Kahlschlag an der Thur: 800 Eschen müssen fallen

Der aggressive Pilz macht vor keiner Esche halt. Selbst die jüngsten Bäume sind bereits morsch. Aus Sicherheitsgründen werden nun alle Eschen entlang des Thurdamms gefällt. Ein Verlustgeschäft für die Thurkorporation Oberbüren.

Angelina Donati
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In wenigen Wochen schon wird sich das Bild des Waldes kahler zeigen: Alle Eschen am Thurdamm werden gefällt. (Bild: Andrea Häusler)

In wenigen Wochen schon wird sich das Bild des Waldes kahler zeigen: Alle Eschen am Thurdamm werden gefällt. (Bild: Andrea Häusler)

Jahrelang wird der Wald gepflegt und gehegt. Eine Mühe, die bei der heimischen Esche wohl vergebens war, wie sich nun zeigt. «Wir sind der Natur ausgeliefert», bringt es Hubert Frick, Präsident der Thurkorporation Oberbüren, auf den Punkt. Ob kleine oder grosse Bäume, dünne oder dicke Stämme – jede einzelne Esche ist mittlerweile befallen. Befallen von einem äusserst aggressiven Pilz, gegen den kein Mittel existiert. Nun fordert er auch an der Thur seinen Tribut. «Es ist ein grosser Schlag geplant. Rund 1200 Kubikmeter Holz müssen gefällt werden.» Was auf die stattliche Anzahl Bäume von 700 bis 800 kommen dürfte, wie Frick rechnet.

Ein Kahlschlag wie man ihn selten kennt. Vergleichen lässt sich die Situation etwa mit dem Ulmen-Sterben vor gut vier Jahren. Befand sich damals diese Gattung in einem äusserst schlechten Zustand, sind es heute die Eschen, für die keine Rettung in Sicht ist.

Während der Arbeiten wird Weg gesperrt

Selbst Eschen, die noch nicht gross vom Virus befallen sind, scheinen davor nicht gefeit zu sein. Sie stehen zu lassen, würde das Problem nicht aus der Welt schaffen. Ausserdem schwebe mit dem schlechten Zustand der Bäume ein immer grösser werdendes Sicherheitsrisiko mit. «Durch den Pilzbefall werden die Bäume morsch», sagt Frick. Und damit nimmt die Gefahr von herunterfallenden Ästen zu. Deshalb könne nun nicht länger zugewartet werden.

Ende September fahren auf dem Thurdamm in Oberbüren zwischen Glatt und der Gemeindegrenze Niederbüren die schweren Fahrzeuge auf. Bekannt ist der Thurdamm als beliebte Strecke für Radfahrer, Jogger, Spaziergänger und Reiter. Während der Fällarbeiten wird für sie der Weg gesperrt, und sie müssen mit Umleitungen oder Behinderungen rechnen, wie der Präsident der Thurkorporation Oberbüren weiter erläutert. Die Arbeiten würden voraussichtlich bis Mitte November dauern.

Nebst dem Forstbetrieb unter der Leitung des Revierförsters Benny Herbert werden auch die Holzer der Landeigentümerin, der Thurkorporation Oberbüren, an diesem «überdurschnittlich grossen Holzschlag» beteiligt sein, wie mitgeteilt wird. Die unumgängliche Massnahme sei zudem mit dem Kantonsoberförster abgesprochen.

Keine wirtschaftlichen Überlegungen

Dass der angekündigte Kahlschlag bei vielen Menschen für Aufsehen sorgen dürfte, sind sich die Beteiligten bewusst. «Anders als bei Baustellen in Siedlungsgebieten hat die Sensibilität im Wald bei den Leuten zugenommen», heisst es in einer Mitteilung.

Die Thurkorporation Oberbüren möchte daher betonen, dass es bei der Rodung nicht um wirtschaftliche Überlegungen geht. Im Gegenteil: «Es ist ein Verlustgeschäft», sagt Hubert Frick. Immerhin würden die Eschen nicht zu Schnitzelholz verarbeitet, sondern könnten an Abnehmer aus dem Raum Asien geliefert werden, die beispielsweise Stuhlbeine daraus fertigten. Pro Kubikmeter Holz müsste die Thurkorporation Oberbüren allerdings noch 15 Franken drauflegen, sagt Frick.

So oder so sei die unausweichliche Fällung kein schönes Bild. Auch die Tatsache, dass stattliche Eschen darunter sind, schmerzt Frick. «Der Wald wird danach durchsichtig wirken», sagt er. Gleichzeitig dürfe man nicht ausser Acht lassen, dass junge Bäume wieder nachkommen. Zwar aktuell keine Eschen, dafür andere Gattungen. Für sie könnte der neu geschaffene Platz und mehr Licht gar einen Vorteil sein. Nicht zuletzt würde für jeden Baum, der gefällt wird, ein neuer gepflanzt. Noch sei nicht entschieden, welche Arten hier künftig gedeihen sollen.