Kein Verkauf der Liegenschaft «Zur alten Bank» durch die Gemeinde

Cornelia Hengartner, Niederuzwil
Drucken
Teilen

Seit ich in der Zeitung gelesen habe, dass die Gemeinde das Haus «Galerie zur alten Bank» an der Henauerstrasse 20 in Niederuzwil verkaufen möchte, mache ich mir Gedanken darüber. Ich stelle mir vor, wer das Haus wohl kaufen würde an dieser Lage. Wie die jüngere Vergangenheit zeigt, wäre das Szenario wohl so, dass wieder ein Kebab-, ein Couiffeurladen oder sonst ein Unternehmen hinkäme. Dieses bräuchte Autoabstellplätze, die bestimmt auf der dazugehörenden Wiese realisiert würden. Ist es nicht schade, wenn die Kulturschaffenden den zentralen Raum verlieren? Würde dies für die Gemeinde günstiger zu stehen kommen an einem anderen Ort?

Als Steuerzahlerin fühle ich mich betrogen, wenn kurzfristiges Denken dazu verleitet, dieses schöne, gepflegte Haus mit Geschichte zu verkaufen. Wo bleiben da die Visionen, die wir einst im Gemeindesaal aufs Papier gebracht hatten? Es stimmt, dass Sicherheits- und Platzaspekte für die sozialen Dienste im ehemaligen Gemeindehaus an der Flawiler- strasse besser berücksichtigt werden können. Es gibt aber auch weitere Aufgaben der Schule und Gemeinde, die an der Henauerstrasse 20 zentraler aufgehoben wären als jetzt.

Es gäbe etliche Beispiele von sinnvollen Nutzungen: Ein Ziel -auch des Kantons - ist zu verhindern, dass Kinder praktisch ohne Deutschkenntnisse in die Kindergärten eintreten. Als Logopädin in unserer Gemeinde tut es mir manchmal weh, was ich in meinem Berufsalltag antreffe. Es gibt diverse Quartiere in Uzwil, in denen kaum ein Kind Deutsch als Muttersprache hat. Ich bin der Gemeinde dankbar, dass Spielgruppen jetzt finanziell unterstützt werden. Aber es muss nach Lösungen gesucht werden, die früher ansetzen.

In der Arbeitsgruppe für die Förderung der Kleinsten, die vom kantonalen Amt für Soziales initiiert wird, wurden zunehmend Beispiele von Familienzentren erwähnt. Diese erfordern Raum. Auch schulische Dienste und der Musikunterricht geschehen mit Vorteil in Räumen, die nahe bei den Schulhäusern liegen. Auch wenn die neue Gemeindeverwaltung nach Uzwil zügelt, bleibt Niederuzwil das bevölkerungsreichste der sieben Dörfer der Gemeinde.

Für sinnvolle Nutzungen braucht es weder einen Sicherheitstrakt noch einen Prestigebau, sondern zentrale, günstige Räume für Kultur, Bildung und Leben. Internetanschlüsse, einen gedeckten Velo- und Kinderwagenunterstand sowie die Anbindung an den ÖV gibt es an der Henauerstrasse 20.

Handlungen wie der Verkauf dieses Hauses können dazu führen, dass ein ungesunder Mix von Hausnutzungen verstärkt wird, der letztlich die ungünstige Durchmischung der Quartiere zusätzlich fördert.

Sorgen wir vor, dass wir nicht erschrecken müssen, wenn im Zentrum von Niederuzwil ein weiterer Kebab-Imbiss versucht, Kunden zu locken und der Baum und die Skulpturen auf der dazugehörigen Wiese den Parkplätzen gewichen sind. Mein Wunsch und Vorschlag für die Bürgerversammlung vom 27. November lautet:

Kein Verkauf des Hauses «Galerie zur alten Bank» an der Henauerstrasse 20 durch die Gemeinde.

Cornelia Hengartner, Niederuzwil