Kein Hinweis auf einen Pädophilen

Nach Vorfällen in Niederwil und Jonschwil sind auch in Flawil Mädchen von einem Unbekannten angesprochen worden. Eltern und Polizei wurden informiert. Zwischen den Ereignissen scheint es jedoch keinen Zusammenhang zu geben.

Andrea Häusler
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Am Freitag, 11. September, sollen bei der Schulanlage Enzenbühl in Flawil zwei Mädchen von einem Unbekannten angesprochen worden sein. (Bild: Andrea Häusler)

Am Freitag, 11. September, sollen bei der Schulanlage Enzenbühl in Flawil zwei Mädchen von einem Unbekannten angesprochen worden sein. (Bild: Andrea Häusler)

FLAWIL. Die Primarschülerinnen wurden laut Angaben der Schulbehörde am 9. September und 11. September in Alterschwil beziehungsweise beim Schulhaus Enzenbühl in Flawil angesprochen. In beiden Fällen waren die neun- respektive zehnjährigen Mädchen zu zweit unterwegs und meldeten die Vorfälle den Klassenlehrpersonen, die dann die Eltern und die Polizei orientierten, wie Schulratspräsident Christoph Ackermann sagt.

In einem Schreiben an die Eltern der Lernenden der Flawiler Schuleinheit Enzenbühl informiert Schulleiterin Alexandra Baumann darüber, dass das Verhalten auf dem Schulweg im Unterricht besprochen worden sei; gleichzeitig werden die Familien angehalten, die Gefahren und Risiken auch zu Hause zu thematisieren.

Fünfter Vorfall in drei Wochen

Nachdem Ende August in Niederwil ein Mädchen kontaktiert und zum Mitfahren eingeladen worden war und der Fall überregional Schlagzeilen gemacht hatte, häuften sich die Meldungen vergleichbarer Ereignisse. Anfang September kam die Mitteilung aus Jonschwil: Zwei Unbekannte hätten dort zwei Primarschülerinnen ins Auto zu locken versucht, hiess es in der entsprechenden Meldung. Bereits eine Woche zuvor war gleichenorts ein Achtjähriger von einem Mann zum Mitfahren eingeladen worden.

Unterschiedliche Angaben

Mit den beiden jüngsten Vorfällen in Flawil sind in der näheren Umgebung innerhalb von drei Wochen fünfmal Schulkinder von unbekannten Personen angesprochen und zum Mitfahren in einem Auto angehalten worden. Dennoch sagt der Kommunikationschef der Kantonspolizei St. Gallen, Hanspeter Krüsi: «Für einen Zusammenhang zwischen den Fällen gibt es keinen Hinweis.» Es deute laut polizeilichen Erkenntnissen nichts auf einen regional aktiven Pädophilen hin. «Hätten wir nur ansatzweise einen gegenteiligen Eindruck, würden wir zu 150 Prozent alles in Bewegung setzen, um die Person von der Front wegzubringen. Ein starkes Indiz für einen fehlenden Bezug zwischen den Fällen, bzw. gegen die Präsenz eines Pädophilen, seien u. a. die Aussagen der betroffenen Kinder, die diametral auseinandergingen. Parallelen zwischen den Angaben gebe es nicht einmal bei jenen Ereignissen, die sich in derselben Schulgemeinde abgespielt haben. Als Beispiel nennt Krüsi die erheblich abweichende Beschreibung der Farbe und Grösse des mutmasslichen «Täter»-Fahrzeugs. Vorsicht sei geboten, denn Garantien gebe es keine – Hysterie sei jedoch fehl am Platz.

Verhalten der Erwachsenen

Ausgelöst durch die Berichterstattung über den Fall Niederwil hat sich Verunsicherung breit gemacht. Darin sind sich der Flawiler Schulpräsident Christoph Ackermann und Kapo-Kommunikationschef Hanspeter Krüsi einig. Die Gefahren und Verhaltensregeln auf dem Schulweg seien in Schulen und Familien diskutiert, die Kinder dadurch wunschgemäss sensibilisiert, aber auch in deren Wahrnehmung von Situationen und Begebenheiten beeinflusst worden. Deshalb nimmt Hanspeter Krüsi explizit die Erwachsenen in die Verantwortung. «Früher», bringt er es auf den Punkt, «war es kein Problem, ein Kind nach einer Adresse zu fragen oder im Umfeld einer Schule wartend den Schulschluss- oder Pausenbetrieb zu beobachten.» Heute gehe das einfach nicht mehr: «Mann gerät sehr schnell in Verdacht, pädophil zu sein.» Dessen, sagt Krüsi weiter, müssten sich Erwachsene bewusst sein und ihr Verhalten entsprechend anpassen.