KANTONSRATSWAHLEN IM WAHLKREIS WIL KANTONSRATSWAHLEN IM WAHLKREIS TOGGENBURG KANTONSRATSWAHLEN IM WAHLKREIS MÜNCHWILEN: Überholt und abgehängt

Bis vor ein paar Jahren galt die Region Wil als CVP-Hochburg. Das hat sich markant geändert. In den Wahlkreisen Wil, Toggenburg und Münchwilen hat die SVP nicht nur rechts überholt, sondern bereits einen deutlichen Vorsprung herausgeholt.

Simon Dudle
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Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Die alle vier Jahre stattfindenden Kantonsratswahlen sind der wichtigste Indikator betreffend Parteienstärke in der Region. Ein Blick auf die Wahlen seit 2004 ergibt ein klares Bild: Im vergangenen Jahrzehnt musste die CVP in den Wahlkreisen Wil und Toggenburg die Vorherrschaft an die SVP abtreten. Im Hinterthurgau war dies schon vor 2004 der Fall, jedoch ist die Differenz grösser geworden. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2016 betrug der Vorsprung in allen drei Wahlkreisen schon rund zehn Prozentpunkte.

Es handelt sich nicht um eine regionale Besonderheit, sondern um ein Abbild eines nationalen Trends. «Doch alleine dies wäre noch kein Garant für die Entwicklung der letzten Jahre. Die SVP vertritt eine bürgernahe, wirtschaftsfreundliche und gleichsam konsequente, verlässliche Politik. Politische Slalomkurse waren noch nie Garanten für Erfolg», sagt Bruno Dudli, Präsident der SVP-Kreispartei Wil. Die Leaderposition bringt aus seiner Sicht nicht nur «mehr Handlungsfähigkeit und Einflussnahme», sondern auch «mehr Verantwortung gegenüber den Bürgern und der Wirtschaft».

CVP will mehr auf sich aufmerksam machen

Auffällig: Im Hinterthurgau und dem Toggenburg ist die SVP stärker als im Wahlkreis Wil. Für Dudli hat das nicht ausschliesslich damit zu tun, dass in der Stadt grundsätzlich weniger SVP gewählt wird als auf dem Land. «Die Stadt-Land-Thematik ist nicht abzustreiten und schon innerhalb des Wahlkreises Wil unschwer festzustellen. Abgesehen davon ist die SVP im Kanton Thurgau weit traditioneller verankert als im Kanton St. Gallen», sagt er. Eine Prognose, auf wie viel Prozent die SVP-Kreispartei Wil bei den nächsten Kantonsratswahlen im Jahr 2020 kommen wird, ist ihm nicht zu entlocken. «Der Fokus liegt nicht darauf, einen mathematischen Zielwert anzustreben. Wir wollen mit durchdachten, vernünftigen politischen Lösungen bestmögliche Grundlagen für die Allgemeinheit schaffen», sagt der SVP-Kantonsrat aus Sonnental.

Ein weniger fröhliches Lied singt die CVP. Sie ist seit dem Jahr 2004 in allen drei Wahlkreisen unter einen Wähleranteil von 25 Prozent gefallen. Martha Storchenegger, langjährige Präsidentin der CVP-Kreispartei Wil-­Untertoggenburg, sagt: «Das ­lösungsorientierte Arbeiten entspricht nicht ganz dem Zeitgeist. Viele Stimmbürger sind unzufrieden und fühlen sich von unserer Politik nicht immer nach ihren Wünschen vertreten.» Der demokratische Prozess sei lang und Veränderungen brauchten Zeit, sagt die Jonschwilerin. Es brauche künftig eine bewusstere Zusammenarbeit, damit die lösungsorientierte Politik besser gelinge. Am grundsätzlichen Kurs soll aber festgehalten werden. «Die CVP macht eine pragmatische und breit abgestützte Politik mit umsetzbaren Lösungen. Leider verpassen wir es immer wieder, darüber zu berichten. Die CVP muss dies vermehrt machen und ihre Positionen und Haltungen kundtun.»

SP mit unterschiedlichen Entwicklungen

Keine grossen Sprünge hat in den vergangenen Jahren die andere Mittepartei, die FDP, gemacht. Die Freiheitlichen waren und sind in allen drei Wahlkreisen die Nummer drei, wobei sie sich im Wahlkreis Wil im vergangenen Jahr der CVP bis auf rund einen Prozentpunkt angenähert haben.

Die SP, gemeinhin als vierte grosse Partei bezeichnet, bewegt sich in der Region Wil auf unterschiedlichem Niveau. Im Wahlkreis Wil ist seit 2008 eine Aufwärtstendenz feststellbar. Im Hinterthurgau hingegen bewegt sie sich unter der 10-Prozent-Marke – und ist hinter den Grünen «nur» Nummer fünf.