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Kathi-Frage: Die Schulleiter der öffentlichen Wiler Oberstufen äussern sich erstmals

Während sich die Verantwortlichen des Kathi mehrfach zum Entscheid in der Oberstufenfrage geäussert haben, war von den öffentlichen Schulen bisher nichts zu hören. Die Kommunikation läuft über den Stadtrat. Eine Meinung haben die Schulleiter aber allemal.
Gianni Amstutz
Sie sind sich einig, wie die Zukunft der Wiler Oberstufe aussehen soll: Von links Marco Büchli, Schulleiter Oberstufe Bronschhofen, Stadträtin Jutta Rössli, Vorsteherin des Departements für Bildung und Sport, Cäsar Camenzind, Schulleiter Oberstufe Sonnenhof, und Mathias Schlegel, Schulleiter Oberstufe Lindenhof. (Bild: Gianni Amstutz)

Sie sind sich einig, wie die Zukunft der Wiler Oberstufe aussehen soll: Von links Marco Büchli, Schulleiter Oberstufe Bronschhofen, Stadträtin Jutta Rössli, Vorsteherin des Departements für Bildung und Sport, Cäsar Camenzind, Schulleiter Oberstufe Sonnenhof, und Mathias Schlegel, Schulleiter Oberstufe Lindenhof. (Bild: Gianni Amstutz)

Eine Oberstufe mit oder ohne Kathi: Diese Frage beschäftigt Wil. Spätestens seit der Stadtrat Anfang November vergangenen Jahres bekanntgegeben hat, dass er sich für das Modell D ausspricht, bei welchem die Mädchensekundarschule St. Katharina in den Plänen der Stadt keine Rolle mehr spielt.

Seither wurde das Thema heiss diskutiert. Der Stadtrat aber auch der Stiftungsrat sowie die Schulleitung des Kathis äusserten sich verschiedentlich. Geschwiegen haben bisher aber die Schulleiter der öffentlichen Oberstufen der Stadt Wil. Und das hat durchaus seine Gründe: «Die Kommunikation läuft über den Stadtrat», erklärt Stadträtin Jutta Röösli, Vorsteherin des Departements für Bildung und Sport (BS). In erster Linie sei es eine politische Frage, weshalb auch die politisch Verantwortlichen die Kommunikation gestalten müssten.

Kein Grund für eigene Stellungnahmen

Das sehen auch die drei Schulleiter der öffentlichen Oberstufen so. Caesar Camenzind, Schulleiter der Oberstufe Sonnenhof, sagt: «Für uns gab es schlicht keinen Grund, uns in die Debatte einzuschalten.» Dies nicht zuletzt deshalb – das wird beim Gespräch deutlich –, weil die drei Schulleiter hinter dem Entscheid des Stadtrats stehen, auf drei öffentliche Oberstufen zu setzen.

Marco Büchli, Schulleiter der Oberstufe Bronschhofen, sagt: «Ich finde es korrekt, dass sich zum aktuellen Zeitpunkt seitens der Stadt nur der Stadtrat zur Oberstufenfrage äussert.» Dies unterstütze eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema und verhindere, dass die Debatte auf eine emotionale Ebene abgleite. Mathias Schlegel, Schulleiter der Oberstufe Lindenhof, sieht auch die Medien in der Verantwortung, die Debatte in einem ohnehin schon sensiblen Thema nicht zusätzlich unnötig anzuheizen.

Stadträtin Jutta Röösli liegt ebenfalls viel an einer sachlichen Diskussion. Zwar sei die Kathi-Frage in Wil seit jeher eine emotional aufgeladene Thematik, es liege jedoch in der Verantwortung des Stadtrats, die Debatte mit handfesten Argumenten zu führen. Deshalb habe der Stadtrat beschlossen, die Frage der seedukativen (geschlechtergetrennten) und koedukativen (geschlechterdurchmischten) Beschulung nicht in den Vordergrund zu stellen.

Stattdessen setzte er auf harte Fakten. Kostengünstiger, organisatorisch einfacher sowie mit weniger wirtschaftlichen und raumplanerischen Risiken verbunden, lauteten die Hauptargumente, die für das Oberstufenmodell D ohne Kathi sprechen. An einer Diskussion über Seedukation und Koedukation führt in der Debatte über das richtige Oberstufenmodell für die Stadt Wil aber kein Weg vorbei. Auch weil der Stiftungsrat und die Schulleitung des Kathi darin einen wesentlichen Vorteil für den Schulstandort Wil sehen. Stichwort: vielfältiges Angebot.

Pädagogische Aspekte spielen wichtige Rolle

«Auf eine Grundsatzdiskussion wollten wir uns nicht einlassen», sagt Jutta Röösli. Wie in verschiedenen Professionen gibt es unterschiedliche Meinungen auch unter den Pädagoginnen und Pä­dagogen zu Themenbereichen, dies auch zur koedukativen und seedukativen Beschulung. Eingeflossen ist die Frage nach der Geschlechtertrennung und damit verbundenen Auswirkungen dennoch.

Pädagogische Aspekte hätten eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung der Modelle gespielt. So beispielsweise die Frage, wie die Schulen der Stadt dem Volksschulauftrag am besten nachkommen könnten. Ebendieser Volksschulgedanke würde bei getrennten Mädchen- und Knabenklassen tangiert werden.

