Junikälte oder Wespenplage

Alltag

Andrea Häusler
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Meteorologischer Sommerbeginn hin oder her. Das Quecksilber hat am Wochenende die 25-Grad-Marke geknackt. Per Definition bedeutet dies zwei «Sommertage», tatsächlich die Startfreigabe für die Freiluftsaison. Es ist Samstag, die Gartenterrasse voll, der Weisswein kalt, der Grill heiss, die Stimmung ausgelassen.

Die ungeladenen Besucher überraschen die Gesellschaft während der Vorspeise. Nervig summend drängt der erste auf den gedeckten Tisch und setzt sich ungeniert auf eine ausgelöffelte Melonenhälfte. Der zweite schwarz-gelbe Störenfried lauert, am Ort schwebend, hinter einer Stuhllehne. Jemand steht auf, tritt zurück, derweil dessen Tischnachbarin mit der Serviette fuchtelt. Die Kritik folgt umgehend: Schnelle Bewegungen provozieren die Wespen. Das Stichwort liefert Gesprächsstoff zuhauf. Tipps, wie man die Biester vergrämt, machen die Runde, Meinungen über Sein und Nichtsein werden ausgetauscht. Erschlagen oder mit abseits lockendem faulem Obst durchfüttern? Uneinigkeit.

Einig ist sich die Gesellschaft hingegen darin, dass es im Mai noch keine Wespen geben dürfte. Die tauchten doch erst im Hochsommer auf, glaubt einer zu wissen. Andere vermuten die Ursache in den warmen Frühlingstemperaturen und stellen eine Wespenplage in Aussicht. Vielleicht wird es im Juni nochmals kalt. Das hemmte das Wachstum der Nester, relativiert der Erstere nüchtern und blickt in ernste Gesichter. Wespen im Sommer oder Kälte im Juni? Die Qual der Wahl bleibt der Runde erspart. Die Natur schert sich nicht um menschliche Präferenzen.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

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