Flawiler Seniorenwohnungen ohne Kabel-Buchsen - die Zukunft ist digital 

Der Kabelanschluss im Neubau, früher Standard, wird zunehmend weggespart – wie im Haus «5egg» in Flawil.

Andrea Häusler
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Nur noch die Absperrschranken erinnern an die Bauzeit, die im Herbst 2017 begonnen hatte und jetzt abgeschlossen ist.Bild: Tobias Söldi

Nur noch die Absperrschranken erinnern an die Bauzeit, die im Herbst 2017 begonnen hatte und jetzt abgeschlossen ist.Bild: Tobias Söldi

Das Rentnerpaar X. freut sich auf seine neue Wohnung. Ein Zuhause, in dem es möglichst sorglos seinen Lebensabend verbringen möchte. Das neu erstellte Haus «5egg» am Flawiler Bahnhofplatz bietet hierfür ideale Voraussetzungen. Denn die Infrastruktur ermöglicht der Mieterschaft der 30 Wohnungen – je 10 Seniorenwohnungen und Wohnungen mit Pflegeangebot sowie 10 Pflegewohnungen – ein individuelles und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter. Zumal das Wohnkonzept je nach Bedarf und gesundheitlichem Befinden diverse Pflege-, Service- oder Betreuungsleistungen quasi à la carte vorsieht.

Die Mietpreise liegen zwischen 1310 und 1460 Franken für eine Zweieinhalbzimmer-, beziehungsweise 1550 und 1610 Franken für eine Dreieinhalbzimmer-Wohnung – jeweils ohne Nebenkosten. Die Nachfrage war von Anbeginn weg gross – heute, am Tag vor der offiziellen Einweihung des markanten Gebäudes mit Spitex-Stützpunkt und Restaurant an der Oberdorfstrasse, sind alle Seniorenwohnungen vermietet. Lediglich bei jenen Wohnungen, die Menschen mit Pflegebedarf vorbehalten sind, übersteigt das Angebot noch die Nachfrage.

Fernseher einstecken und gucken – keine Chance

«Geniessen Sie Ihr Leben – ohne Sorgen», wirbt die Stiftung für Wohnungen mit Pflegeangebot als Bauherrin des 17-Millionen-Projekts «Neues Wohnen in der alten Post» in ihrer Doku- mentation. Die ersten Sorgen plagten das Ehepaar X. und mit ihm knapp die Hälfte der Ü65-Mieterschaft allerdings bereits vor dem Umzug ins neue Domizil. Denn in den Neubauwohnungen sind für den Fernsehempfang keine Koax-Buchsen verbaut worden. Das TV-Gerät einstecken, den favorisierten Sender wählen, sich zurücklehnen und das Programm geniessen, funktioniert nicht zwangsläufig. Wer im neuen Zuhause fernsehen will, hat zwei Möglichkeiten. Entweder er lässt seine Wohnung auf eigene Kosten fürs Kabel-TV umrüsten, was mit Kosten von 250 bis 300 Franken je Wohnung verbunden ist oder er schaut Fernsehen übers Internet – mit einer Swisscom TV-Box. Wobei er bezüglich des Anbieters keine Wahlfreiheit hat.

Die X’s sind am Evaluieren. Die Freude am neuen Zuhause lassen sie sich deswegen nicht verderben. Dennoch fehlt ihnen das Verständnis für die offensichtliche Sparmassnahme. Umso mehr, als sich das Wohnangebot zu einem beachtlichen Teil an ältere Menschen richte. Und, weil der konventionelle Anschluss ans Kabelnetz während der Bauphase weit preiswerter hätte erstellt werden können.

Spardruck und veraltete Technologie

Das Projekt «Wohnen in der alten Post» oder eben «5egg» stammt aus dem Büro Brechbühler Walser Architekten in Zürich. Patrick Walser weiss um die Problematik, kann den Entscheid aber begründen. «Das herkömmliche Kabel-TV ist ein Auslaufmodell», sagt er und ergänzt, dass deshalb bei Neubauten zunehmend auf den Einbau von Koax-Dosen verzichtet und auf moderne Technologien gesetzt werde. Die Idee beide Systeme parallel anzubieten, sei zwar diskutiert worden, letztlich aber an den Kosten gescheitert. «Wir standen unter enormem Spardruck», macht Walser klar. Ziel der Stiftung sei es gewesen, die Mietzinsen für die Wohnungen im unteren mittleren Preissegment anzusiedeln. «Da musste jeder Franken zweimal umgedreht werden. Im Sinne einer Übergangslösung zwei Netzinfrastrukturen anzubieten, hätte einen nicht vertretbaren Luxus bedeutet.»

Lösung mit Mietern finden

Die Bauherrschaft zeigt sich einsichtig. Von einer bewussten Sparmassnahme zu Lasten der Mieterschaft will Urs Huber, Präsident der Stiftung für Wohnungen mit Pflegeangebot, hingegen nichts wissen. Man habe sich mit den erfahrenen Planern auf eine zukunftsfähige Lösung verständigt, sagt er und ergänzt: «Wir sind nun dabei, mit den Mietern eine Lösung zu finden.»