KATHI: «Der Entscheid ist ein politischer»

Der Lenkungsausschuss des Projekts «Schule 2020» hat entschieden, die politische Begleitgruppe bei der Frage nach der künftigen Ausrichtung der Mädchenschule St. Katharina einzubeziehen.

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Im Rahmen des Projekts «Schule 2020» soll geklärt werden, in welcher Form das Kathi Bestandteil der Wiler Schulen sein soll. (Bild: Philipp Haag)

Im Rahmen des Projekts «Schule 2020» soll geklärt werden, in welcher Form das Kathi Bestandteil der Wiler Schulen sein soll. (Bild: Philipp Haag)

Wie sollen die Schulen der Stadt Wil in den nächsten Jahren strategisch und pädagogisch ausgerichtet sein, damit der Bildungsplatz Wil für die Herausforderungen der Zukunft richtig aufgestellt ist – diese grundsätzlichen Fragestellungen sollen mit dem Projekt «Schule 2020» detailliert bearbeitet und beantwortet werden. Konkret geht es um drei Bereiche – erstens die Bildung von strategischen Zielsetzungen, zweitens das Erstellen einer Schul- und Schulraumplanung und drittens die Überprüfung der Oberstufenstruktur und dabei auch die Klärung der Rolle und der Zusammenarbeit mit der Stiftung Schule St. Katharina.

Unter der Leitung eines Lenkungsausschusses, präsidiert von Schulratspräsidentin Jutta Röösli, nahmen drei Teilprojektteams im April 2016 die Arbeit auf. In einer Analysephase entwickelten sie Grundlagen für die weitere Arbeit. Erste zentrale Ergebnisse dieser Analysen liegen nun vor:

Teilprojekt 1: Strategische Ausrichtung:

Im Teilprojekt 1 wurde eine Swot-Analyse erstellt: Mit Befragungen von Schulleitungen, Lehrpersonen, Schulratsmitgliedern, Erziehungsberechtigten sowie Schülerinnen und Schülern wurden Stärken und Verbesserungspotenziale für die Schulen in Wil ausgelotet.

Darauf aufbauend wurden sechs Visionen entwickelt: «Wir führen ressourcen- und lösungsorientiert. Wir wollen, dass eigenständige, verantwortungsbewusste junge Menschen unsere Schule verlassen. Wir verstehen uns als professionelle Lerngemeinschaften und pflegen eine Kultur der offenen Tür und des Respekts. Wir wollen Chancengerechtigkeit für unsere Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Wir sind eine lernende Schule. Im Zentrum der Zusammenarbeit mit den Eltern steht das Wohl des Kindes.» Jede Vision wurde konkretisiert. Diese reichen von der Prägung der Schulkultur über die Gewährung von Freiraum für die Profilierung der einzelnen Schuleinheiten bis hin zur Ausgestaltung eines vielfältigen Unterrichts mit Formen des selbstgesteuerten, kooperativen und angeleiteten Lernens.

Teilprojekt 2: Schul- und Schulraumplanung:

Rund 2500 Schülerinnen und Schüler besuchen die städtische Volksschule, diese Zahl verändert sich mit der Bevölkerungsentwicklung. Alle Kinder und Jugendlichen benötigen Raum in einer der zehn Wiler Schuleinheiten. Vor diesem Hintergrund ist Teilprojekt 2 zu sehen: Der Schulraum der Stadt Wil ist bezüglich pädagogisch-funktionaler Qualitäten und Defizite und baulichem Zustands zu analysieren. Die mutmasslichen künftigen Schülerinnen- und Schülerzahlen sollen mit Blick auf die Bevölkerungs- und Gemeindeentwicklung sowie die Wohnbautätigkeit errechnet werden. Mögliche Standort- und Erweiterungspotenziale sind zu evaluieren.

Das Fazit: Ein zusätzlicher, erheblicher Bedarf an Schulraum aufgrund der demografischen Entwicklung und der Wohnbautätigkeit ist ausgewiesen und statistisch untermauert.

Teilprojekt 3: Oberstufenkonzeption:

Das Teilprojekt 3 befasste sich mit den pädagogischen und betrieblichen Aspekten eines zukünftigen Oberstufenkonzepts und mit der Klärung von Auftrag und Rolle der Stiftung St. Katharina. Die Frage von koeduzierten und seeduzierten Oberstufen-Schulmodellen (Knaben und Mädchen gemeinsam oder getrennt beschult) wurde dabei ausführlich diskutiert. Für eine fachliche Aussensicht wurde der ehemalige Rektor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, Erwin Beck, als pädagogischer Fachexperte beigezogen. Dabei kam die Projektgruppe zum Schluss, dass der Lenkungsausschuss einen Grundsatzentscheid zu dieser Frage fällen muss: Dieser Aspekt bestimme die Rahmenbedingungen für die strategische Ausrichtung und sei für die organisatorische Realisierung der neuen Schule entscheidend, so Beck.

Vor diesem Hintergrund identifizierte Erwin Beck drei Grundsatzentscheide: erstens, die Frage, ob Seedukation in der Schule 2020 in Wil weiterhin ein Bestimmungsmerkmal für eine in der öffentlichen Volksschule bestehende Oberstufenschule sein soll; zweitens die Festlegung, dass die Voraussetzung für alle Wiler Oberstufenschulen die kantonalen gesetzlichen Rahmenbedingungen und das Strategiekonzept der Schule 2020 sind, sowie drittens der Grundsatz, dass der Schulrat maximale prozentuale Anteile (Kontingente) an Schülerinnen bestimmt, die im künftigen «Kathi» aufgenommen werden dürfen. Grundsätzlich zeichnen sich, so Beck, drei Lösungen ab – ausschliesslich koeduzierte Oberstufenschulen, koeduzierte Oberstufenschulen und eine «Mädchenoberstufenschule» oder koeduzierte Oberstufenschulen und eine «Mädchen- sowie eine Knabenoberstufenschule».

Das Argumentarium von Erwin Beck ist eine neutrale Auslegeordnung, es nimmt keine Entscheide vorweg und legt auch keine Präferenz für das eine oder andere Modell fest. Inhaltlich ist für den pädagogischen Fachexperten klar: «Auf allen Wegen lassen sich gute Oberstufenschulen entwickeln und fördern. Der Entscheid ist aber ein politischer, der im Lenkungsausschuss oder Stadtrat respektive durch das Parlament und gegebenenfalls auch durch die Bevölkerung zu fällen ist.» Der Lenkungsausschuss hat daher beschlossen, die politische Begleitgruppe in diese Fragestellung einzubeziehen, um so Rückmeldungen der Fraktionsvertretungen abzuholen. «Mit den Rückmeldungen aus der politischen Ebene möchten wir erreichen, dass der Rahmen für die Lösungserarbeitungen besser ersichtlich wird und die Mitglieder der Begleitgruppe die Möglichkeit einer frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema haben», so Jutta Röösli. (sk)