«Der Stadtrat ist unter Berücksichtigung aller Faktoren überzeugt, mit dem Modell D die richtige Wahl getroffen zu haben.»

Gerade das Parlament habe in verschiedenen anderen Debatten immer wieder betont, der Stadtrat solle sorgfältig und haushälterisch mit seinen Mitteln umgehen, keine unnötigen Risiken eingehen und den Auftrag gut erfüllen. Alle diese Punkte hätten letztlich für den Entscheid mit drei öffentlichen Oberstufen gesprochen, erklärt die BS-Vorsteherin.

Einigkeit unter den Schulleitern

Die Schulleiter der öffentlichen Schulen sehen in einer geschlechtergetrennten Beschulung aus pädagogischer Sicht denn auch keine Vorteile. Für die Erarbeitung gewisser Themen oder während einzelner Lektionen könne dies zwar sinnvoll sein, finden Marco Büchli und Mathias Schlegel. Grundsätzlich sei das Konzept jedoch veraltet. «Die Gegebenheiten haben sich seit der Gründung des Kathi massgeblich verändert.» Mit einer langjährigen Tradition zu argumentieren, sei deshalb fragwürdig.

Marco Büchli, der erst seit August des vergangenen Jahres als Schulleiter in Bronschhofen amtet, sagt, dass die Diskussion über Seedukation und Koedukation in der Pädagogik eigentlich abgeschlossen sei. Vielmehr gelte es, mit der Heterogenität innerhalb der Klassen auf pädagogisch angemessene Weise umzugehen. «Es ist wichtig, dass sich junge Menschen mit den in der Gesellschaft vorhandenen Unterschieden auseinandersetzen und den Umgang damit lernen. Sie sollen gemeinsam unterschiedliche Verhaltensmuster und Problemlösestrategien kennenlernen.»

Gleicher Ansicht ist Caesar Camenzind. «Wir stehen zu einhundert Prozent hinter dem Entscheid des Stadtrats.» Wenn man die Situation mit etwas Distanz betrachte, sei dem Stadtrat gar nichts anderes übrig geblieben, als sich für drei öffentliche Oberstufen auszusprechen. Nur so könne dem Volksschulgedanken Rechnung getragen werden. Er hoffe, dass dies in der Debatte der Öffentlichkeit noch mehr bewusst werde.

Konzentration auf den Schulalltag

Die Meinung der drei Schulleiter fällt also deutlich zu Gunsten des stadträtlichen Entscheids aus. Doch wie gehen die Lehrerteams der Schulhäuser mit der unsicheren Entwicklung der städtischen Oberstufen um? Besonders betroffen vom Entscheid ist die Oberstufe Sonnenhof. Ihre Zukunft wäre bei einer Annahme des Modells D gesichert. Wird das Modell hingegen verworfen, ist der weitere Verlauf völlig offen.

Möglich wäre dann auch, dass der Stadtrat das Modell B ohne Oberstufe Sonnenhof zur Wahl stellt. «Wir haben den Entscheid im Team natürlich thematisiert, konzentrieren uns aber darauf, unseren Bildungsauftrag zu erfüllen», sagt Caesar Camenzind. Verunsichern lasse man sich nicht. Bei den anderen Oberstufen kann man dem Entscheid des Parlaments entspannter entgegenblicken. Zumindest auf die Schülerzahlen hätte der Modellentscheid weder für die Oberstufe Bronschhofen noch für den Lindenhof negative Auswirkungen. Trotzdem bevorzuge die Lehrerschaft der Schulen ebenfalls den Stadtratsentscheid. Vor allem Lehrer, die nicht aus Wil kämen, stellten sich die Frage gar nicht, sagt Mathias Schlegel. «Für sie ist es eigentlich klar, dass die Stadt auf drei öffentliche Oberstufen setzen sollte.»

«Eine gewisse Verunsicherung ist spürbar»

Angesprochen darauf, wie sich der Entscheid des Wiler Stadtrats, nicht mehr auf die Mädchensekundarschule St. Katharina zu setzen, auf den Alltag und die Stimmung auswirke, sagt Schulleiterin Corinne Alder augenzwinkernd: «Es ist nicht so, dass wir alle panisch schreiend durch die Gänge laufen.» Die Schulpolitik und die damit verbundene Frage, ob das Kathi weiter bestehen soll, beschäftige bereits seit mehreren Jahrzehnten. Lehrerschaft, Schulleitung und Stiftungsrat hätten sich inzwischen fast schon daran gewöhnt.

Kathi-Schulleiterin Corinne Alder

Kathi-Schulleiterin Corinne Alder

Trotzdem sei eine gewisse Verunsicherung angesichts der Situation nicht zu leugnen. «Der Druck ist spürbar», sagt die Schulleiterin. Für alle Beteiligten beanspruche die Situation zudem unnötigerweise viel Energie. «Wir informieren das Team regelmässig über den aktuellen Stand», sagt Alder. Gleichzeitig versuche man aber auch, die Lehrkräfte nicht zu oft mit dem Thema zu konfrontieren. Schliesslich sollten sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Zurzeit könne ohnehin nicht viel bewirkt werden. Es gelte, erst einmal die Entscheidung des Stadtparlaments abzuwarten. (gia)

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