Junge Spione unterwegs

Kindergarten- und Schulkinder aus drei Wiler Quartieren begaben sich mit einer Agentenausrüstung ausgestattet auf Quartierspionage. Gesucht wurden jedoch keine Verbrecher, sondern Orte, die den Kindern gefallen oder missfallen.

Drucken
Teilen
Unisono als Gefahr beurteilen die Kinder breite, stark befahrene Strassen in verschiedenen Quartieren. (Bild: pd)

Unisono als Gefahr beurteilen die Kinder breite, stark befahrene Strassen in verschiedenen Quartieren. (Bild: pd)

WIL. Die Erkundung Wils durch die Sechs- bis Zwölfjährigen steht im Zusammenhang mit dem Vorhaben der Stadt, sich als Gemeinde mit grosser Lebensqualität zu positionieren – nicht nur, aber auch für Kinder und Familien. Die Stadt Wil strebt für das Jahr 2015 das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» an. Hintergrund dieser Unicef-Initiative ist die UN-Kinderrechtskonvention, welche das Recht der Kinder auf Partizipation am politischen, ökonomischen und sozialen Leben einer Gemeinde beinhaltet und folglich den Miteinbezug des Kindeswohls in kommunalen Politikentscheiden impliziert.

Spiel und Nutzen verbinden

Unter Einbezug von zehn Prozent aller Wiler Kinder und Jugendlichen werden deren Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche an die Quartierräume herausgearbeitet. Dabei begleitet das Institut für Soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit die Stadt Wil auf einem Wegstück zur kinderfreundlichen Gemeinde.

Ein zentrales Instrument bildet die Methode der «Quartierspionage», welche Spiel und Nutzen verknüpft. Zunächst bedarf es einer optimalen Vorbereitung – ein Spion will schliesslich ordentlich ausgerüstet sein. Erst wenn der Agentenausweis sichtbar um den Hals baumelt und die Materialien zur Spurensicherung bereit stehen, namentlich Stadtpläne und farbige Klebepunkte, schwärmen die Detektive aus. Während die Klassenkameradinnen und -kameraden in den Schulzimmern Zeichnungen von ihrem Schulweg anfertigen, marschieren die Kindergruppen in Begleitung von je zwei Studierenden der Soziokulturellen Animation los. Die nach Geschlecht und Alter gegliederten Gruppen spazieren dabei auf ihren Schulwegen, aber auch rund um beliebte Spiel- und Aufenthaltsorte, über belebte Plätze sowie entlang weniger begangener oder gar gemiedener Strassen. Die Studierenden dokumentieren die Kommentare der Kinder, stellen Fragen und halten Orte und Situationen auf Fotos fest; etwa den von Buben nachgestellten Streit, welchen sie einmal unter älteren Jugendlichen beobachtet haben. Andernorts zieht ein geheimnisvolles Haus die Aufmerksamkeit mehrerer Gruppen auf sich. Die einen sehen in diesem ein abenteuerliches Gespensterhaus, für die anderen ist es vielmehr ein Ort zum Fürchten.

Berichte über Fast-Unfälle

Unisono als Gefahr beurteilen die Kinder breite, stark befahrene Strassen in verschiedenen Quartieren, welche für viele einen Abschnitt des täglichen Schulwegs darstellen. Einzelne Buben berichten gar von Fast-Unfällen zu Fuss oder auf dem Velo. Während einige Kinder an verschiedenen Orten verweilen möchten, übernimmt eine Zweitklässlerin konzentriert die Führung und überquert zielsicher die St. Gallerstrasse. Es müssen schliesslich noch viele Spielplätze ausprobiert und verglichen werden.

Leitbild und Aktionsplan

Die durch die Kinder absolvierten Wege und geäusserten Bewertungen dienen als Grundlage für eine Dokumentation und einen Bericht der Hochschule Luzern. Zusammen mit den Ergebnissen der Zukunftswerkstätten der Oberstufenschüler bildet dieser Bericht einen zentralen Baustein auf dem Weg der Stadt Wil zu einer rundum kinderfreundlichen Gemeinde. Als nächste Schritte stehen die Erarbeitung eines Leitbildes zur Kinder- und Jugendpolitik und eines Aktionsplanes für die Beantragung des Labels an. (sk)