Kein bisschen verstaubt: Wie Seniorinnen und Senioren in Jonschwil und Schwarzenbach ihren Lebensabend aktiv gestalten

Die Interessengemeinschaft Aktives Alter Jonschwil-Schwarzenbach feiert ihr fünfjähriges Bestehen.

Tobias Söldi
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Drei Mitglieder der 14-köpfigen Kerngruppe der Interessengemeinschaft Aktives Alter von links: Kurt Köchli, Theres Germann und Paul Germann.

Drei Mitglieder der 14-köpfigen Kerngruppe der Interessengemeinschaft Aktives Alter von links: Kurt Köchli, Theres Germann und Paul Germann.

Bild: Tobias Söldi

Das Haar ist schlohweiss, der Gang nicht mehr ganz so schwungvoll wie in früheren Jahren, die Altersflecken werden nicht weniger. Aber aktiv, motiviert und interessiert sind sie noch immer: Die Rede ist von Kurt Köchli, 74, Theres Germann, 72, und Paul Germann, 74.

Alle drei sind Mitglieder in der Kerngruppe der Interessengemeinschaft Aktives Alter (IGAA) Jonschwil-Schwarzenbach, die sich mit ihren Projekten für die Belange der über 60-Jährigen einsetzt. Köchli, der zusammen mit Theres Germann zu den Gründungsmitgliedern der IGAA gehört, begründet sein Engagement:

«Ich wollte mitgestalten, statt gestaltet zu werden.»

Die Anfänge gehen auf das Jahr 2015 zurück. Die IG ist damals im Rahmen des kantonalen Projektes VIA zum Thema «Gesundheit im Alter» – Jonschwil war eine von drei beteiligten Pilotgemeinden – ins Leben gerufen worden. Das Ziel der IG, damals wie heute: Seniorinnen und Senioren dabei zu helfen, ihr Älterwerden aktiv, selbstbestimmt und selbstbewusst gestalten.

Dafür hat die IG über die Jahre ein umfangreiches Angebot auf die Beine gestellt, das vom Literaturkreis über Wanderungen und Radtouren bis zu Englischkursen für ältere Semester reicht. Angebote, die es ohne die IG in der Gemeinde nicht gäbe, wie Theres Germann anmerkt. «Das bestehende Angebot wollten wir nie konkurrenzieren.»

Kontinuierlich gewachsen

Denn die IG sieht sich ebenso als Plattform zum Austausch und zur Vernetzung. Auf ihrer Website trägt sie weitere Angebote in der Gemeinde und der Umgebung zusammen, die auf ältere Menschen ausgerichtet sind. Einer der Gedanken dahinter: Je älter ein Mensch wird, desto kleiner sein Aktionsradius, desto wichtiger die sozialen Kontakte in der nächsten Umgebung. Köchli erklärt:

«Es geht uns auch darum, dass sich ältere Leute in der Gemeinde vernetzen können.»

Das Projekt ist auf Anklang gestossen. «Die IGAA ist in Sachen Teilnehmerzahl, Angebot und Engagement kontinuierlich gewachsen», sagt Theres Germann. So habe man allein im vergangenen Jahr, über alle Projekte gesehen, gegen 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnet, sagt sie. Das Angebot sei dabei von etwa fünf Projekten im ersten Jahr auf heute 17 angewachsen, der Newsletter werde mittlerweile an über 100 Adressen verschickt.

Dahinter steckt viel Arbeit: Etwa 2640 Stunden Freiwilligenarbeit leisteten die Mitglieder der Kerngruppe und die Helfenden im vergangenen Jahr. Grund genug zum Feiern: Am Mittwoch, 11. März, lädt die IG zum Fünf-Jahr-Jubiläum mit Kliby und Caroline – vorausgesetzt, die weitere Entwicklung des Corona-Virus macht dem Anlass keinen Strich durch die Rechnung.

Ein Angebot von Senioren für Senioren

Was ist das Erfolgsrezept der IG? Für Theres Germann ist die Antwort klar: die Breite des Angebotes («Ältere Menschen sind keine homogene Gruppe»), dessen altersspezifische Ausrichtung und die Unverbindlichkeit. Interessierte können, von den Kursen abgesehen, spontan und auch einmalig die Angebote der IG wahrnehmen. Vor allem aber biete die IG Veranstaltungen, die von älteren Menschen für ältere Menschen organisiert worden seien. Geschätzt werde beispielsweise, dass die Angebote alle tagsüber stattfinden. Germann:

«Wir kennen ihre Bedürfnisse und wissen, worauf wir achten müssen.»

Trotzdem hat auch die IG mit Herausforderungen zu kämpfen. Wie in vielen Vereinen braucht es Überzeugungsarbeit, um Leute zum Mitmachen zu motivieren. «Einige sind stark in die Betreuung ihrer Enkel involviert oder wollen sich nicht verpflichten», sagt Paul Germann. Köchli kann es verstehen:

«Viele haben an die Pensionierung die Erwartung, frei zu sein, zu machen, was einem Freude bereitet und nicht mehr fremdbestimmt zu sein.»

Das musikalische Angebot ausbauen

Doch genau das soll in der IG möglich sein. Die Mitglieder der 14-köpfigen Kerngruppe arbeiten im Ressortsystem, das heisst, sie engagieren sich dort, wo auch ihre persönlichen Interessen liegen. Mit einer der Gründe, dass es der IG bisher immer gelungen ist, neue Mitglieder für die Kerngruppe zu finden, sind die drei überzeugt.

Und neue Mitglieder bringen mit ihren Vorlieben auch neue Inputs: So plant die IG etwa, ihr musikalisches Angebot auszubauen.

Hinweis: Jubiläumsfeier am Mittwoch, 11. März, Pfarreiheim Jonschwil, Türöffnung 13.30 Uhr, Start 14 Uhr. Infos über die Durchführung: www.aktivesalterjonschwil.ch.