Keine Staus, weniger Drängler: Die Autobahn A1 zwischen Matzingen und St.Gallen ist so leer wie lange nicht mehr

Der Strassenverkehr auf der Autobahn A1 ist als Folge des Coronanotstands massiv zurückgegangen. Laut dem Astra beträgt der Rückgang rund 30 Prozent.

Philipp Stutz
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Grosse Lücken im Strassenverkehr: Die A1 in Niederuzwil am Dienstagnachmittag, 31. März.

Grosse Lücken im Strassenverkehr: Die A1 in Niederuzwil am Dienstagnachmittag, 31. März.

Bild: Philipp Stutz

Seit Ausbruch der Coronavirus-Epidemie und der Ankündigung des Lockdown durch den Bundesrat ist das öffentliche Leben in der Schweiz mindestens bis zum 19. April weitgehend lahmgelegt. Es gilt die Aufforderung, möglichst zu Hause zu bleiben und auf Homeoffice auszuweichen. Das hat zur Folge, dass auch der Verkehr auf den Strassen eingebrochen ist.

Exemplarisch zeigt sich das auf der üblicherweise stark befahrenen Autobahn A1. «Seit der Verschärfung der Massnahmen erhält man den Eindruck, dass die Menschen erkannt haben, um was es geht», sagt Franz Dähler. Sein Wort hat Gewicht, führte der Niederuzwiler doch während Jahrzehnten ein Carreiseunternehmen und war selbst Berufschauffeur.

Anstand mit Abstand

Dähler kann dem Ganzen auch Positives abgewinnen. Es sei allgemein ruhig, fügt er an, und dies sowohl auf der Strasse als auch bei den noch geöffneten Geschäften. Dähler stellt fest:

«Es ist eindrücklich, wie plötzlich der Anstand Einzug gehalten hat.»

Denn der Abstand, das sogenannte Social Distancing, wirke wie Erholung an der Kasse, beim Eingang und zwischen den Regalen.

«Chronische Drängler» scheinen verschwunden

«Die grösste Erholung ist aber auf der Autobahn festzustellen», betont Dähler. «Chronische Drängler» auf der A1 zwischen Matzingen und St.Gallen seien verschwunden oder hätten Anstand gelernt. Es sei auch interessant, dass nun kaum mehr Auffahrunfälle zu verzeichnen seien. Sein Fazit:

«Zurzeit ist das Fahren erholsam wie einst.»

Die Autobahn A1 zwischen Wil und St.Gallen gilt als unfallträchtig. So waren beispielsweise vergangenes Jahr während eines Tages im März gleich sechs Unfälle binnen nur zwei Stunden zu verzeichnen gewesen. Diese hohe Zahl machte ein Grossaufgebot der Kantonspolizei und der Feuerwehr notwendig. Eines der Autos brannte aus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Es kam aber auch zu tödlichen Unfällen.

Rückgang um rund 30 Prozent

Nun hat sich die Situation merklich beruhigt. «Der Verkehr auf dem Nationalstrassennetz ist um rund 30 Prozent zurückgegangen», bestätigt Jérôme Jacky, Pressesprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Es handle sich um eine aussergewöhnliche Situation, die mit massiv weniger Verkehr einhergehe.

«Weniger Autos haben weniger Unfälle zur Folge», sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Dabei handle es sich um eine subjektive Wahrnehmung. Quantitative Aussagen liessen sich erst in einigen Wochen machen. Doch stehe fest, dass der Einkaufs-, Freizeit- und Ausflugsverkehr rückläufig sei. Das sei auch auf den Bahnhöfen zu beobachten.

Wie an autofreien Sonntagen in den 70ern

Am Wochenende akzentuiert sich die Situation auf der Autobahn weiter. Dann fällt der Berufsverkehr weg, und die A1 präsentiert sich zuweilen wie leergefegt. Beinahe wie im November 1973, als wegen der Ölpreiskrise für drei aufeinander folgende Sonntage ein allgemeines Fahrverbot angeordnet worden war.

Doch dies hat auch negative Folgen. Manche Autofahrer drücken angesichts leerer Strassen stärker aufs Gaspedal. Die Folge sind massive Geschwindigkeitsüberschreitungen. «Die Strasse ist aber kein rechtsfreier Raum», betont Krüsi. Solches Fehlverhalten werde geahndet. Die Polizei handle konsequent und führe auch Geschwindigkeitskontrollen durch.

«Halben Tacho» einhalten

Generell sind auf der stark befahrenen A1, der Verbindung zwischen Ost und West mit der Stadt St.Gallen in der Mitte, viele Unfälle zu registrieren. Um Auffahrunfälle zu vermeiden, rät Hanspeter Krüsi den Autofahrern, weiterhin genügend Abstand einzuhalten. Als Grundsatz gilt: Der Abstand ist hinreichend, wenn das hintere Fahrzeug bei überraschendem (verkehrsbedingt erlaubtem) Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs noch rechtzeitig zu halten vermag.

Als Faustregel gilt: halben Tacho zum vorausfahrenden Auto Abstand halten. Das heisst bei einem Tempo von 100 Stundenkilometern einen Mindestabstand von 50 Metern. Anzumerken gilt, dass neue Fahrzeuge über Abstandsregler verfügen. Dabei handelt es sich um einen «mitdenkenden» Tempomaten, der die Geschwindigkeit automatisch dem Verkehrsfluss anpasst.