Kein Zielwasser getrunken

Gut 80 Vereins- und Hobbyschützen sowie Vertreter aus der Politik nahmen am traditionellen Winterschiessen der Wiler Stadtschützen teil. Dabei zeigten sich die höchsten Wiler, Susanne Hartmann und Michael Sarbach, wenig treffsicher.

Christof Lampart
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Tamara Hildebrand (11 Jahre) war die jüngste Teilnehmende. (Bild: Picasa)

Tamara Hildebrand (11 Jahre) war die jüngste Teilnehmende. (Bild: Picasa)

WIL. Der Weg zum Parkplatz des Schützenhauses in der Wiler Thurau war nicht lang. Nichtsdestotrotz aber weit genug, damit sich die kommunale «Sportministerin», Stadträtin Marlis Angehrn, eingehend Gedanken übers bevorstehende Wettschiessen machen konnte. «Ich habe ja durch die letzten Jahre ein wenig Routine; da wird das schon klappen», machte sie sich Mut. Eine genauere Prognose wollte sie jedoch nicht abgeben, ausser «erste werde ich sicherlich nicht werden.»

Noch nie ein Gewehr in der Hand

Mit dieser Aussage traf Marlies Angehrn (Rang 66, 634 Punkte) ins Schwarze. Letzteres hätte wohl auch Michael Sarbach (Rang 76, 462 Punkte) von sich behaupten können – hätte er mittels Gitarre an einem Song-Contest und nicht mit der Waffe in der Hand antreten müssen. Denn in Bedienung der letzteren entpuppte sich der Grüne als echtes Greenhorn. Zwar verriet er sich nicht selber, aber der Präsident der Stadtschützen, Robert Signer, plauderte aus dem Nähkästchen: «Der Michi hat noch nie ein Gewehr in der Hand gehabt.»

«Extra Bier gekauft»

Wen wunderte es da, dass Sarbach kurz vor dem Abliegen am Schiessstand mit der Nummer 5 nicht gerade das ausstrahlte, was der Volksmund gemeinhin als «eiserne Entschlossenheit» und der Schütze mit «er hat Zielwasser getrunken» umschreibt? Immerhin lag er schon auf der Matte, während sich hinter ihm die nächsten Schützinnen und Schützen aufreihten. Und Signer hat Sarbach schon vor dem ersten Schuss einen «Trost» für danach garantiert: «Wir haben extra für dich Bier eingekauft.» Michael Sarbach ging also als das voran, was er in seinem Präsidialjahr für alle Wiler sein soll: als Vorbild. Geduldig liess er sich ins Schützenhandwerk einweisen.

Familiensache

In der Schützenstube gab es die ersten Schnäpse für jene, welche bereits geschossen hatten. «Uh, der Grüne schiesst», sagte einer, mit Blick auf die mit dem Schützennamen eingeblendeten Zielscheiben. Wer nicht gerne draussen bei Minusgraden fror, konnte den Wettkampf in der warmen Stube als Liveübertragung mitverfolgen. Noch nicht in Sicht war zu diesem Zeitpunkt die neue Wiler Stadtpräsidentin, Susanne Hartmann (Rang 78 und somit letzte, 303 Punkte). Dabei wäre es doch sozusagen «Familiensache» gewesen, zu den allerersten und besten Schützen zu gehören. Schliesslich war ihr Vater Josef ein begeisterter Schütze und selbst einmal Vereinspräsident der Wiler Stadtschützen gewesen. Aber was noch nicht ist, kann man ja noch lernen; schliesslich hat die neue Wiler Stadtpräsidentin noch mindestens drei weitere Wiler Winterschiessen vor sich. Ob sich dann Michael Sarbach auch wieder in der Thurau blicken lässt?

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann in voller Konzentration. (Bilder: art.)

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann in voller Konzentration. (Bilder: art.)