Kein Angriff auf CVP-Hochburg: Noch niemand meldet Ambitionen aufs Wiler Stadtpräsidium an

Womöglich muss 2020 das Stadtpräsidium in Wil neu besetzt werden. Potenzielle Nachfolger sind noch keine in Sicht.

Gianni Amstutz
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Das Büro der Stadtpräsidentin im Wiler Rathaus ist seit Jahrzehnten in Händen der CVP.

Das Büro der Stadtpräsidentin im Wiler Rathaus ist seit Jahrzehnten in Händen der CVP.

Bild: Gianni Amstutz

Mit der offiziellen Nomination von Stadtpräsidentin Susanne Hartmann als Kandidatin für die Regierungsratswahlen durch die Delegierten der CVP St.Gallen erhält die Erneuerungswahl des Wiler Stadtrats im September 2020 eine neue Brisanz. Wird Hartmann in die Regierung gewählt, gilt es das Stadtpräsidium neu zu besetzen.

Die CVP will dieses verteidigen, das wurde bereits an der Nomination von Susanne Hartmann am Donnerstag im Hof zu Wil deutlich. Franklin Munishi, Präsident der CVP Wil, bestätigte dies auf Anfrage. Die Suche nach potenziellen Kandidaten werde zeitnah beginnen.

Dass die CVP den Anspruch stellt, weiterhin das Stadtpräsidium zu besetzen, kommt nicht unerwartet. Schliesslich gilt Wil seit jeher als CVP-Hochburg. Seit Jahrzehnten ist das Stadtpräsidium in der Hand der Christdemokraten. Zudem stellt die Partei mit zehn Sitzen immer noch die grösste Fraktion im Stadtparlament.

Stadträte wollen ihren Hut noch nicht in Ring werfen

Wenn Hartmann in die Kantonsregierung gewählt wird, heisst dies, dass die CVP mit einem neuen Kandidaten antritt. Denn neben Hartmann sitzt kein weiteres CVP-Mitglied in der Wiler Stadtregierung. Vom Bisherigen-Bonus könnte ein CVP-Kandidat also nicht profitieren.

Diesen hätten allerdings die vier aktuellen Stadträte. Daniel Meili (FDP), Daniel Stutz (Grüne Prowil), Dario Sulzer (SP) und Jutta Röösli (parteilos) halten sich auf Anfrage jedoch vornehm zurück. Niemand will zu diesem Zeitpunkt seinen Hut in den Ring werfen. Der Tenor: Die Frage nach einer möglichen Nachfolge fürs Stadtpräsidium stelle sich noch nicht. Erst bei einer allfälligen Wahl von Susanne Hartmann in die St.Galler Regierung werde das Thema aktuell.

SP-Stadtrat Dario Sulzer verzichtet deshalb auf eine Stellungnahme. Auch die parteilose Jutta Röösli gibt sich kurz angebunden: «Eine Kandidatur für das Stadtpräsidium habe ich bis heute nicht in Betracht gezogen», sagt sie. Daniel Stutz von den Grünen Prowil äussert sich ähnlich zurückhaltend:

«Die Frage stellt sich, wenn überhaupt, erst nach den Regierungsratswahlen.»

Bleibt noch ein Stadtrat übrig: Daniel Meili von der FDP. Er kandidierte bereits einmal fürs Stadtpräsidium, zog sich 2012 nach dem ersten Wahlgang jedoch zurück. Meili bekleidet zudem das Amt des Vize-Stadtpräsidenten. Will er nun – acht Jahre später – einen zweiten Anlauf nehmen?

Vorerst hält auch Daniel Meili sich zurück. Zwar attestiert er Susanne Hartmann «intakte Wahlchancen» bei den Regierungsratswahlen, sagt aber im gleichen Atemzug:

«Bis zu einer allfälligen Wahl beziehungsweise bis zum Amtsantritt ist Susanne Hartmann Stadtpräsidentin der Stadt Wil.»

Der Fokus liege für ihn daher weiterhin auf den aktuellen politischen Geschäften und nicht auf Spekulationen um eine mögliche Nachfolge für das Stadtpräsidium. «Ich habe mir darüber definitiv noch keine fundierten Gedanken gemacht.»

SVP will Frage an Vorstandssitzung klären

Die SVP ist bisher nicht in der Exekutive vertreten – und das als zweitgrösste Fraktion des Stadtparlaments. Bereits im Februar hat sie an der Hauptversammlung angekündigt, eine Kandidatur für den Stadtrat stellen zu wollen. Nimmt sie unter den neuen Vorzeichen allenfalls gar das Stadtpräsidium ins Visier? Diese Frage sei noch nicht thematisiert worden, werde aber an der nächsten Vorstandssitzung der Partei behandelt, sagt Fraktionspräsident Benjamin Büsser.