mache er sich als waschechter Alt-68er nichts, sagt Grossenbacher. Der Schüler sei ihm genauso wichtig wie ein Manager, und er sei überhaupt für alle einfach der «Tschiibii».

270 Führungen im vergangenen Jahr

«Wie in einem Märchen» kommt ihm das alles manchmal vor, dass sich das Museum so erfreulich entwickelt hat. Doch der Erfolg hat sich natürlich nicht durch Zauberhand eingestellt: «Tschiibii» und seine Frau Uschi, welche das Administrative und die Buchhaltung übernimmt, führen das Museum mit viel Herzblut und Einsatz.

So haben Grossenbacher und seine beiden Kollegen Deus und Jo im vergangenen Jahr 3543 Besucherinnen und Besuchern in 270 rund zweistündigen Führungen die Sammlung präsentiert. Seit der Eröffnung ist man bei knapp 1500 Führungen angelangt. Und der Verein hinter dem Museum hat mittlerweile satte 482 Mitglieder. «Wir sind ein kleines Unternehmen geworden.»

Gerade die Führungen beanspruchen viel Zeit. «Mehr als zwei, drei Führungen pro Tag ist fast nicht möglich», sagt Grossenbacher, zumal auch die Vorbereitungen der Apéros zeitaufwendig seien.

«Und für dieses Jahr haben wir schon über 100 Anfragen. Die Wochenenden sind teilweise auf Monate hinaus besetzt.»

Ein Tänzchen im Museum

Doch die Suche nach Unterstützung gestaltet sich nicht ganz einfach. «Bei uns muss ein Museumsführer nicht nur in 100 Jahren Musikgeschichte bewandert sein, sondern auch die Leute begeistern können», erklärt Grossenbacher. Denn der Unterhaltungswert, betont er, sei ein wichtiger Teil der Führungen. Da wird während oder nach der Führung schon mal gesungen und getanzt oder ein spontanes Konzert aufgeführt.

«Die Leute sollen ihre Alltagssorgen für ein paar Stunden vergessen und das Museum fröhlich verlassen.»

Die Weichen für die Zukunft stellen

«Es ist ein Haufen Arbeit, das ist klar», gibt Grossenbacher zu. Aber eine, die man gerne mache. Für das angelaufene Jahr sieht das Hauptziel denn auch pragmatisch aus: alles bewältigen zu können und dabei gesund bleiben. Trotzdem denkt Grossenbacher – 70 Jahre alt ist er, aber «junggeblieben», wie er sagt – langsam über die Zukunft des Rock-und-Pop-Museums nach. «In den kommenden vier, fünf Jahren wollen wir das Museum abgeben. Wir sind bereits daran, die Weichen zu stellen», sagt er. Denn eines ist klar:

«Das Museum muss unbedingt erhalten bleiben.»