Kein Schwein mit den Sauen

Tiefe Preise für Schweine und Milch haben dazu geführt, dass der Erlös der St. Galler Landwirte im vergangenen Jahr um über fünf Prozent gesunken ist. Auch die Anzahl der Betriebe hat abgenommen. Im Toggenburg gibt es 25 weniger.

Barbara Anderegg
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Für Kuhmilch konnten die Toggenburger Bauern im vergangenen Jahr keine guten Preise erzielen. (Archivbild: Sebastian Keller)

Für Kuhmilch konnten die Toggenburger Bauern im vergangenen Jahr keine guten Preise erzielen. (Archivbild: Sebastian Keller)

TOGGENBURG. Gute Produktionsbedingungen, aber schlechte Erlöse beim Verkauf der Produkte, so der verkürzte Rückblick auf das vergangene Jahr aus Sicht der St. Galler Bauern. Der Erlös für die landwirtschaftlichen Produkte ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als fünf Prozent gesunken. Schlechte Preise erzielten die Landwirte insbesondere für Schweinefleisch und die Milch. Es sind genau jene zwei Bereiche, die bei den Toggenburger Bauern klar im Vordergrund stehen, wie Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes (SGBV), sagt. «Von dem Gesamttierbestand im ganzen Kanton von rund 140 000 Grossvieheinheiten sind gegen 40 000 im Toggenburg zu finden», verdeutlicht er.

Ausnahme Rindfleisch

Die Preise für Rind- und Kalbfleisch haben sich auf einem erstaunlich guten Niveau gehalten, stellt Widmer fest. «Der Konsument schätzt das Rind- und Kalbfleisch wohl auch aufgrund der hohen Qualität», sieht Andreas Widmer einen möglichen Grund für die Stabilität bei diesen Produkten. Nicht zu unterschätzen sei in diesem Zusammenhang der Einfluss von McDonald's, der nur Schweizer Rindfleisch verarbeite und der grösster Endabnehmer dieses Fleischerzeugnisses sei.

Schwein und Milch

Ganz anders die Situation bei den Schweinen. In seinem Jahresbericht spricht der SGBV bezüglich der Schweinepreise von einem Rekordtief. Der Grund dafür liege eindeutig in der Überproduktion im Inland. Auch bei der Milch ist eine leichte Überproduktion mit ein Grund für den Preiszerfall. Aber auch der starke Franken hat sich auf die Milchpreise ausgewirkt, hält der SGBV fest. Dadurch hätten sowohl auf dem Schweizer als auch im Exportmarkt tiefere Preise für den Schweizer Käse als im Vorjahr erzielt werden können, was den Druck auf die Preise des Rohstoffes Milch zusätzlich erhöht habe. «Der Preiszerfall bei der Milch ist seit Jahren enorm. Vor 20 Jahren hat der Landwirt pro Liter Milch 1,07 Franken erhalten. Im vergangenen Jahr lag der Erlös pro Liter Konsum- und Industriemilch bei 60 bis 62 Rappen», verdeutlicht Widmer. Bei der Käsereimilch sei der Preis einige Rappen höher gewesen.

Entsprechend den tiefen Preisen, die die Landwirte für ihre Produkte erzielten, sank auch ihr durchschnittlicher Arbeitsverdienst. Dieser lag 2011 bei unter 40 000 Franken pro Familienarbeitskraft, wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist. «Dieser Wert sinkt jährlich, seit er 2008 einen Höhepunkt erreicht hatte», kommentiert Andreas Widmer. Durchschnittlich ein Drittel des Einkommens erwirtschaften die St. Galler Landwirte schon seit Jahren in einem Nebenerwerb. «Mindestens zwei Drittel der Landwirte gehen noch einem solchen nach. Gerade im Toggenburg arbeiten viele im Winter als Holzer oder an den Skiliften und Bergbahnen», weiss er.

25 Betriebe weniger

Neben fehlender Nachfolge und der Zusammenlegung von Betrieben zu Betriebsgemeinschaften sieht der Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes die wirtschaftlichen Umstände denn auch als einen Grund für den Rückgang der Betriebe. Im ganzen Kanton St. Gallen ging die Anzahl Betriebe um 109 auf 3851 zurück. Das entspricht einer Abnahme von 2,7 Prozent. In dieser Hinsicht liegt das Toggenburg unter dem kantonalen Durchschnitt. Die Anzahl Betriebe sank hier von 1220 im 2010 auf 1195 im vergangenen Jahr. Etwas über dem Durchschnitt liegt das Toggenburg in bezug auf die Betriebe, welche die Bioproduktion aufgegeben haben. Die acht Biobetriebe machen vier Prozent der Bioproduzenten im Toggenburg aus. Im kantonalen Schnitt hat die Anzahl Biobetriebe um 3,6 Prozent abgenommen.

Mehr Bio wird erwartet

Die Nachfrage nach Biomilch sei vor drei Jahren etwas eingebrochen. Das habe viele Biobauern wohl abgeschreckt, zumal der Aufwand in den Biobetrieben deutlich höher sei als bei konventionellen Betrieben, so Andreas Widmer. «Allerdings geht der Trend wieder vermehrt in Richtung Bioproduktion», sagt Andreas Widmer. Die Preise der Biomilch sind im Vergleich zu denen der konventionellen 2011 nicht eingebrochen.

«Die Nachfrage war sogar etwas grösser als das Angebot», sagt Andreas Widmer. Er geht davon aus, dass es in zwei bis drei Jahren – so lange braucht es für die Umstellung auf den Biobetrieb – wieder mehr Biobetriebe geben wird. Insgesamt sind seine Prognosen für das laufende Jahr vorsichtig optimistisch, was die Schweinefleischpreise betrifft. «Diese werden sich wohl leicht erholen», sagt er. Bei der Milch allerdings werde sich die Situation wohl nicht verbessern. «Auch, weil sich die Landwirte nicht darüber einig werden, wie die produzierte Milchmenge reguliert werden kann», so Andreas Widmer.

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