Kapo-Sprecher Gian Andrea Rezzoli nach Überfall auf Avec-Filiale in Wil: «Helden sind fehl am Platz»

Nach dem Überfall auf den Avec-Shop stellt sich die Frage, wie Unternehmen ihr Verkaufspersonal vor diesen Situationen schützen oder auf solche vorbereiten können. Die Valora setzt dabei auf Schulungen.

Gianni Amstutz
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Der Täter, der den Avec-Shop in Wil überfallen hat, war mit einem Messer bewaffnet.Symbolbild: Alessandro de Leo/Fotolia

Der Täter, der den Avec-Shop in Wil überfallen hat, war mit einem Messer bewaffnet.Symbolbild: Alessandro de Leo/Fotolia

Es muss für die Kassiererin des Avec-Shops beim Bahnhof in Wil ein Schock gewesen sein. Am frühen Morgen betrat ein maskierter Mann, der mit einem Messer bewaffnet war, den Laden, bedrohte die Kassiererin und erbeutete mehrere hundert Franken. Der Kassiererin kam beim Vorfall – bis auf den psychischen Schock – glücklicherweise nicht zu Schaden. Der Täter ist nach wie vor auf freiem Fuss, wie Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei St. Gallen bestätigt. Die Fahndung laufe noch, weshalb er zu diesem Zeitpunkt keine näheren Angaben dazu machen könne.

Überfälle auf Läden wie den Avec oder Tankstellenshops, welche auch ausserhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten geöffnet haben, sind keine Seltenheit. Sie zählen zur Risikogruppe, wenn es um Raubdelikte geht, sagt Rezzoli. «Die Täter rechnen zu Randzeiten mit weniger Kundschaft im Laden und somit weniger Zeugen.» Auch die Flucht sei unter diesen Umständen einfacher, da sich weniger Passanten auf der Strasse befänden. Zwar gebe es auch am helllichten Tag Raubüberfälle, dies seien jedoch eher Ausnahmen, welche die Regel bestätigen würden.

Schulungen, Kameras und Alarmsysteme

Die Verkäuferin des Avec kam mit dem Schock davon. Doch nicht immer gehen Raubüberfälle für das Verkaufspersonal so glimpflich aus. Da gerade Läden mit erweiterten Öffnungszeiten häufig ins Visier von Kriminellen geraten, stellt sich die Frage, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen oder auf mögliche Gefahrensituationen vorbereiten. Der Avec gehört zur Valora-Gruppe. Allerdings sind alle Filialen im Franchise-System organisiert. Das heisst, jeder Avec-Shop ist ein individuelles Unternehmen und gleichzeitig Teil der Valora-Gruppe, welche die Filialen als Unternehmer, Arbeitgeber und Betreiber unterstützt.

Kilian Borter, Pressesprecher der Valora, sagt zum Überfall auf den Avec-Shop in Wil: «Valora legt grossen Wert auf Sicherheit, insbesondere in Bezug auf die Mitarbeitenden an den Verkaufsstellen.» Aus diesem Grund würden diejenigen Verkaufsstellen, welche – wie im Fall vom Wil – durch Franchisenehmer betrieben werden, regelmässig zu Sicherheitsthemen geschult. Die Information und Schulung der Mitarbeitenden liege anschliessend aber in der Verantwortung der Franchisenehmer.

Zusätzlich zu den Schulungen des Personals setze die Valora auch auf weitere Sicherheitsmassnahmen. Im Detail könne er sich nicht dazu äussern, sagt Borter. Doch zumindest einige Punkte kann er preisgeben: Wie im Retail-Geschäft üblich, seien alle Läden mit Überwachungskameras ausgestattet. Zudem verfügten die Filialen über Alarmanlagen mit diversen Alarmtasten, unter anderem auch zur Auslösung eines sogenannten stillen Alarms bei der Polizei.

Auch für die Täter eine Stresssituation

Doch allen Sicherheitsmassnahmen zum Trotz kommt es immer wieder zu Überfällen. Wie also soll sich das Verkaufspersonal in solchen Situationen verhalten? «Wichtig ist, möglichst ruhig zu bleiben, auch wenn das in solchen Situationen schwierig ist», sagt Kapo-Sprecher Gian Andrea Rezzoli. Schliesslich sei es auch für den Täter eine Stresssituation, wodurch sein Verhalten unberechenbar sei. Oberste Devise sei, das eigene und das Leben anderer zu schützen. «Das Leben ist das wichtigste Gut.» Deshalb sei das Verkaufspersonal gut beraten, den Forderungen des Täters Folge zu leisten. «Besonders wenn Waffen im Spiel sind, ist es falsch, den Helden zu spielen.» Die Folgen für die eigene Gesundheit, aber auch jene von anderen Anwesenden seien nicht abschätzbar. Zudem könne man den Verlust von Bargeld leicht verschmerzen, denjenigen eines Lebens hingegen nur schwer.