Käseduft auf der Baustelle

Die Jonschwiler Hardegger Käse AG baut etwas ausserhalb des Dorfkerns ein neues Werk zur Produktion und Lagerung von Käse. Ab nächsten Mai sollen dort bis zu 5,5 Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet werden.

Tobias Söldi
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Mehr Platz für einen Neubau: Die Hardegger Käse AG verlegt ihre Käseproduktion aus dem Dorfzentrum in das Industriegebiet. (Bild: tos)

Mehr Platz für einen Neubau: Die Hardegger Käse AG verlegt ihre Käseproduktion aus dem Dorfzentrum in das Industriegebiet. (Bild: tos)

Zwischen Betonmauern und Baukran weht ganz schwach der Duft von Käse. An der Werkstrasse 3 in Jonschwil entsteht die neue Käserei der Hardegger Käse AG, gleich neben bereits bestehenden Hallen des Familienunternehmens, wo Käse gelagert, verarbeitet und verpackt wird. Vor drei Monaten haben die Arbeiten begonnen. «Der Rohbau steht, jetzt widmen wir uns sukzessive dem Innenausbau», sagt Josef Hardegger. Er ist Inhaber des 1956 gegründeten Unternehmens und führt dieses in der zweiten Generation.

30 Meter breit, 60 Meter lang und 13 Meter hoch wird das neue Werk, das zur Produktion und Lagerung von Appenzeller Käse genutzt werden wird. Ende Februar soll es fertiggestellt, im Mai der Betrieb aufgenommen werden. «Dazwischen haben wir Zeit zum Zügeln und Testen der neuen Anlagen», sagt Hardegger. Zurzeit produziert die Käserei ihren Käse im Dorfkern von Jonschwil. Das dortige Gebäude wird umgenutzt. «Wahrscheinlich für Büros und eine Kantine.»

«Ohne gute Milch kein guter Käse»

Den Ausschlag für den Neubau hat die Schliessung der Käserei Niederdorf in Gossau gegeben. Deren Milchlieferanten fanden in der Hardegger Käse AG einen neuen Abnehmer. Künftig wird die Käserei des Betriebs deshalb etwa 5,5 Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeiten. Hardegger sagt dazu:

«Dafür reicht die Kapazität unserer jetzigen Produktionsanlage schlicht nicht aus.»
Josef Hardegger, Inhaber der Hardegger Käse AG

Josef Hardegger, Inhaber der Hardegger Käse AG

Zurzeit verarbeitet die Käserei 2,4 Millionen Liter Milch pro Jahr. Daraus entstehen pro Tag 630 Kilogramm Käse. Der weitaus grösste Anteil hat mit 96 Prozent die Sorte Appenzeller, aber auch Wildberger, Raclette und Tilsiter verlassen die Käserei. Unbekannt sind Hardegger seine neuen Milchlieferanten nicht: «In der Käsebranche kennt man sich untereinander. Wir sind eine kleine Familie.»

Die Rolle der Milch in der Käseproduktion ist zentral. «Ohne gute Milch gibt es keinen guten Käse. Das ist die Grundvoraussetzung», sagt Hardegger. Dass die Jonschwiler Käse in ihrer Qualität überzeugen, das belegen die verschiedenen Preise, welche sie bereits gewonnen haben. «Gerade haben wir mit unserem Appenzeller Käse den dritten Platz beim Swiss Cheese Award 2018 erreicht.»

So ist der Neubau für Hardegger nicht nur eine Investition in die Zukunft des eigenen Unternehmens, sondern auch eine in diejenige der regionalen Milchproduzenten.

Jonschwiler Käse in Asien und Nordamerika

Die Käseproduktion ist die eine, kleinere Seite des Familienunternehmens. Die Hardegger Käse AG ist vor allem eine Handelsfirma, die Produkte von Käsereien der ganzen Schweiz einkauft, lagert, veredelt, verpackt und weiterverkauft. Der grösste Teil der rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Betriebs sind im Handel angestellt – was den Betrieb zum drittgrössten Arbeitgeber in der Gemeinde Jonschwil macht.

«Unsere selbstproduzierten Käse nehmen in unserem Handelsvolumen weniger als ein Prozent ein», sagt Hardegger. Ein Viertel aller Käse, der eigenen und der zugekauften, wird in der Schweiz abgesetzt, vor allem im Detailhandel – Coop, Migros, Volg, Lidl, Spar etc. «Der hiesige Markt ist aber gesättigt», erklärt Hardegger. Mit drei Vierteln geht der weitaus grösste Teil des Käses ins Ausland, in Länder der Europäischen Union, nach Nordamerika oder nach Asien. «Dort ist Schweizer Käse als Qualitätsprodukt bekannt und anerkannt. Unsere Produktionskosten sind wegen der Milch zwar hoch, aber die Käufer im Ausland wissen, dass sie Qualität bekommen.»

Mit dem Käsereineubau ist der Betrieb für die Zukunft gewappnet. «Wir tragen mit modernen Anlagen den technischen Möglichkeiten Rechnung und haben zusätzliches Wachstumspotenzial eingerechnet», sagt Hardegger. Zuversichtlich ist er auch, dass der Betrieb in Familienhand bleibt. Der Nachwuchs absolviert auf jeden Fall eine passende Ausbildung: Der Sohn studiert Betriebswissenschaft, die Tochter Lebensmittelwissenschaft.