Katholischer Frauenbund: Ein starkes Frauennetz, das etwas bewegt

Regula Senn, die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes St. Gallen-Appenzell, forderte die Frauen an der Generalversammlung in Degersheim dazu auf, sich aktiv in das gesellschaftliche und politische Geschehen einzubringen.

Kathrin Meier-Gross
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Das Amt der geistlichen Begleiterin wird von Anna Maria Frei-Braun an Jacqueline Bollhalder (rechts) übergeben. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Das Amt der geistlichen Begleiterin wird von Anna Maria Frei-Braun an Jacqueline Bollhalder (rechts) übergeben. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Gemeindepräsidentin Monika Scherrer sprach aus, was wohl alle 192 Stimmberechtigten dachten, als sie am Samstag die Mehrzweckhalle Steinegg betraten: «Der Saal ist derart ansprechend dekoriert, dass man merkt, dass hier Frauen am Werk waren. Powerfrauen, die sich in Vereinen und Behörden einsetzen.»

Regula Senn

Regula Senn

Eine davon ist die Degersheimerin Regula Senn. Als Quereinsteigerin ist sie 2011 zur Vizepräsidentin des Katholischen Frauenbundes St. Gallen-Appenzell (KFB SGA) gewählt worden, und nur vier Jahre später bereits zur Präsidentin.

Gelebte Solidarität und aktive Frauenförderung

«Der Frauenbund ist ein Ort, wo etwas bewirkt werden kann», sagte Regula Senn und erzählte, schon ihre Mutter und Grossmutter hätten sich in der katholischen Gemeinschaft eingebracht. Offiziell wendet sie für ihr ehrenamtliches Amt als Präsidentin rund 30 Stellenprozente auf. «In einem grossen Netzwerk mitzuarbeiten, ist motivierend. Es ist gelebte Solidarität.»

Ein grosses Anliegen ist dem Verband die Frauenförderung. «Unsere Gesellschaft braucht Frauengemeinschaften. Aber dazu benötigt es auch Frauen, die Verantwortung übernehmen. Wir bieten daher immer wieder Kurse an, die Vereinsführungsmodule beinhalten.» Dem Kantonalverband St. Gallen-Appenzell gehören gut 21'000 Mitglieder in 111 Ortsvereinen an. Jede einzelne Aufhebung einer Frauengemeinschaft schmerze, hält die Präsidentin fest. Aber manchmal entstehe nach einem Tiefpunkt wieder etwas Neues. Erfreulich sei, dass wieder vermehrt junge Frauen mitmachen würden. Entsprechend seien auch die Familienangebote in den Ortsvereinen gewachsen.

Seit 40 Jahren auch im Dienst für Mütter in Not

Eine Herzensangelegenheit ist dem Verband die Beratungsstelle «Mütter in Not», die ihr 40-jähriges Bestehen feiert. «Es sind Geschichten, die Spuren hinterlassen», hatte Regula Senn in ihrer Würdigung zur Arbeit der Sozialarbeiterinnen und dem ehrenamtlichen Einsatz in der Sozialkommission gesagt. Aussergewöhnliche Spuren zeichnete an dieser GV Marianne Rivas: Sie malte Sandbilder, deren Betrachtung Glücksmomente auslöste. «Glücksmomente» lautet auch das Jahresmotto des KFB SGA.

Wachsen und gedeihen

Die Rechnung des KFB SGA schloss mit einem kleinen Gewinn ab und wurde einstimmig genehmigt. Nach acht Jahren im Vorstand tritt Anna Maria Frei-Braun zurück. Als geistliche Begleiterin habe sie an den Tagungen jeweils wertvolle Impulse vermittelt. Zudem sei sie eine geschätzte Verbindung zum Bistum gewesen, hielt die Präsidentin fest. Nachfolgerin ist Jacqueline Bollhalder, Gossau. Die Religionspädagogin freut sich auf das gemeinsame Unterwegssein mit den Frauen. Sonja Manser, Co-Präsidentin der Kommission Vernetzung Regionen, und Christine Spring, Präsidentin der Bildungskommission, machten auf die verschiedenen Veranstaltungen und Kurse aufmerksam. In der Umfrage wurde der Frauenstreiktag vom 14. Juni thematisiert.

Gemeindepräsidentin Monika Scherrer betonte, es brauche eine Solidaritätsbekundung aller Frauen. Im Anschluss stellte Hildegard Aepli das Buch «Ein weiter Weg» vor, welches das Anliegen der Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche beinhaltet. Als Geschenk durften alle Anwesenden einen Gemüsesetzling mitnehmen. «Damit man sieht, wie etwas wächst und gedeiht und daraus weitere Glücksmomente entstehen können», so Regula Senn.