Kein Zurücklehnen im Ruhestand

Peter Vollmeier – er war 20 Jahre Leiter im «Sonnegrund», Haus für Betagte in Kirchberg – und Ehefrau Edith haben sich vor bald drei Jahren in den dritten Lebensabschnitt verabschiedet. Ihre Agenda ist aber nach wie vor gut gefüllt.

Beat Lanzendorfer
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Edith und Peter Vollmeier, hier im Garten ihres Hauses, geniessen das Rentnerdasein in vollen Zügen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Edith und Peter Vollmeier, hier im Garten ihres Hauses, geniessen das Rentnerdasein in vollen Zügen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

GÄHWIL. Zwei Jahrzehnte war das Ehepaar Peter und Edith Vollmeier Seele und Gesicht des «Sonnegrunds». Er als einfühlsamer Leiter, sie mit einer 50-Prozent-Stelle im Sekretariat. Beide schwelgen gerne in Erinnerungen, geniessen aber auch die Gegenwart. «Wir hatten eine wunderbare Zeit und einen schönen Abgang», sagen sie einhellig. Glücklich waren sie trotzdem, Verantwortung abgeben zu dürfen. Mit Christof Gisler, dem neuen Betriebsleiter, wissen sie den «Sonnegrund» in guten Händen.

Reisefreudige Vollmeiers

«Eigentlich wollten wir es langsam angehen lassen, flogen aber schon zehn Tage nach unserem letzten Arbeitstag für eine Rundreise nach China», erzählt der 66jährige Peter Vollmeier. «Das erste Jahr war eine eigentliche Findungsphase, in der wir uns bewusst viele Auszeiten gönnten», ergänzt Ehefrau Edith. Nach der Destination im Fernen Osten kamen weitere in Europa hinzu. Sie waren gemeinsam in Holland und auf Rügen. Während Peter mit Kollegen dann die verschiedenen Whiskeys in Schottland probierte, zog es Edith mit Tochter Ruth nach London und Paris. Die Zweisamkeit genoss das Paar dann wieder im Engadin und in Südtirol. Apropos Reisen: Peter Vollmeier hat seit den 1970ern Reisen fein säuberlich aufnotiert, wo die Familie die Ferien verbrachte. «Grün steht für die Schweiz. Wenn die Notiz mit roter Schrift eingetragen ist, war es eine Flugreise. Schwarz bedeutet Europa», sagt er. Ein Land haben sie sich noch fest vorgenommen. Dieses wird dann wieder rot nachgetragen: Südafrika.

Dienst an der Gesellschaft

Als rüstiger Rentner möchte Peter Vollmeier der Gesellschaft einen Dienst erweisen und etwas zurückgeben: «Ich hatte ein schönes Leben. Nun gehöre ich seit zwei Jahren der 40köpfigen Fahrer-Crew des Tixi-Taxis Fürstenland an. Mit fünf Autos erledigen wir Fahrdienste von Münchwilen bis St. Gallen. Der Verein hat seinen Standort in Niederuzwil und ist an 365 Tagen im Jahr für Menschen da, die auf eine Fahrhilfe angewiesen sind. Ich stelle mich während sechs Tagen im Monat zur Verfügung, was ungeheuer befriedigend ist.» Als weitere Hobbies erwähnen die beiden das Jassen, Wandern und Velofahren. Letzteres hat sie so richtig in den Bann gezogen. «Vergangenes Jahr strampelten wir mit dem E-Bike von Gähwil nach Wien. Die Strecke via Deutschland entlang der Donau war traumhaft», erzählen sie mit leuchtenden Augen. Die Fortsetzung kommt nächstes Jahr. Im Sommer 2016 geht es für drei Wochen auf den Elbe-Radweg mit Start in Hamburg und Endziel Prag. Weil beide auch gerne unter Menschen sind, haben sie sich dem Jahrgängerverein Wil und Umgebung angeschlossen. Er bei jenen mit Jahrgang 1946 bis 50, sie gehört der Gruppe mit Jahrgang 1951 bis 55 an. Regelmässige Tages- oder Halbtageswanderungen sowie Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten oder Bauprojekten wie die Neat oder Umfahrung Bütschwil halten die Rentner fit.

Die Liebeskarte

Eine Geschichte regt speziell zum Schmunzeln an. Es ist jene, wie Peter seinen Schwarm Edith vor über 40 Jahren definitiv um den Finger wickeln konnte. «Wir sind zwar beide in Gähwil aufgewachsen, Peter ist aber vier Jahre älter und hat mich in der Schule nicht beachtet. Erstmals auf mich aufmerksam wurde er beim Jassen in der <Traube>, die seine Eltern in vierter Generation führten», sagt Edith. Als Peter kurz darauf als WK-Soldat Edith eine Karte mit den Zeilen «In Aarau winke ich und regle den Verkehr, dabei denke ich an dich und an das Jassen sehr» schickte, war es um das junge Fräulein Länzlinger geschehen. Vier Jahre später wurde geheiratet, es folgten drei Töchter und ein Sohn. Mittlerweile sind Vollmeiers vierfache Grosseltern. «Wir geniessen jede Minute mit unseren Enkelkindern, die zwischen zwei und sieben Jahre alt und häufig bei uns in Gähwil zu Besuch sind.»

Sie hätten noch viel zu erzählen. Als aktive Mitsechziger wartet aber schon der nächste Termin auf die beiden. Die ÖV-Vielfahrer möchten noch nach Winterthur.

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