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KÄSEREIEN: 1. Mai hat an Bedeutung verloren

Am 1. Mai hat für Landwirte und Käser jeweils das neue Milchjahr begonnen. Das ist heute nicht mehr überall so. Dafür sorgte der Strukturwandel in der Landwirtschaft sowie bei den Milchverarbeitern. Ein Rückblick.
Zita Meienhofer
Die durchschnittliche Verarbeitungsmenge des Appenzellers pro Betrieb stieg von 70 Tonnen (1994) auf 182 Tonnen (2016). (Bild: PD)

Die durchschnittliche Verarbeitungsmenge des Appenzellers pro Betrieb stieg von 70 Tonnen (1994) auf 182 Tonnen (2016). (Bild: PD)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Der heutige 1. Mai hat für Felix Jung, Präsident der Käsereigenossenschaft Dägetschwil, entschieden an Bedeutung verloren. Bis 2009 begann am 1. Mai für die Landwirte und Käser das neue Milchjahr. «Heute gilt für uns das Kalenderjahr», sagt er, «auch für die geschäftlichen Aktivitäten der Käsereien und deren Genossenschaften.» Deshalb war es nicht Ende des vergangenen Monats, sondern Ende Dezember 2016, als die Käserei Dägetschwil in Niederhelfenschwil geschlossen wurde. Käser Bernhard Knill trat in den Ruhestand. Während 37 Jahren führte er die Käserei. «Einen Nachfolger konnten wir leider nicht finden», bedauert Felix Jung. Das sei ­heute sehr schwierig, erklärt er. «Einerseits gibt es viel zu wenig Käser, andererseits ist für junge Berufsleute die Finanzierung eines Käsereibetriebs eine sehr grosse Hürde».

Strukturwandel: Käsereien mussten schliessen

Die drei Landwirte, die der Käsereigenossenschaft Dägetschwil angehören, brachten jährlich 550 000 kg Milch in die Käserei, Milch, aus der Appenzeller Käse hergestellt wurde. Felix Jung ist sich bewusst, dass die Milchmenge klein ist. Er ist jedoch überzeugt, dass es für einen innova­tiven Käser machbar gewesen wäre, die Käserei weiterhin zu betreiben, da auch noch ein Schweinebetrieb dazugehört. Jung weiss aber auch, dass es ein Sieben-Tage-pro-Woche-Job wäre, ein Job, der wenig Freizeit zulässt. Mit der Aufgabe der Käserei endet auch die Existenz der Käsereigenossenschaft Dägetschwil. «Wir werden uns auflösen», sagt Jung. Die Milch dieser drei Bauern geht künftig in die Käserei Schollrüti, Oberbüren. Das Gebäude, das der Genossenschaft gehört, soll verkauft werden. «Ich bedaure wirklich, dass wir unsere Käserei schliessen müssen, bin aber überzeugt, dass irgendwann die Zeit kommt, in der wieder klein angefangen werden muss», so Felix Jung.

Mit Dägetschwil schliesst die letzte Käserei in Niederhelfenschwil. In diesem Dorf waren einst drei domiziliert. Damals, als auch in Zuckenriet, Zuzwil, Schwarzenbach, Niederwil oder Flawil (Emmentaler) sowie Züberwangen, Henau, Algetshausen, Weieren, Sonnenberg (Appenzeller) mindestens eine Käserei beheimatet war. 1994 zählte die Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH in ihrem Gebiet (Kantone St. Gallen, Thurgau, beide Appenzell) 118 Käsereien. Im 2017 sind es noch 50 Käsereien, was einem Rückgang von ­etwas mehr als 50 Prozent entspricht. Ebenfalls etwa die Hälfte der Tilsiter-Käsereien waren in diesen Jahren von den Markt­veränderungen betroffen. Waren es 1999 41 Käsereien zwischen Schänis und dem Bodensee, die Rohmilch zu Tilsiter verkästen, sind es heute noch 22. Am ärgsten litt Emmentaler unter dem Strukturwandel der vergangenen 20 Jahre. Etwa 80 Prozent der Emmentaler-Käsereien (schweizweit) haben während dieser Zeit den Betrieb aufgegeben. 1999 waren es 519 Käsereien, heute sind es noch 122, davon 31 in der Ostschweiz.

In den 1970er-Jahren hatte es in jedem Dorf, in vielen Weilern, eine Käserei. Diese produzierten hauptsächlich Emmentaler- und Appenzeller Käse. Für den Appenzeller Käse konnten die Exportaktivitäten stetig gesteigert werden, etliche Käsereien bauten deshalb in den späten 1970er-Jahren die Betriebe um und stellten nur noch Appenzeller Käse her. «Der Appenzeller boomte damals vor allem in Deutschland», erklärt Christoph Holenstein, Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse GmbH.

1999 und 2007 brachten grosse Veränderungen

Gegebenheiten im Jahr 1999 veränderten die Käsereilandschaft einschneidend. Die Schweizerische Käseunion als staatliche Käsevermarktungsorganisation (Liquidation von Überschussmilch) wurde aufgelöst und stellte ihren Betrieb ein. Sie war eine reine Marketing- und Handelsorganisation, welche die Aufgabe hatte, die Käseproduktion im In- und Ausland zu einem Preis zu verwerten, welcher dem Handel ­einen angemessenen Verdienst, dem Käser eine gesicherte Existenz und dem Landwirt einen den Produktionskosten der Milch entsprechenden garantierten Preis sicherte. Unter dem Verschwinden der Käseunion litten vor allem Käsereien, die Emmentaler, Greyerzer und Sbrinz produzierten, aber auch die Landwirte. Etliche Käsereien mussten schliessen, und Landwirte gaben ihren Betrieb auf oder wechselten von der Milchwirtschaft auf einen ­anderen Produktionszweig. Die Sortenorganisation Appenzeller Käse hatte damals bereits be­standen und erfolgreich auf dem Markt agiert. Sie diente als Vorlage für die Gründung der gleichen Organisationen für Emmentaler, Greyerzer und Sbrinz.

Die nächste Veränderung brachte die Liberalisierung des Schweizer Milchmarktes. Das Parlament beschloss, die Kontingentierung der Milch stetig bis im 2009 aufzuheben. Die Auswirkungen beim Appenzeller auf die Struktur der Käsereien waren ­weniger einschneidend als beispielsweise beim Sbrinz. Die Strukturbereinigung in der Käsereilandschaft geht allerdings noch weiter. Da sind sich die Verantwortlichen von Appenzeller, Emmentaler und Tilsiter einig.

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