Jung und pink: Kantischülerin befasste sich mit der Operation Libero

Politikverdrossen? Von wegen: Auch junge Menschen sind politisch aktiv. Dolores Jockel ist Mitglied der Operation Libero. Ihre Maturaarbeit hat sie der politischen Bewegung gewidmet.

Dinah Hauser
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Dolores Jockel interessiert sich seit der Oberstufe für Politik. (Bild: Dinah Hauser)
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Personen mit einem hohen Hang zu Narzissmus veröffentlichen oft Selbstportraits in den Sozialen Netzwerken. (Bild: Getty)

Dolores Jockel interessiert sich seit der Oberstufe für Politik. (Bild: Dinah Hauser)

Ihre Farbe ist Pink. Zumindest wenn es um politische Ansichten geht. Dolores Jockel ist in der Bewegung Operation Libero aktiv (siehe Kasten unten). Ihrer Freizeitbeschäftigung hat die 19-jährige Wilerin ihre Maturaarbeit gewidmet. Eigentlich wollte sie einem anderen Thema nachgehen, «aber mein Betreuer hat meine politische Begeisterung gespürt».

Ihr Interesse für Politik wurde im Alter von 14 Jahren geweckt. «Wir besuchten das Bundeshaus. Das hat eine unstillbare Neugier ausgelöst.» In der Folge las sich Jockel durch jegliches Material, welches sich mit dem politischen Apparat der Schweiz befasst und begann sich im Schülerrat der Oberstufe Sonnenhof zu engagieren. Jockel sagt:

«Nur wer sich einsetzt, kann auch etwas verändern.»

Operation Libero

Die politische Bewegung Operation Libero geht auf 2014 zurück, als die Masseneinwanderungsinitiative angenommen wurde. In der Folge gründeten Gleichgesinnte den Verein. Dieser arbeitet je nach Thema mit verschiedenen Parteien zusammen. Die Operation Libero setzt sich ein für eine weltoffene und zukunftsgewandte Schweiz. Dabei schliessen sich eine liberale Wirtschafts- und eine liberale Gesellschaftspolitik nicht gegenseitig aus. Jede Person kann Mitglied werden. In verschiedenen Regionen sind Sektionen aktiv. Der Verein finanziert sich durch Kleinspenden. (dh)

Neue Bewegungen als Gefäss für Politik

In ihrer Maturaarbeit ging Jockel der Frage nach, welche Rolle politische Bewegungen im Schweizer Parteisystem haben und verglich die Operation Libero mit der FDP. Dies, «weil im Liberalismus eine gemeinsame Basis besteht», sagt Jockel.

Durch Interviews und Recherche kommt Jockel zum Schluss: Die Operatio Libero arbeitet zwar mit verschiedenen Parteien zusammen, sieht ihre Zukunft aber nicht in einer Parteigründung. Neue politische Bewegungen seien mit den Mitteln, die sie anwenden, wie die sozialen Medien, durchaus erfolgreich. Aber ein politisches System, in dem sie die wichtigste Rolle spielen, sei nicht oder noch nicht denkbar.

Neue Bewegungen könnten indes als Gefässe für Politik dienen, die dafür sorgen, dass mehr Menschen auf politische Streitfragen aufmerksam werden und sich engagieren. Auch erlaube die Form des Vereins gewisse Freiheiten, die eine Partei nicht kennt: «Eine Politikerin kann beispielsweise die Bewegung unterstützen und gleichzeitig einer Partei angehören», sagt Jockel.

«Ich kann verstehen, dass einige Personen keine Lust haben, sich mit dem komplizierten Abstimmungsbüchlein oder Listen auseinanderzusetzen.»

Deswegen begrüsst Jockel Projekte, welche die Materie in vereinfachter und verständlicher Form erklären. «Der Sinn einer Demokratie ist, dass das Volk mit einbezogen wird. Mit der sinkenden Beteiligung gibt das Volk das Mitbestimmungsrecht auf.»

Nach bestandener Matura möchte Jockel das Studium der Politikwissenschaften an der Universität Zürich aufnehmen. Als Nebenfach hat sie Philosophie gewählt.