Keiner greift ins Operative ein

Die drei Kandidierenden für das Schulratspräsidium, Esther Spinas (Grüne Prowil), Klaus Rüdiger (SVP) und Jutta Röösli (parteilos), äussern sich zu Schulhausprofilen, sozialer Durchmischung und der Ausrichtung des Amts.

Philipp Haag
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Unter der Moderation von Markus Büchi (Präsident Elwis, 2. v. l.), stellten sich Esther Spinas, Jutta Röösli und Klaus Rüdiger vor. (Bild: Philipp Haag)

Unter der Moderation von Markus Büchi (Präsident Elwis, 2. v. l.), stellten sich Esther Spinas, Jutta Röösli und Klaus Rüdiger vor. (Bild: Philipp Haag)

WIL. Einer der drei wird – höchstwahrscheinlich – ab dem 1. August für ein Jahresbudget von rund 50 Millionen verantwortlich sein, für 300 Mitarbeitende und über 2000 Kinder: Esther Spinas (Grüne Prowil), Klaus Rüdiger (SVP) und Jutta Röösli (parteilos). Sie bewerben sich für die Nachfolge von Marlis Angehrn (CVP) als Wiler Schulratspräsidentin sowie Mitglied des Stadtrats. Am Mittwochabend stellten sich die drei Kandidierenden an einem von der Elternvereinigung Wiler Schule (Elwis) organisierten Podium in der mit 100 Personen voll besetzten Aula des Kirchplatz-Schulhauses den Fragen von Eltern und Lehrern.

Esther Spinas:

Amt: Für Esther Spinas ist das Schulratspräsidium ein Amt mit einem strategischen Auftrag. Sie würde sich ausschliesslich auf die Strategie konzentrieren und sich aus dem (operativen) Tagesgeschäft heraushalten.

Schulhausprofil: Schulen mit einem eigenen Modell (analog dem Prisma im Allee-Schulhaus) erachtet sie als unterstützungswürdig. Als Konsequenz die freie Schulwahl einführen, damit die Eltern die Schule mit dem favorisierten Profil wählen können, würde sie nur begrenzt. Sie sieht die Gefahr, dass Kinder, beispielsweise diejenigen mit einem Migrationshintergrund, eine bestimmte Schule bevorzugen würden.

Soziale Durchmischung: Für die soziale Durchmischung hat Esther Spinas kein Patentrezept parat. Sie möchte es von der Frage Quartierschule/Zentrumsschule abkoppeln und auf allen Ebenen aktiv werden. Auch in den Quartieren müsse soziale Durchmischung geschaffen werden.

Stadtrat: Als Mitglied des Stadtrates würde sie sich für einen Schuldenabbau sowie für bessere Velowege einsetzen. Ihr liege die Ökologie am Herzen.

Persönliches Anliegen: Esther Spinas möchte den Bürokratieaufwand für die Lehrerschaft und die Schulleitungen minimieren, «um Freiraum zu schaffen für ihr Kerngeschäft».

Klaus Rüdiger:

Amt: Das Schulratspräsidium sieht Klaus Rüdiger als strategische Aufgabe. Er würde sich ins Tagesgeschäft nicht einmischen, sondern seinen Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringen.

Schulhausprofil: Klaus Rüdiger findet Schulhausprofile einen interessanten Ansatz. Er würde den Schulen einen Freiraum für eigene Modelle zusprechen, allerdings begrenzt durch einen vorgegebenen Rahmen. Die freie Schulwahl lehnt Rüdiger ab, da sie zu einem sozialen Ungleichgewicht führen könne. Es stelle sich ausserdem, wie bei den Schulhausprofilen, die Frage, wie machbar es sei und ob der Bedarf bestehe.

Soziale Durchmischung: Klaus Rüdiger äussert sich skeptisch. Er sei dagegen, Kinder zugunsten einer sozialen Durchmischung hin und her zu chauffieren. Den jungen Schüler solle ein Quartierschulhaus zur Verfügung gestellt werden mit sicheren Schulwegen. Beachtenswert findet er Modelle, bei denen beispielsweise Schüler mit einem Migrationshintergrund die Sek besuchen können.

Stadtrat: Den Finanzen Sorge zu tragen, stuft Klaus Rüdiger als zentralen Aspekt ein. Es müsse noch stärker abgeklärt werden, was notwendig sei und was «nice to have». Auch bei der Sicherheit würde Klaus Rüdiger einen Schwerpunkt setzen, wobei er den Kanton bei der Abgeltung von Zentrumsleistungen stärker in die Pflicht nehmen möchte.

Persönliches Anliegen: In der Primarschule hätten Kinder heute viele Bezugspersonen. Er möchte sich für Modelle einsetzen, bei denen die Kinder weniger Bezugspersonen und vor allem weniger Wechsel hätten.

Jutta Röösli:

Amt: Jutta Röösli sieht das Amt an der Schnittstelle zwischen der strategischen Ausrichtung und dem operativen Tagesgeschäft. Für Jutta Röösli ist klar: «Die Schulleitungen führen die Schule.» Ins Operative eingreifen würde sie nicht.

Schulhausprofil: Jutta Röösli sieht Schulen mit einem eigenen Charakter, in denen die Lehrer auf einen Schwerpunkt fokussieren, als durchaus möglich an. Bei der freien Schulwahl stellt sich ihr die Frage, in welchem Ausmass die Öffnung erfolgen soll. Sie würde bei der Bevölkerung nachfragen, wie wichtig ihr die freie Schulwahl sei.

Soziale Durchmischung: Jutta Röösli würde eine soziale Durchmischung anstreben, allerdings mit Grenzen. Für Unterstufenkinder sei ein eigenes Quartierschulhaus wertvoll. Ihnen dürfe ein zu langer Schulweg nicht zugemutet werden. Bei der Oberstufe sei die soziale Durchmischung angebracht.

Stadtrat: Jutta Röösli würde sich für eine lebenswerte Stadt einsetzen mit einladenden Plätzen. Das Wachstum der Stadt müsse moderat ausfallen. Ansonsten würden die Kosten für die Infrastruktur aus dem Ruder laufen. Die Finanzen ins Lot zu bringen, wäre ein weiterer Ansatz.

Persönliches Anliegen: Jutta Röösli möchte die Tagesstrukturen in der Stadt stärken, da es viele Familien gebe, die auf das Einkommen des Mannes und der Frau angewiesen seien.

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