Keine Dorfbauern mehr im Bauerndorf

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Am Heimatabend des Kultur- und Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil konnten alte Gerätschaften aus der im Herbst abgebrochenen Krucker-Scheune an der Oberdorfstrasse besichtigt werden.

Am Heimatabend des Kultur- und Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil konnten alte Gerätschaften aus der im Herbst abgebrochenen Krucker-Scheune an der Oberdorfstrasse besichtigt werden.

Wolfertswil Die Bauvisiere südseitig der Oberdorfstrasse sind abgebaut. Geblieben sind einige Kieshaufen und Wiesland. Dort, wo bis vergangenen Herbst die 118-jährige «Krucker»-Scheune gestanden hat, ist der Bau von Einfamilienhäusern geplant.

Die Scheune, wenn historisch auch bedeutungslos, war ein Zeitzeuge. Nicht nur, weil sie die damals grösste des Dorfes war. Ihr Bau im Jahre 1899 läutete eine neue Ära in der bäuerlichen Betriebsführung ein: Landwirtschaftliche Unternehmer lösten die zahlreichen Selbstversorger mit wenig Boden und spärlich Vieh ab. Diese Entwicklung, die schliesslich zur Aussiedlung grosser Landwirtschaftsbetriebe an die Peripherie des Dorfes und – in den 60er-/70er-Jahren – zur Güterzusammenlegung führte, war das Schwerpunktthema am Heimatabend des Kultur- und Heimatvereins Magdenau-Wolfertswil. Erläutert wurde diese eben am Beispiel der Familie Krucker. Treffpunkt war der Auhof, nördlich der Kirche, den Gallus Krucker nach dem Wegzug von der Oberdorfstrasse im Jahre 1975 gebaut hatte und der heute von Sohn Peter bewirtschaftet wird.

Hierher hatte es auch zahl­reiche Trouvaillen aus der abgebrochenen Scheune verschla­-gen: Eine alte Schlagmühle mit diversen Siebgrössen etwa, ein Schleifstein für Äxte und Beile oder das prägnante Holzelement mit der Aufschrift GK (für Gallus Krucker) und der Jahreszahl 1899, das über dem Scheunentor gehangen hatte. Ob die Maschinen und Erinnerungsstücke auf dem modernen Hof eine Dauerbleibe finden, ist offen. Erhalten ist auch der Bührer-Traktor, mit dem Vater Gallus Krucker einst sein Land bestellt hatte. Kompakt ist er und wendig. Geeignet für die damalige Zeit, als die zu befahrenden Parzellen klein, verwinkelt, oft schmal und verstreut angelegt waren.

Der Präsident des 2013 gegründeten Kultur- und Heimatvereins, Leo Kessler, führte etappenweise durch die Geschichte des Dorfes, gab Episoden aus der jüngeren Vergangenheit zum Besten, erinnerte an Bauten von besonderer Bedeutung und gewährte Einblick in die Familiengeschichte der Kruckers.

Albert Egger, als langjähriger bäuerlicher Betriebsberater Experte auf dem Gebiet, widmete sich der Güterzusammenlegung, über die im Jahr 1962 abgestimmt worden war und deren Umsetzung das Dorfbild entscheidend verändert hatte. Die kleinen Bauerhöfe sind aus dem Kern Wolfertswils verschwunden. Am Dorfrand bauern heute auf Grossbetrieben die Familien Rutz, Sauter und Krucker.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch