Jungspund übernimmt Bühne Thurtal: Der Uzwiler Simon Keller wird Nachfolger von Willy Hollenstein

Ab Sommer leitet der Schauspieler, Autor und Produzent Simon Keller die Bühne Thurtal. Er folgt auf den Wiler Willy Hollenstein, der nach zehnjähriger Tätigkeit zurücktritt. Der Wechsel ist nicht die einzige Veränderung, die den Verein dieses Jahr beschäftigen wird. Gestern wurde dem 25-Jährigen von der Gemeinde Uzwil zudem die Auszeichnung «Mittelpunkt 2019» verliehen.

Tobias Söldi
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«Ein Glücksfall», ist man sich bei der Bühne Thurtal einig: Simon Keller wird neuer Leiter. (Bild: PD)

«Ein Glücksfall», ist man sich bei der Bühne Thurtal einig: Simon Keller wird neuer Leiter. (Bild: PD)

Simon Keller ist kein Unbekannter bei der Bühne Thurtal. Er hat bereits einmal mit dem Theaterverein die Bühne geteilt – und zwar wortwörtlich. Vergangenes Jahr führte der 25-Jährige in Wattwil das Stück «Krabat» auf und durfte dafür die Infrastruktur benutzen, welche die Bühne Thurtal für ihren «Ueli Bräker» aufgebaut hatte. «Die Zusammenarbeit hat sehr, sehr gut funktioniert,» erinnert sich Keller an die Produktion.

Aus dem Nebeneinander ist ein Nacheinander geworden: Keller wird diesen Sommer die Nachfolge von Willy Hollenstein antreten. «Die Freude überwiegt enorm», sagt Keller, der schon länger auf der Suche nach etwas Eigenem war. Auch Hollenstein ist sich sicher, dass der Verein bei Keller in guten Händen ist: «Er bringt alle Voraussetzungen mit, um die Bühne Thurtal weiter zu entwickeln», lässt er sich in einer Medienmitteilung zitieren.

«Mit seiner Inszenierung ‹Krabat› hat er mich derart überzeugt, dass ich absolut keine Zweifel habe, ihm das Ganze anzuvertrauen.»

Hollenstein tritt nach fast zehn Jahren zurück.

Zur Person

Simon Keller, 1994 geboren, wusste früh, dass die Bühne sein Ziel war. Schon im Kindergartenalter führte er Theater- und Zirkusaufführungen in seinem Heimatdorf Hemberg im Toggenburg auf. Später schnupperte er bei verschiedenen Theatervereinen. Während seiner Lehre zum Automatiker begann er dann, eigene Stücke zu schreiben und auf die Bühne zu bringen. In seinem Portfolio finden sich so unterschiedliche Stücke wie «AK Was?!», welches das Thema Kernschmelze aufgreift, «Endstation», ein Stück, das sich mit der Frage auseinandersetzt, was nach dem Tod mit uns passiert, oder die Kriminalkomödie «Wo ist Walter?». Vergangenen Sommer führte Keller das Freilichtspiel «Krabat» in Krinau auf. Sein aktuellstes Stück, das Drama «Social Reality», handelt von der Welt von Facebook, Twitter und Whatsapp. Seit 2016 besucht der 25-Jährige die European Film Actor School in Zürich. Die Ausbildung wird er noch dieses Jahr abschliessen. (tos/pd)

Mehr Profis, mehr Kammerspiele

Mit dem Führungswechsel wird sich die Bühne Thurtal teilweise neu positionieren. Keller:

«Ich möchte nicht nur Freilichtspiele, sondern auch kleinere Kammerspiele auf die Bühne bringen und eine Märchenbühne aufbauen.»

