Jugend fehlt die Shopping-Meile

Das Ziel ist definiert: Im August 2016 will Flawil als «Kinderfreundliche Gemeinde» zertifiziert sein. Derzeit wird der Weg dafür geebnet. Unter anderem mit Workshops, in denen Kinder und Jugendliche ihre Ideen einbringen können.

Andrea Häusler
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Flawiler Oberstufenschülerinnen und -schüler setzen sich mit ihrer Wohngemeinde auseinander; angeleitet und inspiriert von René Hirschi von der Offenen Jugendarbeit Flawil (2. v. l.). (Bild: Andrea Häusler)

Flawiler Oberstufenschülerinnen und -schüler setzen sich mit ihrer Wohngemeinde auseinander; angeleitet und inspiriert von René Hirschi von der Offenen Jugendarbeit Flawil (2. v. l.). (Bild: Andrea Häusler)

FLAWIL. «World-Café» lautete die Bezeichnung des Workshops, an dem sich gestern nachmittag 18 Jugendliche der Oberstufe mit den Vorzügen und Defiziten der Gemeinde Flawil auseinandersetzten. Kaffee gab es keinen, dafür überraschende und differenzierte Aussagen; Statements, die offen geäussert und zu Papier gebracht wurden. Die Ideen und Anregungen, aber auch die Kritik der jungen Leute soll in den Ideentopf einfliessen, der seit Herbst dieses Jahres mit Resultaten von Befragungen verschiedenster Altersgruppen geäufnet wird. In einer ersten Etappe waren es die Eltern von Kleinkindern, die sich einbringen durften, in weiteren die Kindergärtler und Lernende der Unterstufe. Die 16- bis 18-Jährigen hatten die Möglichkeit, sich an einer Online-Umfrage zu beteiligen. Die Resonanz sei erfreulich gewesen, sagte Jugendarbeiter René Hirschi gestern. «75 junge Erwachsene oder 20 Prozent haben die Fragebögen ausgefüllt.»

Fragebögen und Gespräche

Trotz der positiven Erfahrung mit Meinungserhebungen über Internet seien Fragebögen für die Altersgruppe «Oberstufe» kein Thema gewesen, erklärte Hirschi und verwies auf den Wert des Dialogs.

Tatsächlich tauschten sich die verschiedenen Arbeitsgruppen zugeteilten Jugendlichen angeregt aus, sprachen über ihre Beziehung zur Gemeinde, ihre Befinden als Mitglieder der Dorfgemeinschaft, sie formulierten ihre Wünsche, benannten Defizite und unterbreiteten konkrete Verbesserungsvorschläge.

McDonald's und Kleiderläden

Mehrere Schülerinnen und Schüler hoben die überschaubare Grösse Flawils hervor: Man kennt sich und die Wege sind kurz. Hoch ist generell das subjektive Sicherheitsgefühl. Obwohl einzelne Orte wie die Bahnhofunterführung oder Parkanlagen bei Nacht vor allem von den jungen Frauen als unsicher empfunden werden. Positive Bewertungen erhielten die Qualität und das Angebot an Sportanlagen und die vielen Döner-Läden. Mehrfach bemängelt dagegen wurden die Zahl und Auswahl an Läden, die Shopping ermöglichen: namentlich Kleidergeschäfte. Das vorhandene Angebot wird als langweilig und wenig jugendfreundlich empfunden. Gut kämen bei den Jugendlichen auch ein McDonald's, ein «Starbucks» oder ein Kino an; ausserdem ein Café, das sich als Treffpunkt eignete.

Öffentlicher Workshop

Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt der Oberstufe in der Bibliothek des Schulhauses Grund werden nun – gemeinsam mit jenen der übrigen Alterskategorien – zusammengefasst und am 16. Januar nächsten Jahres in einem Workshop für Erwachsene vorgestellt, diskutiert, reflektiert und ergänzt. Dazu werden Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Parteien, aus Behörden, Verwaltung und Kirche sowie der gesamten Bevölkerung eingeladen.

Aktionsplan mit Massnahmen

Aus den gesammelten Inputs von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird ein Aktionsplan resultieren, der vom Gemeinderat verabschiedet und im Mai 2016 den Verantwortlichen der UNICEF präsentiert und von diesen im Rahmen eines Evaluationstages geprüft wird.

Die Gemeinde erhält – sofern die Evaluation zu einer positiven Beurteilung führt – voraussichtlich im August 2016 für vier Jahre die Auszeichnung «Kinderfreundliche Gemeinde». Diese soll dann im Herbst 2016 mit einem Zertifizierungsfest gefeiert werden.