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Kälte im Namen, Wärme im Gemüt

WIL. Während sich draussen der Frost hartnäckig an Ästen und Autoscheiben festklammert, erwartet man seinen Namensvetter im Schulhaus Sonnenhof bereits sehnlichst: Die Rede ist von Väterchen Frost.
Auch Väterchen Frost hört gerne Sprüche. Zur Belohnung gibt es etwas zu naschen. (Bilder: uam.)

Auch Väterchen Frost hört gerne Sprüche. Zur Belohnung gibt es etwas zu naschen. (Bilder: uam.)

Eine Märchenfigur mit russischen Wurzeln, genau wie sie jene Kinder haben, die sich im Sonnenhof eingefunden haben. Gekommen sind sie mit ihren Eltern, hauptsächlich mit den Müttern, die aus Russland, Weissrussland oder der Ukraine stammen. Ihnen steht die Vorfreude auf Väterchen Frost ebenso ins Gesicht geschrieben wie den Kindern.

An die Feiern mit Djed Moros (so heisst Väterchen Frost auf Russisch) habe sie sehr schöne Erinnerungen, erzählt eine Mutter. Als Kind durfte sie den Besuch des Väterchens in einer Halle im Kreml miterleben, zusammen mit Hunderten anderer Kinder. «Im nachhinein fasziniert es mich, wie gut das alles organisiert war», sagt sie. Auch der Anlass im Sonnenhof scheint auf die Minute genau geplant, ohne an Lockerheit einzubüssen. Olga Roner, eine der Lehrerinnen im seit einem Jahr in Wil angebotenen HSK-Russisch-Kurs, hält die Fäden in der Hand und sorgt dafür, dass in keinem Moment Langeweile aufkommt.

Vom Christentum entkoppelt

In bunten Kostümen – die Mädchen mehrheitlich als Prinzessin oder Königin, die Buben mal als Fuchs mal als Ritter gekleidet – bilden die Kinder zusammen mit ihren Müttern einen Kreis und tanzen durch den Raum. Aus der Anlage in der Ecke erklingen russische Lieder. Diese sind zwar neu instrumentalisiert, aber die Liedtexte sind altbekannt. So singen vor allem die Mütter lauthals mit. Dann verstummt die Musik, und Olga Roner kündigt einen Besuch an. Durch die Tür tänzelt elfenhaft die Enkelin von Väterchen Frost. Snegurotschka ist ihr Name. Sie wendet sich mit sanfter Stimme an die Kinder, während ihre weissen Zöpfe durch die Luft wirbeln. Snegurotschka kann – abgesehen davon, dass sie netter ist – als Pendant zum Schmutzli betrachtet werden. Denn Väterchen Frost gilt als russisches Gegenstück zum Nikolaus. Unterschiede gibt es aber auch da: Väterchen Frost wird nicht gefürchtet, denn er bestraft die Kinder niemals, sondern beschenkt jene, die brav waren – zumindest offiziell. Inoffiziell bekomme jedes Kind ein Geschenk, sagt Natalia Weber, die Präsidentin des russischen Kulturvereins Wil. Väterchen Frost bringt die Pakete aber nicht etwa zu Weihnachten, sondern in der Silvesternacht. Das hat wiederum politische Gründe: Da religiöse Feste und Symbole in der Sowjetunion äusserst verpönt waren, jedoch auch das kommunistische Einheitsvolk das Bedürfnis nach Feiern hatte, wurde Väterchen Frost vom Christentum losgekoppelt und verteilt seine Geschenke seither an Silvester.

Getanzt, gesungen, gelacht

Doch zurück ins Schulhaus Sonnenhof. Dort fehlt noch jede Spur von Väterchen Frost. Es heisst, er wohne im grossen weiten Wald, und man müsse ihn rufen. «Auuuu Djed Moros» ertönt es nun im Chor, bis auch im Treppenhaus ein «Auuuu» zu hören ist. Dann kommt der grosse Moment – Väterchen Frost betritt den Raum. Dass im Kostüm eine Frau steckt, scheint die Kinder nicht im geringsten zu stören. Viele bemerken es wohl auch gar nicht. Zusammen mit Väterchen Frost wird getanzt, fotografiert, gesungen, gelacht, und ganz schnell wird klar: Djed Moros hat zwar die Kälte im Namen, aber ganz viel Wärme im Gemüt.

Ursula Ammann

Selbst die Kleinsten fürchten sich nicht vor Väterchen Frost, denn er bestraft nie ein Kind. (Bild: unknown)

Selbst die Kleinsten fürchten sich nicht vor Väterchen Frost, denn er bestraft nie ein Kind. (Bild: unknown)

Die Geschenke gibt es nicht zu Weihnachten, sondern an Silvester. Das hat politische Gründe. (Bild: unknown)

Die Geschenke gibt es nicht zu Weihnachten, sondern an Silvester. Das hat politische Gründe. (Bild: unknown)

Fototermin mit dem «Djed Moros» und Snegurotschka (links).

Fototermin mit dem «Djed Moros» und Snegurotschka (links).

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