Serie

Nur eine einzige Kandidatin auf der Liste: Die EDU und ihr Schattendasein

Im Wahlkreis Wil schickt die Kleinpartei die altgediente Rosa Fässler ins Rennen. Sie ist zuversichtlich, aber realistisch.

Miguel Lo Bartolo
Drucken
Teilen

Einen der 18 Kantonsratssitze im Wahlkreis Wil möchte die EDU natürlich gerne belegen. Das hat sich die Kleinpartei schon lange auf die Fahne geschrieben. Die Ausgangslage ist allerdings ungünstig. So bringt die EDU im Wahlkreis Wil nur einen Namen auf die Liste. Höhere Chancen auf einen zufriedenstellenden Wahlausgang dürfte dieser Umstand wohl kaum mit sich bringen. Die Parteistärke steigerte sich seit 2012 um ein Quäntchen. Ein kontinuierlicher Aufwärtstrend könnte indes auch ein Indikator dafür sein, dass die EDU dem Zeitgeist nicht mehr hoffnungslos hinterherhinkt.

Die Kandidierende für den Kantonsratssitz ist ein echtes EDU-Urgestein. Seit 20 Jahren politisiert sie für die Kleinpartei, 15 davon im Kanton St.Gallen. Die Rede ist von der Parteipräsidentin des Wahlkreises Wil: Rosa «Rösli» Fässler. Bereits zum vierten Mal steht sie für die EDU auf der Liste, und erstmals alleine. Des Versuches überdrüssig ist sie aber noch nicht. «Realistisch gesehen stehen die Chancen nicht allzu gut», sagt Fässler. Sie wisse aber auch, warum dies so sei.

Hauptthemen fördern selten politischen Diskurs

Rosa Fässler, Regierungsratskandidatin der EDU im Wahlkreis Wil.

Rosa Fässler, Regierungsratskandidatin der EDU im Wahlkreis Wil.

Bild: PD

Das Mauerblümchendasein der EDU liege nicht etwa an einer falschen Prioritätensetzung seitens Parteiführung. Vielmehr gelte es, sich über die grundsätzliche Apathie der Stimmbürger gegenüber dem politischen Diskurs Gedanken zu machen. Viele hätten nämlich «mit der Politik nichts am Hut», sagt Fässler. Ihr sei durchaus bewusst, dass sich die Schwerpunkte der EDU eher selten mit jenen grösserer Parteien überschneiden. Deswegen seien sie aber nicht belanglos. «Unsere Hauptthemen sind vorwiegend ethischer Natur, wie etwa die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens oder die Erhaltung der christlichen Werte.» Themen also, deren Diskussion auf der kantonalen Ebene nicht zielführend ist. Man befasse sich allerdings auch mit akuten Problemstellungen. So bezieht die EDU etwa zu den allgegenwärtigen 5G-Antennen, den anstehenden Spitalschliessungen und zum Grossprojekt Wil West Position.

«Man braucht mehr Zeit, die Dinge abzuwägen»

Das Überbauungsprojekt Wil West stösst der EDU nicht sauer auf. Fässler findet es aber schade, wenn schöne Landstriche einem Industriegebiet weichen müssen. Bei der Spitalsituation wird Fässler dann etwas konkreter: Es könne nicht sein, dass ausgerechnet das Spital Wattwil geschlossen werden soll, wo ihm doch gerade aus Toggenburger Sicht eine enorme Wichtigkeit beigemessen wird.

Wie bei allen Politika wünscht sich die EDU, dass man sich genügend Zeit nimmt, Pro und Kontra gegeneinander abzuwägen. So würden nämlich weitreichende Entscheidungen nicht übereifrig gefällt und hinterher bereut werden.

Alle Parteiporträts im Überblick