Dabei will er vermehrt auf Profis setzen, während früher mehrheitlich Laiendarsteller aus der Region zum Einsatz kamen. Auf diese Weise möchte Keller ausgebildeten Schauspielerinnen und Schauspielern aus der Deutschschweiz regelmässige Engagements in der Heimat ermöglichen. «Ich komme aus diesem Bereich und weiss, wie schwierig es ist, etwas zu bekommen.» Bei den Freilichtspielen erhielten Laiendarsteller aber nach wie vor die Chance, Bühnenluft zu schnuppern und ihre Leidenschaft fürs Theater auszuleben. «Das möchten wir auf jeden Fall weiterführen.»

Den Schwerpunkt auf Laienschauspielerei legt dagegen seit kurzem der Verein Theaterzone. Dieser ist vor eineinhalb Jahren aus der Bühne Thurtal hervorgegangen und hat sich die Ausbildung von Laienschauspielern zum Ziel gesetzt. Will heissen: Nicht das Proben für eine Aufführung steht im Zentrum, sondern das Erlenen von verschiedenen Schauspieltechniken, die Beschäftigung mit den Grundlagen und Feinheiten des Schauspiels, wie Präsidentin Jacqueline Gübeli gegenüber dieser Zeitung sagte.

Bühne Thurtal zieht nach Herisau

Auch im Hintergrund wird die Bühne Thurtal neu strukturiert. «Ich bringe viele neue, junge Leute mit», sagt Keller. Ein junges Team aus Fachpersonen verschiedener Sparten von Informatik über Gestaltung bis zur Fotografie wird sich organisatorischen Aufgaben widmen. «Natürlich zählen wir aber auch auf die Erfahrungen der Bisherigen.» Auch Willy Hollenstein ist nach seinem Rücktritt als Präsident weiter dabei. «Das ist ein grosser Vorteil für mich. Er ist eine tolle Stütze im Hintergrund», sagt Keller.

Uzwil verleiht Simon Keller den Preis «Mittelpunkt 2019»

An der gestrigen Bürgerversammlung der Gemeinde Uzwil wurde Simon Keller, der in Uzwil wohnhaft ist, der «Mittelpunkt 2019» überreicht. Der Preis, der seit 2013 an Personen oder Personengruppen aus der Gemeinde Uzwil vergeben wird, ehrt Menschen, welche sich durch ein herausragendes Engagement und besondere Leistungen auszeichnen. Im vergangenen Jahr ging der Preis an die Rapperin Doris Mete und das Team der Dampflok-Werkstätte in Uzwil. Es ist nicht Kellers erste Auszeichnung. So erhielt er im Jahr 2017 den Wanderpreis von Kultur Toggenburg und 2016 mit dem Stein des Anstosses des Rotary Clubs Neckertal. (tos/pd)

Die dritte Veränderung, die für den Verein dieses Jahr ansteht, ist geografischer Natur. Neu ist die Bühne Thurtal in Uzwil eingetragen. Die Geschäftsräume mit Büro, Sitzungszimmern sowie Probe- und Lagerraum, die im Sommer umgebaut werden, befinden sich in Herisau. Für Oktober 2019 ist ein Einweihungsfest des neuen Standorts geplant. Beim Namen «Thurtal» bleibe es aber, obwohl man sich vom namensgebenden Tal entferne. Man sei ein Verein aus und für die Ostschweiz und darüber hinaus, heisst es seitens der Bühne Thurtal.

Programm wird im Oktober bekannt gegeben

Ob all dieser Wechsel, Anpassungen und Neustrukturierungen wird dieses Jahr keine Produktion der Bühne Thurtal umgesetzt. Keller erklärt:

«Es wäre schlicht zu viel. Wir machen lieber ein Jahr Pause und starten dann mit dem neuen Programm.»

Dieses befindet sich zurzeit in der Vorbereitung. Geplant sind eine Komödie, ein Freilichtspiel und ein Märchen für Kinder. Unter anderem schreiben vier junge Schauspieler zusammen mit Simon Keller an einem Stück zum Thema «Mann sein und was ein Mann heute noch darf». Das detaillierte Jahresprogramm 2020 wird der Öffentlichkeit im Oktober bekanntgegeben.