«School of Rock» an der Kanti Wil: Eine Schülerband wagt sich an Klassiker der Rockgeschichte

Am Samstag stehen sie im Rock-und-Pop-Museum in Niederbüren auf der Bühne.

Tobias Söldi
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Philippe Ellenberger (ganz links) und Oliver Benz (ganz rechts) mit den Schülern des Projekts «History of Rock».

Philippe Ellenberger (ganz links) und Oliver Benz (ganz rechts) mit den Schülern des Projekts «History of Rock».

Bild: PD

Wie von einem anderen Planeten wirkt der schusselige Jack Black in der Filmkomödie «School of Rock», wenn er den allzu angepassten, unbedarften Schülerinnen und Schülern einer teuren Privatschule seine Liebe für heulende Gitarrensolos und rockende Riffs erklärt. Er will eine Band auf die Beine stellen und einen Rockwettbewerb gewinnen.

In den letzten Monaten ist auch die Kantonsschule Wil zu einer Schule des Rock geworden. Unter der Anleitung der Musiklehrer Oliver Benz und Philippe Ellenberger haben acht Schülerinnen und Schüler des Ergänzungsfachs Musik eine Band gegründet und einige Rockklassiker einstudiert. Oliver Benz sagt grinsend:

«Es gab Situationen, da kam ich mir wirklich vor wie Jack Black im Film.»

Er ist selbst ein grosser Fan von «School of Rock». An einem Wettbewerb nehmen die Wiler Schülerinnen und Schüler zwar nicht teil, aber morgen Samstag werden sie im Rock-und-Pop-Museum in Niederbüren auf der Bühne stehen.

Wie es zu «History of Rock» gekommen ist

Der Ursprung des Projekts «History of Rock» führt nach Niederbüren ins Rock-und-Pop-Museum, welches Musiklehrer Oliver Benz wiederholt mit seinen Schülerinnen und Schülern besuchte. «Im Hinterkopf hatte ich stets die Idee eines Auftritts im Museum», sagt Benz. Roland «Tschiibii» Grossenbacher vom Museum sei sofort von der Idee begeistert gewesen. Zu seinen Ehren spielt die Band auch einen Song der Kinks – «Tschiibiis» Lieblingsband. (tos)

Rockklassiker neu arrangiert

In Wil trägt das Projekt den Namen «History of Rock». Und anders als im Film waren keine grossen Überredungskünste nötig, die Schülerinnen und Schüler für die Idee zu begeistern. «Die Gruppe war sehr daran interessiert, in einer Band zu spielen», erinnert sich der Pianist.

Seit Beginn des Schuljahres übt die junge Band jeweils am Freitagnachmittag während vier Lektionen. Auf dem Programm stehen bekannte Klassiker aus der Rockgeschichte, etwa von den Beatles, von Queen und den Kinks. Kommen diese Songs noch an bei der jungen Generation? Benz bejaht:

«Die Jugendlichen waren sehr offen für die Geschichte der Rockmusik.
Und ich habe gestaunt, wie viel Wissen bereits vorhanden ist.»

Eine Herausforderung hingegen war es, die Besetzung der Band und die ausgewählten Songs in Einklang zu bringen, mussten doch auch Cello und Geige in den Bandsound integriert werden. «Wir sind relativ frei mit den Songs umgegangen. Zum Teil haben wir sie umarrangiert und neue Einleitungen geschrieben», erzählt Benz. Ausserdem habe man schlichte Songs ausgewählt, die sich leichter bearbeiten lassen.

Oliver Benz weiss, wovon er spricht. Der 41-jährige gebürtige Schaffhauser sammelte nach dem Studium an der Jazzschule viel Banderfahrung und stand schon mit diversen Formationen im Studio und auf der Bühne – einmal sogar im Hallenstadion vor 8000 Leuten, im Rahmenprogramm einer Party zur Fussball-WM. Und mit seinem Projekt «The Twin Solution» hat er 2016 das Progressive-Rock-Album «Cocoon» herausgebracht. «Das verschafft mir gegenüber den Schülern auch Glaubwürdigkeit», sagt Benz.

Oliver Benz im Proberaum der Kanti Wil.

Oliver Benz im Proberaum der Kanti Wil.

Bild: Tobias Söldi

Von Bühne in die Schulzimmer

Nach einigen Jahren als freier Musiker und Instrumentallehrer hat sich Benz 2009 aber entschieden, sich zum Kantonsschullehrer auszubilden – ein Ziel, das er schon früh im Hinterkopf hatte. Den Schritt weg von der Bühne und in die Schulzimmer hat er nie bereut: «Ich kann mich als Kantilehrer sowohl musikalisch als auch pädagogisch ausleben.» Benz arbeitet heute an der Kanti Wil und an der Kantonsschule Zürich Nord und wohnt mit Frau, Sohn und Tochter in Andelfingen. «Der Moment auf der Bühne hat immer eine Magie und einen Reiz. Und manchmal vermisse ich es» gibt der Musiker zu.

«Aber was ich jetzt habe,
wiegt das mehr als auf.»

So ermöglicht Benz es nun andern, einmal auf der Bühne zu stehen: den acht Bandmitgliedern des History-of-Rock-Projektes. Er ist überzeugt: «Wenn die Schülerinnen und Schüler einst auf ihre Kantizeit zurückblicken werden, wird vieles vergessen sein. Aber dieser Auftritt wird ihnen sicher in Erinnerung bleiben.»

Und wenn man sich nochmals an «School of Rock» erinnert, darf man zuversichtlich sein. Der bombastische Auftritt der Schülerband wurde dort zum grossen Erfolg.

«History of Rock», Samstag, 7.Dezember, 10 bis 11 Uhr, Rock-und-Pop-Museum Niederbüren.