Jungbrunnen an der Thur

In den Weltmeeren wird vielleicht bald nach einer ganz bestimmten Art gefischt: nach Plastik. Ein holländisches Unternehmen möchte diesen für den Bau von Strassen nutzen.

Ursula Ammann
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St. Gallen - Ursula Ammann Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Ursula Ammann)

St. Gallen - Ursula Ammann Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Ursula Ammann)

In den Weltmeeren wird vielleicht bald nach einer ganz bestimmten Art gefischt: nach Plastik. Ein holländisches Unternehmen möchte diesen für den Bau von Strassen nutzen.

Wenn aus Plastikmüll Strassen werden können, sollte es eigentlich auch möglich sein, andere unliebsame Dinge in etwas Brauchbares oder gar Sinnvolles zu verwandeln. Den Japanischen Staudenknöterich zum Beispiel, einen der meist gefürchteten Neophyten in unserer Region. Der «Asiate» ist hier verwurzelter als jeder Patriot. Immer wieder anzutreffen ist er entlang der Thur. Bis jetzt hat er sich noch nicht komplett verdrängen lassen. Vielmehr verdrängt er die einheimische Flora. Den Gemeinden ist er ein Dorn im Auge. Jahr für Jahr werden Zivilschützer und Asylsuchende losgeschickt, um den Knöterich auszureissen. Die Pflanzenteile landen schliesslich auf dem Kompost – dies nachdem sie erhitzt wurden, um sich nicht weiter vermehren zu können.

Auch wenn der Japanische Staudenknöterich als Feind erscheinen mag: Er hat auch seine guten Seiten. Die Liste an Heilkräften, die er besitzen soll, ist lang. Studien zufolge wirkt er etwa gegen Viren, Pilzinfektionen, hohen Blutdruck und sogar gegen Tumore. Er weist einen vergleichsweise hohen Gehalt an Resveratrol auf. Ein Stoff, der von Pflanzen zur Abwehr von Schadstoffen und Krankheiten gebildet wird und dessen antioxidative Wirkung sich laut Wissenschaftern auch beim Menschen entfaltet. Resveratrol soll besonders das Herz-Kreislauf-System sowie den Fettstoffwechsel unterstützen und das Immunsystem stärken. Der Knöterich gilt aber aufgrund seiner verjüngenden Eigenschaften auch als Anti-Aging-Pflanze, als wahrer Jungbrunnen.

Dieses Kraut müsste eigentlich ein gefundenes Fressen sein für alle Pharmafirmen. Die Bekämpfungsaktionen an der Thur würden damit hinfällig, die Region dank ihrer Rohstoffe reich. Aber so einfach ist es scheinbar doch nicht. Vielleicht kann ja jeder einmal im Kleinen beginnen. Die jungen Triebe des Staudenknöterichs sind angeblich essbar und erinnern im Geschmack an Rhabarber. Nur sollte man bei der Zubereitung darauf achten, dass sich der Knöterich nicht im eigenen Garten weitervermehrt.

ursula.ammann@wilerzeitung.ch