Keine Integration ohne Beziehung

Vom Gemeinderat Bronschhofen zu einem Themenabend eingeladen, diskutierten rund zwei Dutzend Einheimische und Zugezogene die Integrationsfrage.

Christoph Oklé
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BRONSCHHOFEN. Anfang 2009 hatte sich der neu gewählte Gemeinderat verschiedene Ziele gesetzt, welche er im Laufe der Legislaturperiode 2009 bis 2012 verfolgen möchte. Eines davon betrifft den verstärkten Dialog mit der Bevölkerung. Dazu gehört beispielsweise die Durchführung von Themenabenden. Nach einem solchen Anlass vor einem halben Jahr stand am Dienstag die Integration von Ausländerinnen und Ausländern im Fokus.

Themenabend Integration

Gut zwei Dutzend interessierte Einwohnerinnen und Einwohner waren der Einladung des Gemeinderats zu diesem Themenabend im Versammlungsraum des Ebnet-Saals gefolgt. Ziel des Themenabends Integration ist eine Diskussion beziehungsweise ein Austausch unter Einheimischen und Ausländern zu Erwartungen und Möglichkeiten im Bereich der Integration.

Dabei standen beispielsweise die Fragen im Raum, welche gegenseitigen Erwartungen bestehen und was getan werden kann, um Ausländern die Integration zu erleichtern.

Gemeinderätin Marlise Zünd erklärte, dass die Gemeinden wohl eine gesetzliche Pflicht zur Integration der ausländischen Wohnbevölkerung hätten, definiert sei deren Umsetzung hingegen nicht. So liege es in der Kompetenz der Gemeinde, was und wie viel sie in dieser Hinsicht leiste.

Bronschhofen habe sich bisher in der Jugendhilfe und in der Betreuung von Asylbewerbern engagiert, oder wenn jemand direkt ans Sozialamt gelangt sei.

Private Initiativen

Aber auch private Initiativen gebe es, so zum Beispiel die 2002 von Christa Grämiger ins Leben gerufene Gruppe «Miteinander leben». Deren Deutschkurse werden mittlerweile von Bilang durchgeführt und von der Gemeinde finanziell unterstützt. Aber auch der Fussballclub leiste in seinen Jugendabteilungen Integrationsarbeit.

Als Schwerpunkte des Abends nannte Gemeinderätin Zünd die Beschäftigung mit den Fragen: Was erwarten wir von einander? Was kann ich zur Integration beitragen? Diese Frage beträfen sowohl die Einheimischen wie auch die Zugezogenen.

Zur Frage, wann jemand integriert sei, gab es verschiedene Antworten. Kernthema waren immer wieder die Deutschkenntnisse. Denn ohne entsprechende Sprachkenntnisse sei es kaum möglich, Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern zu pflegen.

Integration bedeutet für eine junge Mazedonierin mit sehr guten Deutschkenntnissen, sich hier heimisch fühlen: «Bronschhofen ist mir zur Heimat geworden.» Sich hier zu integrieren sei nicht so einfach, meinte sie und bekannte, dass sie niemanden in ihrem Wohnblock kenne. Sehr geholfen habe ihr aber der Kontakt zur Gruppe «Miteinander».

Spannungsdreieck

Bemängelt wurde das sehr verbreitete Desinteresse von Fremdsprachigen an Deutschkursen, war der letzte doch nicht zustande gekommen. Von «zu bequem» bis «unsicher» und «zu müde nach harter körperlicher Arbeit» reichten verschiedene Erklärungen darüber. Im Laufe der Diskussion kristallisierte sich dann aber das Spannungsdreieck «Sprache – Integration – Beziehung» heraus.

Als Alternative zu gegenseitigen Schuldzuweisungen wurde die Schaffung eines Patensystems zur Unterstützung der Integrationsbemühungen angeregt: «Denn ohne Beziehung keine Sprache und ohne Sprache keine Integration». Die aufgelegte Liste für die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe füllte sich rasch, und beim anschliessenden Apéro wurde bereits über mögliche Aktivitäten diskutiert.