Kaum auf den Zahn gefühlt

Die Ganterschwiler Kantonsrätin Imelda Stadler möchte Gemeindepräsidentin von Lütisburg werden. Am Montagabend stellte sie sich der Bevölkerung vor. Die Findungskommission erläuterte ihre Vorgehensweise bei der Kandidatensuche.

Albert Büchi
Drucken
Teilen
Imelda Stadler konnte sich bei der Vorstellung in Lütisburg nicht über mangelndes Publikumsinteresse beklagen. (Bild: alb.)

Imelda Stadler konnte sich bei der Vorstellung in Lütisburg nicht über mangelndes Publikumsinteresse beklagen. (Bild: alb.)

lütisburg. In der vordersten Reihe blieben ein paar Stühle frei, dafür wurde hinten die Sitzkapazität erweitert. «Wir sind offensichtlich ein Publikumsrenner», freute sich Martin Zuber von der Findungskommission Gemeindepräsidium über den Publikumsaufmarsch im Mehrzweckgebäude. Das Interesse galt vor allem jener Frau, die von der Kommission als Nachfolgerin des zurücktretenden Gemeindepräsidenten Hans-Peter Eisenring vorgeschlagen wird.

Imelda Stadler wurde von den sechs Kommissionsmitgliedern einstimmig aus einer stattlichen Anzahl Bewerbungen ausgesucht.

Bevor sich die Kandidatin selber vorstellte, schilderte Martin Zuber ausführlich, wie die Findungskommission bei der Auswahl vorgegangen war. Gebildet wurde sie Anfang November auf Geheiss der Ortsparteien. «Ziel war ursprünglich, den Wahltermin auf den 7. März anzusetzen, da dies sowieso ein Abstimmungssonntag ist», erklärte Zuber. Dieses Zeitfenster erwies sich aber bald als zu knapp, und man entschied sich mit dem 21.

März für einen Termin, an dem keine anderen Wahlen stattfinden.

Ausgeklügeltes System

In Zusammenarbeit mit Gemeinderatsschreiber Andreas Breitenmoser wurde ein ausgeklügeltes System entwickelt, um Kandidierende zu beurteilen. Die eingegangenen Bewerbungen wurden von den Kommissionsmitgliedern einzeln bewertet. «Es herrschte grosse Übereinstimmung», berichtete Zuber. Drei Bewerber schafften es in die «Endrunde» und wurden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Dabei wurde ihnen ein Thema vorgegeben, über das sie ein Kurzreferat halten mussten.

Imelda Stadler erhielt zwar nicht in allen Auswahlkriterien die besten Noten, erzielte aber gesamthaft gesehen das beste Resultat und wurde von der Findungskommission nominiert. Die Reaktionen nach Bekanntgabe der Nominierung seien mehrheitlich positiv gewesen, sagte Zuber.

Natürlich habe es auch eher negative Aussagen gegeben, wie etwa «Seid ihr wahnsinnig? Eine Frau!» Auch das von Stadler angestrebte 50-Prozent-Pensum werde angezweifelt. Zuber hielt aber fest: «Wir stehen heute mit der genau gleichen Überzeugung hinter dem Vorschlag wie am 25. Januar.» Die anderen fünf Kommissionsmitglieder pflichteten ihm in ihren persönlichen Aussagen bei.

In der Fragerunde wollte ein Besucher wissen, ob es nicht normal wäre, mehrere Kandidaten vorzustellen. Martin Zuber erwiderte, der Auftrag der Ortsparteien hätte gelautet, eine Person zu nominieren. Zudem liess der Leiter der Findungskommission durchblicken, dass es eine zweite Kandidatur gebe. Die Frist läuft noch bis Freitag, 12. Februar.

Waschechte Toggenburgerin

Mit Seitenblick auf die unerfreuliche Situation im Gemeinderat Lütisburg gab Imelda Stadler ihrer Hoffnung Ausdruck,

dass der Rat bald wieder vollständig sei: «Ich bin mir bewusst, dass dieses Amt keine leichte Sache ist.»

Sie pries ihre Führungsqualitäten an, beschrieb sich als teamorientiert und kommunikativ. Sie wisse auch, wie man sich auf politischem Parkett bewegt, und nicht zuletzt: «Mit Leib und Seele bin ich eine waschechte Toggenburgerin.» Imelda Stadler versprach, die Bevölkerung in ihre Entscheidungen einzubeziehen.

Sie gestand, dass sie gerne Kleider mit Tupfen trage, weil sie ein bisschen «ein Tüpflischiisser» sei. Das bedeute aber auch, dass sie gerne exakt arbeite. Der hoffentlich fairen Wahl schaue sie «sportlich» entgegen.

Die Lütisburger hatten nun Gelegenheit, der Kandidatin Fragen zu stellen. Davon wurde kein Gebrauch gemacht, was Martin Zuber zur Bemerkung verleitete: «Es ist euch scheinbar leichter gefallen, mich zu plagen.»

Aktuelle Nachrichten