Kein Ansturm auf grüne Parteien

Sowohl in Basel als auch in Zürich haben die Grünen – vielleicht auch dank des Japan-Effekts – den Einzug in die Regierung geschafft. In der Region Wil profitieren die grünen Parteien allerdings wenig von der aktuellen Atom-Diskussion.

Natalie Brägger
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Region. Nach den Katastrophen in Japan, deren genaue Ausmasse noch immer unklar sind, ist das Thema Atomstrom – beziehungsweise der Ausstieg – in aller Munde. So tragisch die Katastrophe auch ist, die grünen Parteien in der Schweiz konnten bei den Wahlen in Baselland und Zürich wohl von diesem Unglück und der darauf folgenden Diskussion profitieren. In beiden Kantonen wurde ein Grüner in die Kantonsregierung gewählt.

Regional wenig spürbar

In der Region Wil spüren die Grünen allerdings noch wenig vom viel diskutierten Japan-Effekt auf die Mitgliederzahlen. «Auf Kantonsebene ist der Effekt spürbar», weiss Arnold Schaltegger, Präsident der Grünen Wil-Land. In der Regionalpartei habe man aber noch nichts Konkretes wahrgenommen. Genau die gleiche Aussage macht Isabella Stäheli, Präsidentin der Grünen des Bezirks Münchwilen. «Bei der Kantonalpartei haben sich schon Interessenten gemeldet», weiss sie. Sie fände es «schön», wenn der Effekt eine positive Auswirkung auf ihre Partei hätte. Auch Daniel Schläpfer, Ansprechperson der Grünen Prowil, kann kein merkbares Ansteigen von Mitgliedschafts-Anfragen in seiner Partei vermelden. «Um Zahlen zu nennen, ist es jedoch zu früh», betont der Wiler.

Parteien reagieren nicht

Während die Grüne Partei Schweiz anlässlich der aktuellen Diskussion sofort eine Initiative für den Ausstieg aus der Atomenergie startete, bleiben die Regionalparteien ruhig. «Wir finden es nicht angebracht, aus den Ereignissen auf lokaler Ebene aktiv kurzfristiges politisches Kapital zu schlagen», kommentiert Daniel Schläpfer die Situation. Auch die Grünen Wil-Land haben auf die Ereignisse nicht mit speziellen Aktionen reagiert. «Es ist gut, dass die Leute jetzt über das Thema reden», begnügt sich Arnold Schaltegger. Er glaubt, dass die Diskussion um die Atomenergie schnell wieder abflaut. «Viele sind einfach nicht bereit, zu verzichten», zeigt sich Schaltegger wenig optimistisch. Isabella Stäheli glaubt hingegen, dass sich der Effekt bei den Wahlen im Herbst zeigen wird. «Die Leute sind jetzt auf dieses Thema sensibilisiert», ist sie überzeugt, «ich hoffe, dass diese Sensibilität langfristig erhalten bleibt.»

Auch Grünliberale nicht

Ähnlich wie den Grünen ergeht es auch den Grünliberalen des Wahlkreises Wil. Auch sie haben nach der Katastrophe in Japan noch keine zusätzlichen Anfragen erhalten. Präsident Daniel Gerber glaubt aber auch nicht, dass der Erfolg der GLP bei den Zürcher Wahlen – die Partei eroberte neun neue Kantonsratssitze – nur dem Japan-Effekt zuzuschreiben ist. «Die GLP ist einfach gesucht», ist er überzeugt. Aus der aktuellen Situation kurzfristig Kapital zu schlagen, hält er für den falschen Weg: «Langsames Wachstum mit Qualität ist sinnvoller als ein kurzer Boom.» So hat die Wiler GLP-Kreispartei denn auch nicht kurzfristig spezielle Aktionen geplant. «Wir behalten das Thema aber sicher im Auge», so Gerber. Ebenfalls noch nicht entschieden, wie sie den Boom genau nutzen will, hat die Grünliberale Partei des Bezirks Münchwilen. Das Thema werde an der nächsten Vorstandssitzung aber sicherlich behandelt, sagt Präsident Marcel Künzler. Im Gegensatz zu seinem Kollegen spürt er den Japan-Effekt in seiner Partei: «Mehr Mitglieder haben wir konkret noch nicht deswegen, aber sehr viele Sympathisanten.» Die GLP setze sich schon seit Langem für den Atomausstieg und die Förderung von Alternativenergien ein. «Es scheint, als würde unsere Arbeit erst jetzt von den Bürgern bemerkt», sagt Künzler. Ob den Stimmbürgern die Grüne oder auch Grünliberale Partei in ein paar Monaten noch immer präsent ist, wird sich an den Parlamentswahlen im Oktober zeigen.

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