Kägi AG will Fachkräfte mieten

Die Unternehmung unterbreitet den Toggenburger Firmen ein besonderes Angebot: Unternehmen, die ihre qualifizierten Fachkräfte aus wirtschaftlichen Gründen zurzeit nicht voll beschäftigen können, können diese vorübergehend vermieten.

Sabine Schmid
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Die in Lichtensteig produzierten Schokoladewaffeln werden auf der ganzen Welt gerne gegessen. (Bild: pd)

Die in Lichtensteig produzierten Schokoladewaffeln werden auf der ganzen Welt gerne gegessen. (Bild: pd)

LICHTENSTEIG. Die Produktion bei der Kägi AG in Lichtensteig läuft auf Hochtouren. Auch wenn die Firma das Geschäft in Europa gegenüber den Vorjahren nicht stark ausbauen konnte, so wächst der Umsatz in Asien und im Mittleren Osten. Auch in der Schweiz sind die Waffeln und Biskuits aus dem Toggenburg gefragt. «Wir haben in der letzten Zeit viel investiert, dies schlägt sich nun im Wachstum nieder», fasst CEO Marc T. Tümmers zusammen. Mit Plakaten, Fernsehspots und auf digitalen Medien ist die Werbung intensiviert worden, zudem zieht der im Frühjahr eröffnete vergrösserte und erneuerte Shop viele Kundinnen und Kunden an.

Gewinner auf allen Seiten

«Diese Wachstumsraten können wir nur abdecken, wenn wir mehr produzieren», sagt Marc T. Tümmers. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass bei einigen Anlagen auf einen 3-SchichtBetrieb umgestellt werden musste. Dies braucht entsprechend mehr Personal, das die Firma nur teilweise in den eigenen Reihen findet. Nun hat sich das Unternehmen mit einer Anfrage nach Mietmöglichkeiten von Fachkräften an die Mitglieder der Arbeitgebervereinigung Toggenburg gewandt. Er wisse, dass die Mitarbeiter einiger Firmen aufgrund des wirtschaftlichen Umfeldes nicht völlig ausgelastet sind oder kurzarbeiten. «Wir bieten den Firmen nun die Möglichkeit, dass sie Maschinen- und Schichtführer während einer gewissen Zeit bei uns arbeiten lassen», erklärt Marc T. Tümmers das Angebot. Er sieht dabei drei Gewinner: Der Arbeitgeber, der Mitarbeiter und seine eigene Unternehmung. Der Arbeitgeber könne seinen Mitarbeiterbestand trotz momentan schwindenden Aufträgen halten. Der Mitarbeiter kann eventuelle Lohneinbussen, die durch Kurzarbeit entstehen, auffangen. Und die Kägi AG schliesslich kann kurzfristig ihren Mitarbeiterbedarf decken. Eines wolle die Kägi AG aber auf keinen Fall, nämlich die Fachkräfte abwerben. «Wenn wir Stellen zu besetzen haben, dann schreiben wir die mit Inseraten aus und führen ein offizielles Bewerbungsverfahren durch», sagt Tümmers. Bedenken über fehlendes fachliches Wissen hat er keine. Qualifizierte Facharbeiter verfügen über das notwendige mechanische Grundverständnis. Die unternehmensspezifischen Kernprozesse, wie Waffeln backen, Schokolade herstellen oder überziehen, werden weiterhin ausschliesslich vom Kägi-Fachpersonal ausgeführt.

Idee sollte funktionieren

Vor rund einer Woche ist das Schreiben an die Mitglieder der Arbeitgebervereinigung Toggenburg gesandt worden und Marc T. Tümmers hat bisher eine Rückmeldung erhalten. Er ist aber nach wie vor überzeugt, dass sein Vorhaben funktioniert. Bei einer früheren Arbeitsstelle in Deutschland haben verschiedene Firmen ihre Mitarbeiter untereinander vermietet, um Produktionsspitzen bewältigen zu können. Die Unternehmen dort seien in Konkurrenz gestanden, das sei hier im Toggenburg nicht der Fall. Einen Plan B hat er nicht. «Sollten wir die benötigten Fachkräfte nicht finden, müssten unsere Mitarbeiter weitere Überstunden leisten. Denn die Produktion können wir nicht drosseln». Marc T. Tümmers sieht seine Aktion als Stärkung für die Wirtschaftsregion Toggenburg. «Wir leisten einen Beitrag, dass Fachkräfte im Toggenburg bleiben können und aufgrund der wirtschaftlichen Situation in den Betrieben nicht in andere Regionen abwandern», sagt er.

Produktion wird ausgebaut

Für den Kägi-CEO ist klar, dass diese Massnahme nicht von Dauer sein kann. Die Kägi plant, im kommenden Sommer die Produktionsanlagen auszubauen. Der Platz dafür sei in einem ersten Schritt vorhanden, so Marc T. Tümmers. «Unsere Absicht ist nicht, die Mitarbeiter durch Maschinen zu ersetzen, aber wir müssen unsere Kapazität und Produktivität erhöhen».