Sonderfall Kathi

Wil künftig ohne das Kathi? Für einige ist das längst überfällig, für andere unvorstellbar. Ein Blick nach Gossau und St. Gallen zeigt, dass andere geschlechtergetrennte Schulen mit der Politik einig geworden sind.

Lara Wüest
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Die Schülerinnen der Mädchensekundarschule St. Katharina am letztjährigen Adventssingen in der Wiler Altstadt. (Bild: PD)

Die Schülerinnen der Mädchensekundarschule St. Katharina am letztjährigen Adventssingen in der Wiler Altstadt. (Bild: PD)

Die Zukunft der Mädchensekundarschule St. Katharina, kurz Kathi, ist zwar noch nicht verloren, aber ungewiss. Gemäss dem Stadtrat ist eine Wiler Oberstufe ohne das Kathi einfacher zu organisieren. Zugleich sieht er ohne die reine Mädchensekundarschule die Chancengleichheit für Mädchen und Knaben besser gewährleistet. Deshalb stellte der Rat einen Antrag an das Parlament, der die Kündigung des Schulvertrages mit der Mädchenschule vorsieht (Ausgabe vom 20. November).

Nun liegt der Ball also beim Parlament. Dem Stiftungsrat Schule St. Katharina bleibt die Hoffnung, dass dieses die Vorlage im kommenden Sommer ablehnt. Bis dahin wird wohl die Frage, ob geschlechtergetrennte Schulen noch zeitgemäss sind und eine Nachfrage nach ihnen besteht, in Wil weiterhin heftig diskutiert werden. Eine Diskussion, die auch andere Städte in der Region interessieren dürfte.

Andere Schulen besser unterstützt

Das Kathi ist nicht die einzige Oberstufenschule im Kanton, an der Mädchen von den Knaben getrennt unterrichtet werden. Auch Gossau verfügt über eine Mädchensekundarschule, die Maitlisek. Seit über 100 Jahren werden dort ausschliesslich Mädchen unterreicht. Und auch die Stadt St. Gallen hat seit 160 Jahren eine geschlechtergetrennte Oberstufe: die Katholische Kantonssekundarschule Flade. Diese Schulen standen in der Vergangenheit vor ähnlichen Herausforderungen wie das Kathi. Doch sie haben etwas, wofür das Kathi seit Jahren kämpft: Die Unterstützung von der Seite der Politik.

Zuerst ein Blick nach Gossau. Die Rechtsform der Maitlisek ist nicht exakt dieselbe wie diejenige des Kathi. Dort leitet ein Verein mit einem Schulrat die Geschicke der Schule und keine Stiftung wie in Wil. Dennoch bestehen viele Parallelen: Auch die Maitlisek vertritt christlich-katholische Werte, steht aber allen Konfessionen offen. Auch sie ist eine Privatschule mit öffentlichem Auftrag. Sie hat eine Leistungsvereinbarung mit der Schule Gossau und der Schulgemeinde Andwil-Arnegg.

Und auch die Maitlisek sah sich vor knapp drei Jahren mit Forderungen der Politik konfrontiert: Der Gossauer Stadtrat verlangte eine bessere Durchmischung bei den Schülerinnen. Die Geschlechtertrennung stand zwar nie zur Debatte, dafür aber das Leistungsniveau. Die Schule sollte auch für Realschülerinnen zugänglich werden. Eine solche Öffnung war der Stadt ein Anliegen, weil dadurch auch die öffentliche Oberstufe wieder homogener werden sollte.

Im Gegenzug wollten die Stadt Gossau und die Schulgemeinde Andwil-Arnegg künftig die effektiven Kosten der Schülerinnen der Maitlisek übernehmen und nicht mehr pauschal pro Schülerin abrechnen. Für die Schule ein annehmbares Angebot, die neue Leistungsvereinbarung kam zustande. Ab nächsten Sommer werden dort nun erstmals auch Realschülerinnen unterrichtet.

«Maitlisek war immer akzeptiert»

Dieser neuen Vereinbarung ging eine lange politische Diskussion von über zwei Jahren voraus. Die Zukunft der Privatschule war jedoch nie ungewiss: «Die Frage war eher, wie viel die Stadt an die Schule bezahlt, aber nie, ob die Schule fortbestehen wird», sagt Birgit Berger-Cantieni, Schulratspräsidentin der Mädchensekundarschule. Den Grund dafür sieht die Schulratspräsidentin in der guten Zusammenarbeit mit den anderen Schulräten und dem Stadtrat. «Zwischen uns bestand immer eine sehr gute Gesprächskultur. Unsere Schule war immer akzeptiert», sagt Birgit Berger-Cantieni.

Flade hat andere Rechtsform

Anders war es bei der Flade in St. Gallen. «Wir mussten zittern», sagt die Schulratspräsidentin Margrit Stadler-Egli. Der Hintergrund: Im Rahmen des Sparprogramms strich der Kanton St. Gallen seine Beiträge an die Schule. Die Stadt erklärte sich daraufhin bereit, die Finanzierung zu übernehmen – bis Mitte 2019. Wie es danach weitergehen sollte, war lange ungewiss, die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Träger der Schule, dem katholischen Konfessionsteil, gestalteten sich zäh. Schliesslich konnte aber eine Einigung erzielt werden, die Stadt erklärte sich bereit, die städtischen Schüler unbefristet zu finanzieren. Im Gegenzug muss die Flade ab 2019 auch städtische Schüler mit anderen Konfessionen und Realschüler aufnehmen.

Das Kathi und die Flade unterscheiden sich in zwei wichtigen Punkten: Zum einen führt die Schule in St. Gallen auch eine Knabenschule. «Die Chancenungleichheit zwischen den Geschlechtern war bei uns nie ein Thema», sagt Stadler-Egli. Zum anderen ist die Flade eine öffentliche Schule, mit dazugehörigen Rechten und Pflichten. «Letzten Endes konnten wir die Finanzierung mit einem Rechtsgutachten klären.»