Kein neues Monatsmagazin

FLAWIL. Der Verwaltungsrat der Dfmedia AG hat entschieden, kein neues Monatsmagazin für die Region zu lancieren. Stattdessen richtet er sein Augenmerk auf den digitalen Markt. Und er hat einen Aktienrückkauf lanciert, der noch bis 20. Januar läuft.

Hans Suter
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Die Medienwelt wird immer digitaler und bewegt sich hin zur dritten Dimension. Dem Trend folgend, stellt die Dfmedia AG Plattformen sowie Bewegtbilder in den Fokus ihrer künftigen Beteiligungen. (Bild: Fotolia)

Die Medienwelt wird immer digitaler und bewegt sich hin zur dritten Dimension. Dem Trend folgend, stellt die Dfmedia AG Plattformen sowie Bewegtbilder in den Fokus ihrer künftigen Beteiligungen. (Bild: Fotolia)

Der Aktienrückkauf durch die Gesellschaft kam für viele Aktionäre überraschend. Umso mehr, also vor wenigen Jahren noch eine Kapitalerhöhung durchgeführt worden war. Der Verwaltungsrat bietet für eine Aktie 300 Franken. Dieser Betrag liegt 25 Franken über dem Steuerwert von 275 Franken und 50 Franken über dem Nominalwert von 250 Franken.

Aktien werden vernichtet

Bis Mitte dieser Woche haben 132 der rund rund 400 Aktionäre ihre Titel der Dfmedia AG angeboten. Die angedienten Aktien sollen unter entsprechender Herabsetzung des Aktienkapitals vernichtet werden. Der Beschluss dazu wird an einer ausserordentlichen Aktionärsversammlung gefällt. Diese dürfte am 11. Februar stattfinden. Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt fünf Millionen Franken, gestückelt in 20 000 Aktien.

Kein operatives Geschäft mehr

Der Grund für den Rückkauf liegt in der Geschichte und der Zukunft des Unternehmens zugleich. Die heutige Dfmedia AG ist aus der ehemaligen Druckerei Flawil AG entstanden. Sie ist heute eine reine Beteiligungsgesellschaft. Sie hält einen 50-Prozent-Anteil an der Galledia AG (entstanden aus der ehemaligen Druckerei Flawil AG und der Rheintal Druck & Verlag AG), eine Beteiligung an der St. Galler Tagblatt Medien AG und ist Besitzerin der Industrie- und Gewerbeliegenschaft an der Burgaustrasse in Flawil, dem Mutterhaus der einstigen Druckerei Flawil AG. Einzige Einnahmequellen sind die Erträge aus den beiden Beteiligungen und der Vermietung der Liegenschaft in Flawil. Ein operatives Geschäft führt die Dfmedia AG seit dem Verkauf der Wiler Zeitung Ende 2013 an die NZZ-Gruppe nicht mehr.

Digital statt Print

Damals sagte Verwaltungsratspräsident Peter Weigelt, die Dfmedia AG plane die künftige Herausgabe eines gedruckten Monatsmagazins mit hoher Anbindung an einen Onlineauftritt. Dazu kommt es nun nicht. Die Medienlandschaft hat sich seither zu schnell und zu stark verändert. In einem Brief an die Aktionäre schreibt Peter Weigelt: «Das anspruchsvolle Umfeld hat uns dazu veranlasst, anstelle des angedachten Monatsmagazins eine Beteiligung an einem digitalen Projekt zu prüfen.» Weigelt räumt allerdings ein, dass auch im digitalen Zukunftsmarkt vieles erst in der Pilotphase stehe und mit entsprechenden Risiken verbunden sei. Im Vordergrund stehen daher Beteiligungen an Unternehmen oder Produkten mit bereits eingeführten Strukturen. Näheres will Peter Weigelt dazu noch nicht sagen. Er gibt jedoch zu verstehen, dass sich der Fokus auf Plattformen und Bewegtbild richtet.

Ende einer Tradition

Vor diesem Hintergrund braucht es keine Publikumsaktionäre mehr. Mit dem Verkauf der Wiler Zeitung ist der Aktionärstradition mit jährlicher Generalversammlung, Vortrag, einer Wegzehrung (ein Fünfliber), einem Mittagessen mit Erdbeeren und Schlagrahm zum Dessert der Boden entzogen worden. Aufgrund der Beteiligungsverhältnisse haben die sogenannten Kernaktionäre ohnehin die Stimmenmehrheit. Vor diesem Hintergrund hat sich der Verwaltungsrat entschlossen, den verbliebenen Aktionären, von denen die meisten zwischen nur einer bis maximal fünf Aktien besitzen, ein Rückkaufsangebot zu unterbreiten. Für sie entfällt damit die alljährliche GV und eine liebgewonnene Tradition. Wer seine Aktien nicht verkauft, bleibt weiterhin Aktionär. Da die Gesellschaft kein operatives Geschäft mehr führt, dürfte die GV künftig aber kein gesellschaftliches Ereignis mehr sein.