Läuft in unserer Wirtschaft und Gesellschaft etwas schief? Gibt es keine Moral mehr? Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Wirtschaft sowie der Präsident der politischen Vereinigung «Regio Wil» nehmen Stellung.
Dieter Schenk, Präsident Arbeitgebervereinigung Wil
Unredlichkeit darf nicht gesellschaftsfähig werden. Es braucht den geschärften Blick jedes einzelnen. Arbeitgeber sind gefordert, die eigenen Strategien und Entscheidungen zu überdenken. Denn die Wirtschaft hat eine ethische und moralische Verantwortung. Die Unternehmensziele sind auf diese Werte einzustellen.
Marcel Bauer, Präsident
AGV Uzwil & Umgebung
Mahatma Gandhis Festhalten an der Wahrheit ist beispielhaft. In meinem Büro hängen die sieben Todsünden: kein Reichtum ohne Arbeit; kein Genuss ohne Gewissen; kein Wissen ohne Charakter; kein Geschäft ohne Moral; keine Wissenschaft ohne Menschlichkeit; keine Politik ohne Prinzipien und keine Religion ohne Opfer.
Myrta Klarer, Präsidentin Wirtschaftsraum Südthurgau
Moralische Werte sind verloren- gegangen. In Wirtschaft und Gesellschaft werden Rücksicht und Achtung dem anderen gegenüber immer bedeutungsloser. Ein gewisser Gigantismus und enorme Gewinnmaximierung sind heute Attribute des Erfolgs. Dabei wird der Mensch gern übersehen. Wirtschaftsführer und Politiker sind oft ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt, nicht selten unterstützt durch die Medien. Ein florierender Staat ist aber dringend auf diese Leute angewiesen. Für eine allgemeine Verbesserung unserer Gesellschaft setze ich auf Junge, sei es als Unternehmerinnen oder Politiker. Viele haben erkannt, dass Dankbarkeit gegenüber unserem Land und Respekt vor dem Erreichten angebracht sind.
Christoph Häne, Präsident
Regio Wil
Der Begriff «Redlichkeit» kann je nach Sichtweise interpretiert werden. Redlichkeit hat sehr viel mit Ehrlichkeit zu tun. Wer sich ehrlich darum bemüht, dass es unserer gesamten Region und damit auch ihren Gemeinden gutgeht, handelt redlich, weil er versucht, im Gesamtinteresse zu handeln. Das fällt uns in der heutigen Zeit zunehmend schwer und ist vielleicht auch menschlich. Eigennutz ist leider allzu oft zum Massstab des eigenen Handelns geworden. Redlichkeit ist ein Anspruch, der Gemeinden, Politiker und Bürgerschaft gleichermassen trifft. Handlungen, die nicht auf Werten wie Respekt, Menschlichkeit, Nachhaltigkeit bauen, widersprechen dem Gesamtinteresse und sind darum nicht redlich.
Erica Brändle, Präsidentin BPW Region Wil
Welt- und Staatswirtschaft, lokale Wirtschaft, die Wirtschaft der Gesellschaft, Sozial- und Umweltaspekte inbegriffen, verzeichnen aktuell Ungewissheit und Instabilität. Davon zeugen Finanzdesaster, Zusammenbrüche prominenter Gesellschaften und Regierungen sowie zahlreiche soziale Aufstände. Geschäftsfrauen in der lokalen, nationalen und globalen Wirtschaft setzen sich täglich für Gleichheit ein. Am Beispiel «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» lässt sich Redlichkeit evaluieren. Obwohl hierzulande gesetzlich zugesichert, existiert diese Gleichheit leider nicht real! Redlichkeit bedeutet, sich ans Gesetz zu halten, und wäre in diesem Fall eine gewinnbringende Investition in die Zukunft von uns allen.
Fredi Tobler, Präsident
HIF Flawil
Der Umgang von Unternehmen im regionalen Umfeld ist nach wie vor mehrheitlich von Fairness geprägt. Eine Verrohung der Sitten und ein Trend zur Durchsetzung der Macht des Stärkeren ist aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im internationalen Umfeld allerdings nicht zu verleugnen.
Martin Model, Präsident
AGV Südthurgau
Die Schlagzeilen sind nicht Zeichen einer negativen Entwicklung, sondern Resultat vermehrter Transparenz auch dank der neuen Medien. Der globale Wettbewerb zwingt zu Effizienz und Redlichkeit. Viele Schweizer Unternehmen sind gerade dank ihrer Zuverlässigkeit und Redlichkeit international erfolgreich.