Keine Steuergelder mehr für den FC Wil

Zu den neusten Vorkommnissen beim FC Wil

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Der FC Wil gehört seit kurzem dem türkischen Investor Mehmet Nazif Günal und seiner MNG-Group. Die Mehrheit im Verwaltungsrat bilden türkische Staatsangehörige. Und der Sportdirektor, Erdal Keser, der diesen Deal eingefädelt hat, ist ebenfalls Türke. Was ein türkischer Investor mit einer Fussballmannschaft aus der Provinz will, scheint nicht so klar; zumindest für Aussenstehende. Lokalpatriotismus kann es nicht sein. Und um Finanzgewinne in die Schweiz zu verschieben, eignet sich eine Fussballmanschaft vermutlich eher weniger. Was ist also die konkrete Motivation?

Auf Seiten des bisherigen Vorstands des FC Wil hat man allerdings keine Bedenken, denn mit dem Geld der MNG-Group will man nun ganz hoch hinaus. Der Aufstieg in die Super League soll es sein. Und dafür reicht das gerade fertiggestellte Sportstadion Bergholz natürlich nicht. Das Bergholz sei den Super-League-Anforderungen anzupassen, was eine vollständige Überdachung und 6000 Sitzplätze bedeute. So der Verwaltungsrat des FC Wil, Maurice Weber. Die Stadt Wil müsse nun einen entsprechenden Ausbauantrag zeichnen. Und diesen Ausbau dann auch finanzieren. Denn der neue Investor kann nicht in die Gebäulichkeiten des Bergholz investieren, da der Sportpark Bergholz nicht in ein Stockwerkeigentum umgewandelt werden kann. Konkret: Für den Ausbau müssen Steuergelder fliessen. Natürlich wird der FC Wil mit der Stadt Wil einen neuen Nutzungsvertrag aushandeln, welcher die durch die Stadt zu leistenden Mehrausgaben abdecken soll; sei es für Abschreibungen, sei es für Betriebskosten. Doch diese Einnahmen werden lediglich so lange fliessen wie der türkische Investor Geld in den Fussballclub einschiesst. Zieht sich der Investor zurück, wird der FC Wil nicht mehr in der Lage sein, die ausgehandelte Miete zu bezahlen. Dem Steuerzahler bleiben dann ein überdimensioniertes Luxusstadion und dessen Kosten.

Denken wir auch daran, dass der Abschluss 2014 des Sportparks Bergholz nach Beteiligung durch die Stadt und die Vertragsgemeinden von rund 1,9 Millionen Franken einen Unternehmensverlust von 600 000 Franken ausweist, der durch den Steuerzahler zu berappen sein wird. Und auch in den Folgejahren wird realistischerweise mit Verlusten zu rechnen sein. Und bei einem Ausbau des Stadions erhöhen sich die Kosten entsprechend.

Will die Stadt Wil den Steuerzahler also nicht zusätzlich unnötig belasten, ist ein Ausbau des Stadions konsequent abzulehnen. Kommt hinzu, dass es für einen Ausbau in die Breite (Gegentribüne) auch keinen Platz mehr hat, da der Kinderspielplatz des Quartiers angrenzt. Und für die vielen Zuschauer, die erwartet werden, wäre die Parkplatzsituation ungenügend; abgesehen vom Verkehr in den Quartierstrassen. Doch bleiben wir realistisch. Auch dieser Investor des FC Wil geht, wie andere gekommen sind.

Jürg Hotz

Wilenstrasse 24, 9500 Wil